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Medien : Springer und Pro Sieben gehen nicht zusammen

  • Aktualisiert am

Sitz der ProSiebenSat.1 AG in Unterföhring Bild: Reuters

Auch der zweite Versuch ist gescheitert: Die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 und der Verlag Axel Springer schließen sich nicht zusammen. Das teilten beide Unternehmen am Mittwoch mit.

          Eine Fusion der beiden Medienkonzerne Pro Sieben Sat. 1 und Axel Springer ist vom Tisch. Sprecher beider Konzerne gaben am Mittwoch bekannt, dass es keine Pläne für eine vertiefte Zusammenarbeit der beiden Unternehmen gebe. Die Konzerne wollen künftig bei der Förderung digitaler Start-ups kooperieren, darüber hinaus sei keine weitere Zusammenarbeit geplant, sagte ein Sprecher des Münchner Konzerns am Mittwoch auf Nachfrage. Auch eine Sprecherin von Axel Springer sagte: "Weitere gesellschaftsrechtliche Veränderungen sind nicht vorgesehen."

          Digitale Geschäftsideen und Startups wollten die beiden Unternehmen künftig aber gemeinsam fördern, teilten sie am Mittwoch in Berlin und München mit. "Dazu sind gemeinsame Investitionen in Unternehmen und Fonds, eine Vernetzung der Inkubations- und Accelerator-Programme sowie Media-for-Equity-Investitionen geplant."

          Anfang des Monats kursierte in der Branche die Nachricht, dass beide Unternehmen über einen Zusammenschluss sprechen. Der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, Mathias Döpfner, soll bereits erste Gespräche mit Pro-Sieben-Sat-1-Chef Thomas Ebeling geführt haben. Sie sollen aber noch ganz am Anfang gestanden haben.

          Fusion schon einmal gescheitert

          Bereits vor rund zehn Jahren hatte der Zeitungskonzern Axel Springer einen Zusammenschluss mit der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat.1 versucht. Das Vorhaben scheiterte allerdings am Widerstand des Bundeskartellamts und der Medienaufsicht, der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK). Zu groß wären nach ihrer Ansicht die Marktmacht und die Meinungsmacht eines Konzerns gewesen. Im vergangenen Jahr gewann Axel Springer allerdings einen jahrelangen Rechtsstreit gegen die KEK. Das Bundesverwaltungsgericht entschied, eine Übernahme des TV-Konzerns wäre medienrechtlich unbedenklich gewesen.

          Auch diesmal hatten Experten nach Bekanntwerden der Spekulationen Anfang Juli Skepsis über die kartellrechtlichen Chancen eines Fusionsvorhabens geäußert.

          Springer hatte zudem von Beginn an klargestellt, dass die Verlegerwitwe Friede Springer die Kontrolle im Konzern behalten wolle. Das wäre allerdings schwierig geworden, da der Münchner Konzern an der Börse deutlich mehr wert ist als Springer.

          Größtes Wachstum im Digitalgeschäft

          Beide Konzerne erzielen seit längerem das größte Wachstum im Digitalgeschäft. Fusionsspekulationen stellten  vor allem auf eine Kooperation in diesem Bereich ab.

          Pro Sieben Sat. 1-Chef Ebeling treibt seit längerem die Vernetzung des TV-Geschäfts mit dem Digitalsegment voran. Der Konzern betreibt neben dem klassischen Fernsehen mehrere Internet-Portale. Ebeling hatte 2009 das Ruder bei dem damals kriselnden Medienkonzern übernommen.

          Unter Springer-Vorstandschef Döpfner hat sich auch das Medienhaus in den vergangenen Jahren verstärkt auf die Digitalisierung seiner Verlagsangebote konzentriert und mehrere Traditionstitel wie das "Hamburger Abendblatt" und die "Berliner Morgenpost" sowie Zeitschriften an die Funke-Gruppe ("Westdeutsche Allgemeine Zeitung") verkauft. Mehr als die Hälfte des Umsatzes erwirtschaftet Springer im Internet, unter anderem auch mit Immobilien- und Jobportalen.

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