05.02.2004 · Bei der Vorlage der Quartalszahlen klärt der Deutsche-Bank-Chef ein Mißverständnis auf - er wollte durch das Victory-V vor Gericht nicht provozieren.
Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, bedauert seine Geste zu Beginn des Mannesmann-Prozesses. "Ich möchte mich entschuldigen, falls sich dadurch jemand berührt fühlt", sagte Ackermann am Donnerstag anläßlich der Präsentation des Konzernergebnisses 2003 in Frankfurt.
Der Chef der größten deutschen Bank wies Gerüchte zurück, wonach die Deutsche Bank mit der amerikanischen Großbank Citigroup Gespräche über eine Fusion führe. Auch auf dem deutschen Markt plane die Deutsche Bank keine Konsolidierungsschritte, sagte Ackermann. Als Ergebnis für 2003 weist der Konzern einen Reingewinn von 1,4 Milliarden Euro aus, nach 397 Millionen Euro im Jahr zuvor.
Sich locker unterhalten
Zu Beginn des Strafprozesses vor dem Landgericht Düsseldorf am 21. Januar hatte sich Ackermann lachend fotografieren lassen, den Zeige- und Mittelfinger zum Victory-V gespreizt. Dieses Bild hatte breite Empörung in der Öffentlichkeit ausgelöst. Ackermann sagte nun, daß die Geste keine Mißachtung des Gerichts ausdrücken sollte. Das Foto sei entstanden, als er und die anderen Angeklagten 30 bis 40 Minuten auf den Prozeßbeginn hätten warten müssen.
Seine Anwälte hätten ihm geraten, sich stehend und möglichst locker zu unterhalten. Das Gespräch sei schließlich darauf gekommen, daß der amerikanische Popstar Michael Jackson zu seiner Gerichtsverhandlung in Kalifornien zu spät gekommen sei. Obendrein habe Jackson beim Betreten des Gerichtssaals die Finger zum Victory-V gestreckt, habe er zu der Unterhaltung beigesteuert und die Geste nachgemacht, sagte Ackermann. In diesem Augenblick sei das Foto geschossen worden.
Unfair angegriffen
Als er am Abend mit diesem Foto konfrontiert worden sei, habe er sich zunächst gar nicht mehr an diese Szene erinnern können. Anschließend habe er jedoch der Vorsitzenden Richterin Brigitte Koppenhöfer einen Entschuldigungsbrief geschickt. Sie habe volles Verständnis gezeigt. Auch habe er daraufhin mit deutschen Politikern telefoniert.
"Die haben gelacht und gesagt, daß ihnen so etwas jeden Tag passiere", gab Ackermann die Gespräche wider. Am Donnerstag sagte Ackermann jedoch: "Wenn jemand die deutsche Gerichtsbarkeit getroffen sieht, dann tut mir das leid." Er fühle sich nun unfair angegriffen. So habe ihn ein Sozialethiker aus jener Kirche angegriffen, der er in den vergangenen Jahren "viele Millionen Steuern" gezahlt habe.
Feindliche Übernahme unwahrscheinlich
Zu einem Zeitungsbericht, daß die Führungen der Deutsche Bank und der Citigroup im Januar - letztlich abgebrochene - Vorgespräche hinsichtlich einer Fusion oder Übernahme geführt hätten, sagte Ackermann, zu solchen Gerüchten nehme die Bank grundsätzlich nicht Stellung. In einem Fernsehinterview sagte er später, daß derzeit nicht mit der Citigroup gesprochen werde.
Während der Pressekonferenz betonte Ackermann mehrfach, daß die Deutsche Bank derzeit kein Interesse daran habe, übernommen zu werden. Nachdem man den Konzern in den vergangenen beiden Jahren umstrukturiert habe, wolle man "nun ernten, was wir gesät haben." Eine feindliche Übernahme gegen den Wunsch der Konzernspitze sei unwahrscheinlich, da der Übernehmer befürchten müsse, daß dann die Spitzenkräfte abwanderten.
Deutsche Bank gut gerüstet
Er sei überzeugt, daß in Europa eine Konsolidierung der Bankbranche stattfinden werde. "Dies wird jedoch nicht mit der Geschwindigkeit stattfinden, wie wir sie gerade in den Vereinigten Staaten erleben", sagte Ackermann. Vor wenigen Monaten hatten die Bank of America und Fleet ihren Zusammenschluß angekündigt, vor kurzem J.P. Morgan Chase und Bank One. Akquisitionsabsichten in Deutschland erteilte Ackermann eine Absage. "Für die Deutsche Bank gilt: in Deutschland keine Konsolidierungsschritte", sagte Ackermann. Auch wiederholte er seine Erwartung, daß es zunächst nicht zu einer schnellen Konsolidierung in Deutschland kommen werde.
Ackermann sieht die Deutsche Bank gut gerüstet für die kommende Übernahmewelle: "Wir haben unsere finanzielle Stärke kräftig ausgebaut und den Kurs unserer Aktie gesteigert." Beides stärke die Position der Bank und schaffe strategische Freiräume. Die Bank konzentriere sich nun auf sieben Kerngeschäftsfelder. In vielen habe sie eine führende Rolle. Allein das Privatkundengeschäft in Deutschland bereitet Ackermann Sorgen: "Unser geringer Marktanteil ist eine unserer großen Herausforderungen", sagte Ackermann.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,65 | −2,12% |
| Dow Jones | 12.424,10 | −1,25% |
| EUR/USD | 1,2412 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 103,28 $ | −3,34% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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