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Fernsehen : Raabs Abgang reißt Lücke bei ProSiebenSat.1

Stefan Raab Bild: dpa

Stefan Raab hört mit dem Fernsehen auf. Noch ist unklar, wie Pro Sieben die Lücken im Programm und in der Quote füllen wird.

          Am Morgen danach hat die Börse gezeigt, was in der Nacht passiert war. Der Aktienkurs der Pro Sieben Sat 1 Media AG am Donnerstag sank vorbörslich um etwa 4 Prozent. Nach einem anfangs deutlichen Rückgang erholte sich das Papier  etwas, doch am Nachmittag stand der Kurs mit 41,50 Euro immer noch mir rund 1,3 Prozent im Minus.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Aktienhändler reagierten darauf, dass das Gesicht des Fernsehsenders Pro Sieben nicht länger bleiben will: Der Moderator Stefan Raab verabschiedet sich zum Jahresende vom Fernsehschirm und schlug ein mehrjähriges Vertragsangebot des Münchner Medienkonzerns aus.

          Den Fernsehsender Pro Sieben hat er in mehr als 15 Jahren geprägt wie kein anderer. Seit 16 Jahren moderiert Stefan Raab dort die spätabendliche Unterhaltungssendung „TV Total“ für Pro Sieben. Die Moderation von Montag bis Donnerstag spulte er zwar immer wieder lustlos ab, aber er erreicht dort die jungen und werberelevanten Zuschauer.  Noch wichtiger: Für Pro Sieben erfand er immer wieder neue Sendungen. Mit „Schlag den Raab“ und sportlichen Wettbewerben belebte Raab die Unterhaltung am Samstagabend. 

          Wie wichtig er für Pro Sieben ist, zeigt wie viel Geld er bekommt: Pro Sieben zahlte ihm innerhalb von fünf Jahren für die Produktion aller seiner Sendungen 185 Millionen Euro. Die Summe verdeutlicht gleichzeitig die große Rolle, die er im Programm spielt, und die Lücke, die er jetzt für den Fernsehsender lässt.

          Raab ist nicht nur gelernter Metzger, Musiker, Moderator und Erfinder von Sendungen, sondern auch Geschäftsmann mit der Produktion der eigenen Sendungen in der Konstruktion von Brainpool. Die Kölner Unternehmensgruppe, an der Raab beteiligt ist, betreut zahlreiche Künstler von Anke Engelke bis Lena Meyer-Landrut und stellt Sendungen wie „Stromberg“ und „Pastewka“ her, aber produziert auch für fast alle Fernsehsender.

          Im Jahr 2013 erzielte Brainpool einen Umsatz von 90,7 Millionen Euro laut der veröffentlichten Bilanz im Bundesanzeiger. Das waren 27 Prozent weniger als im Jahr zuvor, in dem unter anderem durch den 2012 produzierten „Eurovision Song Contest“ in Baku ein Umsatz von 124,7 Millionen Euro entstand. Nach Steuern und Minderheitenanteilen verblieb ein Jahresüberschuss von 10,5 Millionen Euro (Vorjahr: 16 Millionen Euro).

          Zur Zusammenarbeit gründet Brainpool in der Regel mit dem Moderator eine Gemeinschaftsgesellschaft, die Produkte der Künstler generieren und vermarkten. Mit der Durchführung der Fernsehproduktion wird wiederum Brainpool TV GmbH  beauftragt. Mit dem Ausstieg von Stefan Raab fallen auch seine Sendungen aus dem Programm. Die Mitarbeiter in Köln werden daher zum Jahresende weniger zu tun zu bekommen.

          Noch ist aber unklar, wie die Lücken im Programm wieder gefüllt werden und ob sich auch Brainpool daran beteiligen könnte. Das nun als Nachfolger gehandelte Pro-Sieben-Duo Joko und Klaas macht es ähnlich wie Raab: Aus ihrer montäglichen Sendung „Circus Halligalli“ generieren sie Ideen für große Samstagabendshows. Aber ob sie die auch zeitliche Lücke derart füllen können?

          Joko und Klaas

          Pro Sieben wird Zeit brauchen, um Nachfolger von Stefan Raab aufzubauen. Der Weggang kann somit Geld kosten, wenn die Werbeeinahmen aufgrund eines geringeren Zuschauerinteresses sinken werden. Das Unternehmen wollte sich am Donnerstag nicht dazu äußern, wie das geschehen soll. Bankanalysten benannten am Donnerstag daher diese Ungewissheit und hielten es für fraglich, ob das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Raab-Sendungen gehalten werden kann.

          Raab wird im kommenden Jahr 50 Jahre alt. So präsent, einsatzbereit und leidensfähig er war, lässt sich kaum vorstellen, dass er hinter der Kamera vergnügt arbeiten würde. Was er aber jetzt macht, lässt er offen. Sorgen ums Geld wird er sich nach den Millionengeschäften nicht mehr machen müssen.

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