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Protest in Zuffenhausen Das Feindbild heißt Ferdinand Piëch

18.05.2009 ·  Die Parolen taugen nicht für Emotionen, aber die Porsche-Belegschaft demonstriert. Die Attacken des VW-Aufsichtsratschefs gegen Wendelin Wiedeking liegen den Arbeitern im Magen.

Von Susanne Preuß
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„Ferdinand K. Piëch lügt“ steht auf einem Schild, und auf einem anderen: „Ferdinand K. Piëch vernichtet unsere Arbeitsplätze“. Das Feindbild ist klar, hier unter den grau gekleideten Arbeitern in Stuttgart-Zuffenhausen: Ferdinand Piëch, der VW-Aufsichtsratsvorsitzende, hat sie verraten, als er vor einer Woche in Sardinien allzu freimütig über Finanzierungsprobleme von Porsche parliert hat, darüber, wie groß die Not in Stuttgart doch sei. Jetzt lassen die Arbeiter die Produktion ruhen, bis sie hören, was aus Weissach zu berichten ist.

Dort, am Standort des Porsche-Entwicklungszentrums, tagt zur gleichen Zeit der ständige Ausschuss, also das Präsidium des Aufsichtsrats der Porsche AG, der operativen Porsche-Gesellschaft: Wolfgang Porsche als Aufsichtsratschef, Hans Michel Piëch als Vertreter der Piëch-Seite, Betriebsratschef Uwe Hück und der Stuttgarter IG-Metall-Chef Hans Baur. Geduldig warten die Porsche-Arbeiter nun zu tausenden, was es aus dieser Sitzung zu berichten gibt. Dann endlich wird Uwe Hück aus Weissach zugeschaltet und spricht den Kollegen Mut zu: „Letzte Woche ist dieser Belegschaft die Würde genommen worden. Aber Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sagen: Das kann es nicht sein“, ruft Hück den Mitarbeitern zu. „Die Familien Porsche und Piëch stehen hinter Porsche. Das haben sie klar und deutlich gesagt.“ Porsche bleibe eigenständig und die Familien seien stark genug, dafür zu sorgen. „Lasst uns wieder an die Arbeit gehen, die Firma voranbringen, damit wir wieder Gewinne machen“, ruft er noch, bevor sich die Menge wieder zerstreut und die Arbeiter in Zuffenhausen an die Bänder zurückeilt.

Die Parolen taugen nicht für Emotionen

Hück hat das Temperament zum Einpeitscher, aber die Lage ist zu verworren, um große Gefühlsregungen bei der Belegschaft sichtbar zu machen. „Beschluss jetzt: Kapitalerhöhung“ steht auch auf einem der Schilder, das die Beschäftigten hochhalten – keine Parole, die für Emotionen taugt. Klar ist in Stuttgart aber: Wenn die Familien Porsche und Piëch ein paar Milliarden Euro aus ihrem dem Vernehmen nach immer noch reichlich vorhandenen Vermögen locker machen würden, dann könnte Porsche doch noch als strahlender Sieger dastehen.

Zumal, wenn zugleich noch ein Coup gelänge: dass nämlich ein weiterer Investor – beispielsweise aus dem arabischen Raum – Porsche die VW-Optionen abkaufte. Dann könnten die Schulden mit einem Schlag getilgt werden und Porsche könnte wieder unabhängig vom Wohlwollen der Machthaber von Wolfsburg agieren. Zumindest hätte der Sportwagenhersteller eine Menge Zeit gewonnen. Angeblich fordert Porsche-Finanzvorstand Holger Härter schon seit drei Jahren, die Familien Porsche und Piëch dürften sich nicht allein auf die wundersame Geldvermehrung nach Hedge-Fonds-Manier verlassen, sondern müssten selbst ihren Beitrag aus der Privatschatulle dazu leisten.

VW kündigt Termin um Termin auf

Dass es nun endlich so weit käme, ist nicht abwegig. Bei ihrem Treffen in Salzburg am 6. Mai haben die Familien ausdrücklich beschlossen, dass notwendige Kapitalmaßnahmen ergriffen werden, um aus Porsche und Volkswagen einen integrierten Automobilkonzern zu schaffen. Aber ob danach in Stuttgart die Welt wieder in Ordnung wäre? Längst ist klar, dass Porsche einige Zugeständnisse wird machen müssen, zumal der zweite VW-Großaktionär, das Land Niedersachsen, dem Modell des integrierten Autokonzerns zustimmen muss. Der Sitz des neuen Konzerns dürfte also eher im Norden sein denn in der Autostadt Stuttgart, und das ist schon eine Schmach an sich für die stolzen Porschianer.

Ohnmächtig aber müssen sie der Schlammschlacht zuschauen, die sich die Familien-Eigentümer leisten. Die Gespräche, die eigentlich Klarheit bringen sollen, sind unterbrochen. VW will mehr Transparenz von Porsche und kündigt deswegen Termin um Termin auf. Bei Porsche aber empfindet man die Unterbrechung der Gespräche wiederum als Brüskierung sowie die Tatsache, dass man darüber spricht, obwohl doch Verschwiegenheit vereinbart wurde.

Klar ist eigentlich nur eines: die Lage ist mindestens so kompliziert wie in der Bundesliga. Dort fühlt sich Wolfsburg schon als Meister, sollte der VfB Stuttgart aber am letzten Spieltag gegen Bayern gewinnen (was nicht einfach, aber auch nicht unmöglich ist) und gleichzeitig der VfL Wolfsburg verlieren (auch das nicht wahrscheinlich, aber auch nicht unvorstellbar), dann wäre die Lage plötzlich anders, und Stuttgart würde am Schluss triumphieren. Gut, dass wenigstens Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück klare Botschaften auf Lager hat, wenn auch nur mit Blick in die Vergangenheit: „Ihr habt Porsche groß gemacht“, ruft er der Belegschaft zu: „Darauf müsst ihr alle stolz sein.“

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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