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Ratiopharm, Heidelcement & Co Milliardär Merckle ordnet sein Familienimperium neu

14.03.2008 ·  Der milliardenschwere Unternehmer Adolf Merckle aus dem schwäbischen Blaubeuren ordnet sein Familienimperium neu. Die größten Veränderungen stehen bei Ratiopharm an. Merckle-Sohn Philipp gibt die Führung des Generikaherstellers ab.

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Der milliardenschwere Unternehmer Adolf Merckle aus dem schwäbischen Blaubeuren ordnet sein Familienimperium neu. Wenige Tage vor seinem 74. Geburtstag hat Merckle die Führung seiner drei wichtigsten Beteiligungsgesellschaften an Bernd Scheifele abgegeben, der nun eine neue Führungsgesellschaft leitet. Der 49 Jahre alte Jurist Scheifele, seit langem Adolf Merckles engster Vertrauter, ist als Vorstandsvorsitzender der Heidelberg Cement AG zugleich operativ verantwortlich für die wichtigste Beteiligung der Merckles. In den beiden anderen zentralen Gesellschaften, dem Generika-Hersteller Ratiopharm sowie Phoenix, dem größten deutschen Pharmahändler, führt Scheifele die Aufsichtsgremien. Insgesamt arbeiten in den Merckle-Gesellschaften mittlerweile rund 100.000 Beschäftigte, die einen Umsatz von 30 Milliarden Euro erwirtschaften.

Sohn Philipp tritt als Ratiopharm-Chef zurück

Die größten Veränderungen gibt es bei Ratiopharm. Dort tritt Adolf Merckles Sohn Philipp nach zweieinhalb Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung zurück und zieht in den neu gegründeten Beirat ein. Sein Nachfolger wird zum 1. April Oliver Windholz, ein Manager von Heidelberg Cement, der für seine neue Position von Bernd Scheifele vorgeschlagen wurde. Die Ratiopharm-Belegschaft wurde darüber in einer Betriebsversammlung an diesem Donnerstag informiert.

Adolf Merckle nahm an dieser Versammlung, anders als geplant, aus gesundheitlichen Gründen nicht teil. Die Entscheidungen der Familie trugen stattdessen seine Frau Ruth Merckle sowie Philipp Merckle vor. "Philipp hat wichtige und schwierige Entscheidungen getroffen. Das Unternehmen hat sich personell auf der Führungsebene stark verändert", ließ Adolf Merckle ausrichten. Ratiopharm werde keinesfalls verkauft, auch ein Börsengang komme nicht in Frage. Das Unternehmen gilt als Keimzelle des Familienkonglomerats, das vor 40 Jahren mit 80 Mitarbeitern und umgerechnet 2 Millionen Euro Umsatz noch ein kleiner Mittelständler war.

Grundsatzfragen „auch kontrovers“ diskutiert

"Aufgrund meines Alters war es für mich und meine Frau Zeit, über die Sicherung einer erfolgreichen Zukunft nachzudenken. Wir haben diese wichtigen Grundsatzfragen lange und intensiv diskutiert, teilweise auch kontrovers", ließ Merckle weiter bekanntgeben. "Meine Frau und ich sind jetzt sehr glücklich, dass wir zu einer Lösung gekommen sind, die von allen in der Familie mitgetragen wird." Die Neuordnung folge dem Prinzip, zwischen Familie und Management klar zu trennen. Dadurch solle Professionalität bei wichtigen Entscheidungen sichergestellt werden - etwa bei der Frage, ob eine große Investition in dem einen oder im anderen Geschäftsfeld sinnvoll sei. "Wir wollen Objektivität, wir wollen die emotionale Komponente rausnehmen."

Dies schließe auch klare Regeln für das Management, dessen Aufsicht, Vergütung und Auswahl ein. "Wir orientieren uns dabei an vergleichbaren Familienunternehmen, etwa Haniel, die sich solche Regeln schon vor mehr als 100 Jahren gegeben hat", heißt es dazu in Merckles Erklärung. "Die Entscheidung für eine Trennung von Familie und Management bedeutet mitnichten, dass wir die Vorteile und den Charakter als Familienunternehmen aufgeben wollen, im Gegenteil. Wir sind überzeugt, dass wir uns den Herausforderungen des Marktes, insbesondere auch der Globalisierung, erfolgreich stellen werden." Das Unternehmensinteresse werde immer Vorrang vor hohen Dividenden haben, die Geschäftspolitik solle langfristig sein.

Die drei großen Merckle-Gesellschaften sollen eigenständig bleiben

Details wie der Name, der Sitz und die Rechtsform der neuen Führungsgesellschaft sollen erst noch erarbeitet werden. Fest stehe lediglich, dass die unternehmerische Eigenständigkeit der drei wichtigsten Merckle-Gesellschaften - Heidelberg Cement, Phoenix und Ratiopharm - erhalten bleiben soll. Die zahlreichen anderen, kleineren Merckle-Gesellschaften, darunter auch der Pistenbully-Hersteller Kässbohrer, sollen von der nun beschlossenen Neuordnung unberührt bleiben. Die Konstruktion der Führungsgesellschaft, die vorläufig als "virtuell" bezeichnet wird, hänge in vielen Punkten von den steuerlichen Rahmenbedingungen ab.

Adolf Merckle selbst hat sein Vermögen in aller Stille über komplizierte Schachtelkonstruktionen aufgebaut. An eine Stiftung ist nun offenbar nicht gedacht, da bleibt sich die Familie treu: "Denn dann ist das Geld ja weg", hatte Ludwig Merckle, der älteste Sohn von Adolf Merckle, im Gespräch mit dieser Zeitung einmal gesagt.

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