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Qatar Bahn vor Milliarden-Auftrag aus der Wüste

20.11.2009 ·  Die Deutsche Bahn steht vor dem größten Auftrag in ihrer Geschichte. Das Unternehmen soll laut Verkehrsminister Ramsauer zusammen mit der deutschen Bauindustrie ein Schienennetz in Qatar aufbauen. Insgesamt ist von rund 17 Milliarden Euro die Rede. Das Emirat gilt als eines der reichsten Länder der Welt.

Von Kerstin Schwenn
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Die Deutsche Bahn AG steht unmittelbar vor dem Abschluss eines milliardenschweren Infrastrukturauftrags im Emirat Qatar. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sagte am Freitag am Rande der Verkehrsministerkonferenz in Heidelberg, die Deutsche Bahn werde in Qatar ein Gemeinschaftsunternehmen gründen, das die Planung für die dortige Schieneninfrastruktur übernehmen solle.

Nach Angaben aus Bahnkreisen wird der Staat Qatar an der Gesellschaft „Qatar Railways Development Company“ an der Entwicklungsgesellschaft 51 Prozent halten, die Deutsche Bahn 49 Prozent. Das Investitionsvolumen für die Bahn- und Bauindustrie betrage insgesamt 17 Milliarden Euro, erläuterte Ramsauer.

Drei große Linien vorgesehen

Der Minister reist an diesem Samstag mit dem Bahn-Vorstandsvorsitzenden Rüdiger Grube nach Qatar. Dort sollen die Verträge am Sonntag unterschrieben werden.

Qatar plant dem Vernehmen nach ein komplettes Schienennetz für den Nah- und Fernverkehr sowie für den Güterverkehr. Drei große Linien sind vorgesehen: eine Hochgeschwindigkeitstrasse von Doha nach Nordwesten in Richtung Bahrein, eine Bahnlinie entlang der Ostküste und eine Güterbahn von der Hauptstadt Doha nach Saudi-Arabien. Im Zuge des Vorhabens solle auch der Flughafen Doha mit der Stadt verbunden werden.

Zusätzlich Metrolinien in größeren Städten

Hinzu kommen mehrere Metrolinien in den größeren Städten; die Hauptstadt Doha soll sechs neue Linien bekommen. Allein die Planungskosten sollen sich auf 700 Millionen Euro summieren. Die Kosten für die Infrastruktur werden auf 14 Milliarden Euro beziffert; zwei Milliarden Euro sollen Fahrzeuge kosten. Der Betrieb des Netzes wird mit jährlich einer Milliarde Euro veranschlagt.

Die Deutsche Bahn erhält zunächst einen Teil des Planungsauftrags sowie „Zugang“ zum späteren Betreibergeschäft. Bei der Bahn hieß es am Freitag, am Anfang werde das Auftragsvolumen eher bescheiden ausfallen, da zunächst das Verkehrskonzept erarbeitet werden müsse. Man rechne aber mit weiteren Großaufträgen. Das Qatar-Projekt sei das erste Schienennetz dieser Größe im arabischen Raum. Andere Projekte - etwa in Bahrein oder Saudi-Arabien - könnten jedoch bald folgen. Mit der Schnellverkehrsstrecke nach Bahrein bestehe für die Logistikgesellschaft DB Schenker die Chance, auch nach Saudi-Arabien zu expandieren. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke Doha-Bahrein soll 350 Stundenkilometern erreichen.

Auch Siemens könnte zum Zuge kommen

Ramsauer nannte das Vorhaben in Qatar „beispielhaft für die Außenwirtschaft Deutschlands“. Dies sei ein „gewaltiges Milliardengeschäft“ für die Bahn. Nach Einschätzung des Ministers könnten neben der Bahn noch weitere deutsche Unternehmen aus dem Vorhaben Nutzen ziehen. Siemens könnte bei den Fahrzeugen zum Zuge kommen, hieß es. Die deutsche Bauindustrie könnte zudem Aufträge beim Aufbau des Netzes gewinnen.

Die Deutsche Bahn hatte schon mehrfach versucht, in der Region als Investor Fuß zu fassen. So hatte sich der frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn 2006 an Verhandlungen über den milliardenteuren Bau und Betrieb einer Güterzugstrecke in den Vereinigten Arabischen Emiraten beteiligt. Die Bahn hatte sich dabei nur die Planung für ein Metrosystem in einer Retortenstadt 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Abu Dhabi sichern können. Der Versuch, in Saudi-Arabien zum Zuge zu kommen, scheiterte. Über das Projekt in Qatar war vor einem Jahr schon eine Absichtserklärung unterzeichnet worden.




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Jahrgang 1963, Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

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