07.10.2008 · Die Bank of America galt spätestens seit der Rettung der angeschlagenen Investmentbank Merrill Lynch als eine der unumstößlichen Säulen in der Finanzkrise. Doch jetzt ist die Bank doch stärker von den Turbulenzen in Mitleidenschaft gezogen als befürchtet. Gewinneinbruch: 68 Prozent.
Die Kreditkrise hat die Geschäfte der Bank of America stärker in Mitleidenschaft gezogen als
befürchtet. Die größte amerikanische Bank teilte am Montag zwei Wochen früher als erwartet mit, dass ihr Gewinn im auf 1,18 Milliarden Dollar geschrumpft ist. Der Gewinn je Aktie fiel damit im Vergleich zur Vorjahresperiode um 68 Prozent auf 0,15 Dollar. Analysten hatten im Mittel 0,61 Dollar erwartet.
Die Bank halbierte ihre Dividende und kündigte an, sich zehn Milliarden Dollar zusätzliches Kapital beschaffen zu wollen. „Dies ist die schwierigste Zeit für Finanzinstitute, die ich während meiner 39 Jahre im Bankgeschäft erlebt habe“, sagte Bankchef Kenneth Lewis. Bank-of-America-Aktien gaben nachbörslich 8 Prozent nach.
Vor allem die gestiegenen Kreditkosten für die Übernahme von Countrywide Financial, des einst größten unabhängigen Hypothekengebers des Landes, und der Chicagoer La-Salle-Bank schmälerten den Gewinn. Die Markturbulenzen hätten zu einer Belastung im Quartal von 1,8 Milliarden Dollar geführt, hieß es weiter.
Der Gewinnrückgang sei sicher eine Überraschung, sagte Lou Brien, Marktstratege bei DRW Trading in Chicago. „Die Dinge stehen nicht gut für die Finanzunternehmen, das zeigt sich hier.“
Bank of America galt als unumstößliche Säule der Branche
Der Bankenriese mit Sitz in Charlotte im Bundesstaat North Carolina galt bisher als eine der unumstößlichen Säulen der Branche und machte unlängst Schlagzeilen mit dem Plan, die Investmentbank Merrill Lynch übernehmen zu wollen. Die jüngsten Quartalszahlen und die Bemühungen um Kapital zeigen aber, dass auch die Bank of America unter der Kreditkrise leidet. Und ein Ende sei noch nicht in Sicht, warnte das Institut. Die Lage auf den Kreditmärkten verschärfe sich weiter. Am Montag zeigte sich Finanzvorstand Joe Price aber optimistisch, dass die Merrill-Lynch-Übernahme bis zum Jahreswechsel abgeschlossen werden könne.
Die Kapitalerhöhung von 10 Milliarden Dollar soll auch dazu dienen, die Übernahme der Investmentbank zu stützen. Bis zu 15 Prozent Mehrzuteilungsoption behält sich die Bank of America vor, sollte die Nachfrage dies hergeben. Lewis hält dies für „mehr als wahrscheinlich“, wie er in einer Telefonkonferenz am Abend ausführte. Price dämpfte allerdings zu hohe Erwartungen und sprach von einer Kapitalerhöhung im maximal niedrigen Zehner-Milliardenbereich.
Im zurückliegenden Quartal verbuchte Bank of America Rückstellungen für Kreditausfälle im Volumen von 6,45 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es noch 2,03 Milliarden Dollar gewesen, im zweiten Quartal bereits 5,83 Milliarden Dollar. Der Verfall der Kreditqualität habe in den Monaten Juli bis September angehalten und sich zuletzt merklich beschleunigt. Die Ausfälle zeigten sich zunehmend bei Verbraucherkrediten, im Kreditkartengeschäft und bei erstrangigen Hypothekenkrediten.
Der Anteil der faulen Kredite am gesamten Kredit- und Leasinggeschäft stieg auf 1,84 Prozent von 0,8 Prozent im Jahr zuvor und 1,67 Prozent im Vorquartal. 320 Millionen Dollar musste Bank of America auf Vorzugsaktien der mit staatlicher Hilfe geretteten Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac abschreiben.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.374,48 | −1,41% |
| Dow Jones | 12.447,80 | −1,06% |
| EUR/USD | 1,2418 | −0,56% |
| Rohöl Brent Crude | 104,06 $ | −2,61% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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