21.10.2009 · Die Bundesagentur für Arbeit rechnet damit, dass sich zum 1. November 4000 Quelle-Beschäftigte arbeitslos melden. Sie können nach Einschätzung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf Hilfsangebot der Arbeitsagenturen hoffen.
Mit einer Kraftanstrengung will die Bundesagentur für Arbeit den Ansturm von Arbeitslosen bei Quelle bewältigen. Nach dem Aus für das insolvente Versandhaus rechne die Behörde damit, dass sich auf einen Schlag etwa 4000 Quelle-Beschäftigte zum 1. November arbeitslos melden müssten, sagte der Chef der bayerischen Regionaldirektion, Rainer Bomba, in Nürnberg. Die genaue Zahl sei weiterhin nicht klar. Der Fall sei noch deutlich größer als in den vergangenen Jahrzehnten die Abwicklung von Grundig oder AEG.
Unterdessen sieht sich Bayern im Hinblick auf die Zukunftschancen von Quelle vom Insolvenzverwalter getäuscht. Arbeitsministerin Christine Haderthauer (CSU) sagte in Nürnberg, der Politik sei ein Fortführungskonzept vorgestellt worden, das bis März 2010 hätte tragen sollen. Es gebe viele offene Fragen. Die Bundesagentur stellte einen Notfallplan auf und bildete eine eigene „Task Force“ mit bis zu 100 Mitarbeitern, die aus ganz Bayern nach Nürnberg geholt werden.
„Bei manchen wird der Weg sehr lang werden“
Direkt bei Quelle wird eine Außenstelle der Arbeitsagentur eingerichtet, die am kommenden Montag die Arbeit aufnehmen soll. Dort sollen die Quelle-Beschäftigten „in ihrer angestammten Umgebung“ betreut werden. „Sie sollen nicht in langen Schlangen beim Arbeitsamt stehen müssen“, sagte Bomba. „Die Rechnungen der Arbeitslosen kommen pünktlich, dann müssen auch die Lohnersatzleistungen pünktlich gezahlt werden“, sagte der Behördenchef. Er versuchte zugleich, den Betroffenen Mut zu machen, und äußerte die Hoffnung, dass ein Teil relativ schnell in neue Jobs vermittelt werden könne. In der Region gebe es 10.000 offene Stellen. „Viele werden aber erst einmal in die Arbeitslosigkeit gehen“, schränkte er ein. „Bei manchen wird der Weg sehr lang werden.“
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erwarte, dass die Bundesagentur für Arbeit prüfe, wie den Beschäftigten mit den zur Verfügung stehenden Mitteln und Möglichkeiten geholfen werden könne, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch in Berlin. So könne es zum Beispiel Übergangsgesellschaften geben. Die Kanzlerin mache aber keine Vorgaben.
Auch Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ließ erklären, dass sich nach dem Quelle-Aus nun die Arbeitsagentur um die Mitarbeiter kümmern müsse. „Es ist bedauerlich, dass sich das Ergebnis nicht mehr abwenden ließ“, sagte Ministeriumssprecher Steffen Moritz. Rückwirkend müsse man aber sagen, dass die Regierung dem Unternehmen im Rahmen des Möglichen geholfen habe.
Bund, Bayern und Sachsen sind unterdessen zuversichtlich, ihren Kredit von 50 Millionen Euro für den Druck des letzten Quelle-Winterkatalogs zurückzubekommen. Sie stehen auf der Liste der Gläubiger ganz oben. Die Forderungen gingen direkt in die Insolvenzmasse, erläuterte Moritz. Jetzt bleibe abzuwarten, was die Insolvenzmasse ergebe. Die Bundesländer mit wichtigen Quelle-Standorten, Bayern und Sachsen, sowie der Bund hatten den Massekredit im Frühsommer gewährt, um Quelle unter anderem den Einkauf von Winterware und die Katalogproduktion zu ermöglichen.
Massekredit nicht „allererste Priorität“
Der Ministeriumssprecher sagte, der Massekredit sei aber nicht „die allererste Priorität“ der Regierung. Vielmehr gehe es jetzt um die Zukunft der betroffenen Quelle-Beschäftigten. Für die Bundesagentur für Arbeit gehe es nun darum, sich um die Mitarbeiter zu kümmern und sie zu unterstützen. Denn für die Quelle-Beschäftigten habe das Aus des Unternehmens „die bittersten Konsequenzen“.
Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte seinerzeit betont, Quelle habe das Darlehen nur bekommen, weil sicher sei, „dass die Mittel auch zurückfließen“. Dies sei gesichert, weil der Staatskredit im Falle einer Pleite aus der Insolvenzmasse vorrangig zurückgezahlt würde. Er hatte das Überleben von Quelle trotz des Notkredits nicht für endgültig gesichert gehalten und erklärt, der Kredit könne auch für eine geordnete Insolvenz dienen, an deren Ende der Versandhändler abgewickelt werden könne.
Auf Nachfrage, warum Guttenberg sich bislang zum Quelle-Aus nicht öffentlich geäußert habe, sagte Moritz, dafür gebe es keinen „besonderen Grund“. Der Minister werde laufend informiert, nehme derzeit aber an den Koalitionsverhandlungen teil. Er werde sich sicherlich „zu gegebener Zeit“ noch einmal einschalten. Jetzt sei „in erster Linie“ die Bundesagentur für Arbeit am Zuge, die die „Instrumente“ habe, sich um die Quelle-Beschäftigten zu kümmern. Intern habe Guttenberg eine „sehr ausführliche Einschätzung abgegeben“, sagte der Sprecher. Es bleibe abzuwarten, ob er das öffentlich nochmals tun werde.
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