http://www.faz.net/-gqe-82ot7

Prominent im Netz : Das Geschäft mit den Youtube-Stars

Kein Wunder, dass dies das Interesse von Investoren weckt. Längst haben sich Vermarktungsgesellschaften gebildet, die wie Plattenfirmen in der Musikindustrie arbeiten. Sie suchen Talente, produzieren und vermarkten die Künstler, die ihr Programm im Internet via Youtube ausstrahlen. Erfolgreich ist derzeit alles rund um Computerspiele, Mode und Kosmetik, Do-it-yourself-Programme, Musik, Comedy, aber auch Nachrichten. Die reichweitenstärksten Netzwerke kommen auf mehr als 500 Millionen Zugriffe im Monat und sind damit de facto große Online-TV-Sender. Medienkonzerne wie RTL, Endemol und Ströer haben solche Netzwerke übernommen oder selbst gegründet. Der Springer-Konzern verhandelte zuletzt mit einem der deutschen Branchenführer – Mediakraft. In den Vereinigten Staaten sorgte im vergangenen Jahr die Übernahme einer der größten Produktionsnetzwerke der Welt (Maker Studios) durch den Disney-Konzern für Aufsehen. Der Preis betrug mehr als eine halbe Milliarde Dollar. „Die Leute begreifen, um was für ein Phänomen es sich wirklich handelt. In die Multi-Channel-Netzwerke wird so viel investiert wie noch nie“, sagt Sebastian Weil, Geschäftsführer von Studio 71, das 90 Video-Blogger vertritt, 200 Kanäle betreibt und auf Youtube etwa 270 Millionen Abrufe im Monat erreicht.

An den Grenzen zur Schleichwerbung

Mit dem Einstieg der Konzerne kommt es zu einer Professionalisierung der Szene, bei der mehr noch als bislang die Vermarktungspotentiale im Mittelpunkt stehen. „Wir legen unseren Fokus sehr stark auf die Entwicklung eigener Inhalte und setzen in verschiedenen Bereichen auf ein gewinnbringendes Pingpong-Spiel zwischen Online und TV“, sagt Weil. Es geht um Werbezeitenvermarktung, um Werbespots vor den Videos und das sogenannte Branded Entertainment. Zusammen mit Marken, welche die Plattform zur Werbung nutzen wollen, werden neue Programme gestaltet, darüber gemeinsam Reichweiten und Bekanntheit gesteigert.

Das ist nicht ohne Risiko. Insbesondere das Plazieren von Produkten in den Beiträgen der Youtuber ist ein heikles Feld, sind hier die Grenzen zur Schleichwerbung schnell erreicht. „Alle Hersteller verschicken Päckchen an die Youtuber“, bekennt der Marketingverantwortliche eines großen Unternehmens, der nicht genannt werden möchte. Mancher besonders populäre Vlogger hat dem Vernehmen nach schon seine Adresse aus dem Netz getilgt, weil er sich vor lauter Zusendungen von Unternehmen nicht mehr anders zu helfen wusste. Als im vergangenen Jahr das Fernsehmagazin „Report Mainz“ als Werbekunde getarnt beim Vermarkter Mediakraft eine Produktplazierung auf Youtube anfragte, wurde den Reportern diese für 80 Euro je 1000 Aufrufe angeboten. Für eine Einbindung bei Y-Titty garantierte Mediakraft 650.000 Views, wodurch sich ein Betrag von 52.000 Euro errechnete.

Einer der prominentesten Kritiker der Produktwerbung auf Youtube ist Jan Böhmermann, Satiriker und Frontmann des Neo Magazin Royale im ZDF. Mitte Februar rechnete Böhmermann unter anderem mit Simon Unge ab, der gerade in einem seiner Beiträge Werbung für die Techniker Krankenkasse gemacht hatte, und auch mit Kosmetikbloggerin Bibi, die eine Michael-Kors-Armbanduhr anpries. Bibis Manager verweist darauf, dass Werbepräsentationen stets markiert würden. Zudem sei es falsch, seine Klientin aufs Geldverdienen zu reduzieren. „Wie beim Musiker ist das eine Leidenschaft. Sie bereitet die Sendungen vor, produziert und schneidet die Videos selbst“, sagt Timo Schmid.

Weitere Themen

Flughafen erzwingt Zwischenstopp Video-Seite öffnen

Air Berlin : Flughafen erzwingt Zwischenstopp

Eine Maschine der insolventen Fluglinie musste auf dem isländischen Flughafen Keflavik am Boden bleiben. Die Flughafengesellschaft teilte mit, Air Berlin habe Flughafengebühren nicht bezahlt.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.