Von Katerstimmung kann zum Jahresauftakt in den Führungsebenen der deutschen Unternehmen keine Rede sein. Aber der Optimismus, der angesichts randvoller Auftragsbücher eigentlich angesagt wäre, ist längst einem vorsichtigen Ausblick gewichen. "Wir stellen uns darauf ein, dass sich das Wirtschaftswachstum weiter abschwächt - wobei wir bislang nicht mit einer globalen Rezession rechnen", gibt Bosch-Chef Franz Fehrenbach den Ton vor, dem sich die Mehrheit der Unternehmer wohl anschließen würde.
Im Unterschied zur Krise 2009 gebe es noch viele Regionen rund um den Globus mit kräftig wachsenden Märkten, heißt es. Darauf setzen die exportstarken Unternehmen, die zudem aus den jüngsten Erfahrungen Selbstbewusstsein geschöpft haben. "Bereits während der Finanzkrise haben wir gezeigt, dass wir in einem schwachen Marktumfeld wachsen können", sagt Gerhard Weber, der Chef der Modegruppe Gerry Weber.
Zwar kann sich dieser Tage kein Unternehmenslenker den Rezessionsszenarien entziehen, die auf einem Auseinanderbrechen des Euroraums oder einer großen Bankenpleite basieren. Jede Prognose stehe daher "unter dem Vorbehalt, dass nicht ganz schlimme Dinge an der Wirtschafts- und Währungsfront passieren", sagt Dirk Roßmann, Inhaber der Drogeriemarktkette Rossmann. Aber wie viele andere Unternehmer will auch er in diesem Jahr weiter wachsen - auf gleicher Fläche sogar um 6 Prozent und damit so stark wie in 2011.
Innovativ sein
"Die Leute putzen weiterhin Zähne, und Windeln werden auch gekauft", sagt er. Auch Autos werden die Menschen überall auf der Welt sich neu zulegen wollen - weshalb man bei Bosch mit einem Wachstum der Produktion von Autos und Nutzfahrzeugen zwischen 3 und 5 Prozent rechnet. Ähnlich empfindet man es im Maschinenbauverband VDMA, wo die Prognose eines Produktionszuwachses von 4 Prozent in diesem Jahr zwar ein wenig ins Wackeln geraten ist, aber vorerst weiter gilt. "Die anhaltende Verunsicherung an den Finanzmärkten macht uns nachdenklich, aber die Stimmung in den Unternehmen ist unverändert gut", beschreibt es der Maschinenbaupräsident Thomas Lindner.
Zwar werden China, Indien und zunehmend auch andere fernöstliche Länder auch 2012 die Expansionspläne vieler Betriebe dominieren. Aber auch auf Südamerika, Russland und dem Nahen Osten ruhen die Hoffnungen. Entscheidend sei ohnehin, sich auf die Entwicklung innovativer Produkte und Verfahren zu konzentrieren. Im Technologiekonzern Carl Zeiss wird schon seit 15 Jahren an einem neuen Fertigungsverfahren für die Chipindustrie geforscht, das 2014 in Serie gehen soll. Bei solchen Vorhaben "darf man sich auch von konjunkturellen Schwankungen nicht aufhalten lassen", sagt Zeiss-Chef Michael Kaschke.
Ein gutes Finanzpolster ist dazu allerdings nötig, wie das Beispiel des insolventen Druckmaschinenbauers Manroland zeigt. Ein Sparprogramm, wie es die Lufthansa unlängst angekündigt hat, mag manchem Unternehmer als Alarmsignal dienen. Andererseits haben viele Industriebetriebe derzeit eher das Problem, dass sie Kunden vertrösten müssen. "Wir sind für zwölf Monate ausgebucht, und es besteht noch immer eine ungebrochene Investitionsbereitschaft unserer Kunden", sagt Dirk Wember, Inhaber von Haas Schleifmaschinen.
Stellt euch vor es ist Kriese und keiner geht hin
Herbert Sax (H.Sax)
- 02.01.2012, 11:33 Uhr
