13.06.2007 · Hohe Rabatte beim Autokauf gab es schon immer. Doch so viele und gleichzeitig hohe Nachlässe gegenüber dem Listenpreis wie derzeit, das halten selbst Branchenkenner für einmalig. Besonders großzügig sind Citroën, Renault und Skoda.
Von Thomas SchmittHohe Rabatte beim Autokauf gab es schon immer - vereinzelt und bei einzelnen Modellen, die der Handel loswerden wollte. Doch so viele und gleichzeitig hohe Nachlässe gegenüber dem Listenpreis wie derzeit, das halten selbst Branchenkenner für einmalig. Solange die Absatzzahlen für Neuwagen weiter so deutlich sinken wie zuletzt mit elf Prozent im Mai, dürfte sich daran wenig ändern.
Bei Neuwagen sind Rabatte im zweistelligen Prozentbereich inzwischen Standard, das räumen selbst die Vertreter der Autobranche ein. "Bei Autos darf keiner den Herstellerpreis akzeptieren", rät daher Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Die meisten Autohäuser haben ihre Hauspreise." Diese bekommt man aber meist nur, wenn man intensiv nachfragt und nachhakt. Feilschen lohnt sich also.
Im Extrem sind sogar mehr als 30 Prozent drin. Das gilt nicht nur für ausländische Produzenten wie Citroën, sondern selbst für Hersteller, die sich eigentlich an der Prozenteschlacht nicht beteiligen möchten, wie Volkswagen. Ein Beispiel für einen VW Sharan mit 115 Pferdestärken: Fabrikneu sollte er 34.150 Euro kosten. So möchte es VW gerne. Auf der Internetseite www.ecoagent.de wird er für 22.309 Euro angeboten. Käufer sparen 11.841 Euro oder 37 Prozent.
Franzosen als Vorbild
Solche Rabatte sind deutsche Autokäufer eigentlich nur von den Franzosen gewohnt, deren Firmenkundengeschäft nicht so stark ist und die daher unbedingt an Privatleute verkaufen müssen. Es handelt sich in diesem Fall zwar um "Reimporte" aus dem Ausland, doch letztlich kommen auch diese Wagen oft aus deutschen Fabriken. Der Internetkauf ist allerdings noch nicht so verbreitet, da die ältere und zahlungskräftigere Klientel das Netz scheut und immer noch lieber beim Autohaus um die Ecke kauft.
Doch auch beim Autohändler um die Ecke sind große Nachlässe drin. Deren Niveau hat der Gelsenkirchener Professor Ferdinand Dudenhöffer systematisch erfasst. Seine Berechnungen werden zwar gelegentlich von der Branche als "betriebswirtschaftliche Märchenstunde" verspottet. Insbesondere ist fraglich, wie stark sonstige Vorteile beim Autokauf in den Rabatt eingerechnet werden sollten. Doch Dudenhöffers Statistik belegt ohne Zweifel den Trend: Mehr als 30 Prozent Rabatt sind drin, wenn Käufer nicht gerade ihr absolutes Wunschauto wollen und auch bei der Marke nicht so wählerisch sind.
Porsche zum Beispiel gebe so gut wie keinen Rabatt, erklärt Ulrich May, Jurist des Automobilclubs ADAC. Und auch bei vielen Modellen von Mercedes und BMW sei wenig drin.
Die Autobranche stört die Rabattschlacht gewaltig
Wie lange geht die Rabattschlacht noch weiter? Das ist umstritten. Manche in der Branche wie Dietmar Kupisch von VW Financial Services glaubten schon, dass mit den Mehrwertsteueraktionen im vergangenen Jahr der Zenit überschritten worden sei. Andere aus der Branche sehen nun die "Höchstgrenze erreicht" und setzen auf eine steigende Kauflust im Sommer, schließlich brummt ja die inländische Konjunktur. "Wenn es wirtschaftlich aufwärtsgeht, sinken die Rabatte", sagt Helmut Blümer vom Deutschen Kraftfahrzeuggewerbe voraus.
Doch noch lässt sich aus den Zahlen solcher Optimismus nicht herauslesen. Im Gegenteil: Dieses Jahr werden wahrscheinlich wieder bloß 3,25 Millionen neue Autos verkauft. Auf diesen Wert jedenfalls will das Deutsche Kraftfahrzeuggewerbe sein Jahresziel nach unten korrigieren, wie Verbandssprecher Blümer sagt. Das bedeutet: weniger als im Vorjahr und so wenig wie in den meisten Jahren dieses Jahrzehnts. Das letzte gute Autojahr war aus der Sicht der Hersteller 1999. Damals wurden 3,8 Millionen Neuwagen verkauft.
Die Autobranche stört die Rabattschlacht gewaltig, weil Hersteller wie Händler weniger oder im Extrem kaum noch etwas verdienen. Selbst die inzwischen üblichen zehn bis zwölf Prozent beim Barkauf sind ihr zu viel. Mittelfristig wünschen sie sich den Regelrabatt wieder in den einstelligen Bereich.
„Sorglos- und Mobilitätspakete“
Das geht zum Beispiel, indem die Hersteller ihre Angebote ein wenig undurchsichtiger machen. Der Trend geht zu „Sorglos- und Mobilitätspaketen“. Das verkaufen Hersteller wie VW geschickt als "intelligenten Rabatt". Da ist dann nicht bloß ein Barnachlass enthalten, sondern auch gleich eine Versicherung, womöglich ein Kredit und der Service für ein paar Jahre.
Die Hersteller verweisen darauf, dass die Kunden solche Pakete stark wünschten. Das ist gut möglich angesichts des weitverbreiteten Bedürfnisses nach Sicherheit. Allerdings sei der eigentliche Vorteil im Einzelfall dann nicht so schnell zu berechnen, warnt ADAC-Jurist May. Das könnte am Ende womöglich dazu führen, dass die Rabatte heimlich, still und leise wieder sinken.
Gewusst wie: Beim Autokauf sparen
1. Aktionsmodelle: Im Handel stehen jede Menge Tageszulassungen, Monatswagen, Auslaufmodelle oder Vorführautos herum - nicht nur bei Citroën, auch bei Fiat, Ford, Opel, Seat, Subaru und VW, hat der Branchendienst B&D Forecast festgestellt. Geschäftsführer Ferdinand Dudenhöffer: "Die hohen Händlerzulassungen verstärken auch in den Folgemonaten den Preisdruck."
2. Zusatzleistungen: Dazu zählen Tankgutscheine, Dachgepäckträger, kostenlose Kfz-Versicherungen, Garantien, mehrjähriger Service, zinslose Finanzierungen oder ein Satz Winterreifen. In Paketform ist der Nachlass oft schwer nachvollziehbar. Käufer sollten sich die Vorteile vorrechnen lassen. "Man geht kein großes Risiko ein, aber ob man mit Sorglospaketen günstiger fährt als mit Barrabatten? Das ist vielfach zu bezweifeln", urteilt ADAC Jurist Ulrich May.
3. Reimporte: Die Mehrwertsteuer innerhalb der Europäischen Union ist sehr unterschiedlich. Die Hersteller verkaufen einige Modelle in manchen Ländern daher günstiger. ADAC-Jurist May sieht bei Reimporten kein Problem mit Zulassung und Garantie kein Problem. Es sinkt jedoch der Wiederverkaufswert, weil man Reimporte kennzeichnen muss. Im Internet finden sich Angebote etwa unter www.ecoagent.de.
4. Verhandeln: Autoverkäufer lullen ihre Kunden gerne mit dem Traumauto ein. Dagegen hilft: nüchtern bleiben, Preise vergleichen und mit Konkurrenzangeboten die Schmerzgrenze des Händlers testen. Frechheit siegt: Oft ist mehr drin als gedacht. stt.
Autorabatte
kurt schupp (Platino99)
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Mondpreise
Nathalie Neumann (NathiNeu)
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hobin rood
franz maierhofer (sidole)
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