30.09.2006 · Die 159 Bestellungen müssen warten: Die Auslieferung des Großraumflugzeugs A 380 wird wohl um ein gutes Jahr verschoben. Schuld sind Probleme bei der Produktion. Das bedeutet für Airbus nicht nur einen Imageschaden.
Die Auslieferung des Großraumflugzeugs A 380 von Airbus wird voraussichtlich um gut ein Jahr verschoben. Das zeichnete sich am Freitag ab, während der Verwaltungsrat von European Aeronautic Defence & Space Co NV (EADS) in Amsterdam tagte, der allerdings eine Entscheidung aufschob. Die Schwierigkeiten im Produktionsablaufprozeß und Probleme bei der sehr aufwendigen Verkabelung der Maschinen sollen die Ursachen sein. Wie in Luftfahrtkreisen zu hören ist, bevorzugt die neue Airbus-Führung unter Christian Streiff einen Zeitplan, der auf jeden Fall eingehalten werden kann.
Neben dem Imageschaden für Airbus, bedeutet dies für den Flugzeughersteller auch einen erheblichen finanziellen Schaden durch Regreßforderungen der Airbuskunden. Insgesamt gibt es 159 Bestellungen. Dem Konzern drohen durch Verzögerungen bei den Flugzeugmodellen A380/A350 und A400M Mehrkosten von 4,5 Milliarden Euro, heißt es in einer Analyse der Investmentbank Goldman Sachs. Rund 12,4 Milliarden Dollar hatte Airbus in die Entwicklung des Flugzeugs gesteckt.
Zulieferer sollen stärker an Risiken gebunden werden
Streiff präsentierte am Freitag vor dem Verwaltungsrat ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm, zu dem Airbus die Verspätungen sowie der schwache Dollar-Kurs zwingen. Es soll sich an die Kostensenkungen unter dem Titel „Route 06“ anschließen, die Airbus zwischen 2003 und 2006 Einsparungen von rund 1,5 Milliarden Euro bringen sollten. In diesem Jahr sind die Kürzungen laut EADS jedoch um 200 bis 300 Millionen Euro hinter ihrem Ziel zurückgeblieben.
Streiff will nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen nun an mehreren Stellen ansetzen: Die Flugzeuge sollen schneller entwickelt, der Einkauf müsse verbessert und die Produktionsprozesse an den in Europa weitverzweigten Standorten müßten effizienter gestaltet werden. Die Entwicklungszeit neuer Flugzeuge könnte durch den Einsatz von mehr Computersimulationen um mehrere Jahre gesenkt werden. Zulieferer sollten auch finanziell durch die Übernahme von Risiken enger eingebunden werden und sollten zur Ansiedlung in der Nähe von Airbus-Standorten gedrängt werden.
Die stärkere Beteiligung von Zulieferern in kostengünstigen Ländern, die gleichzeitig große Absatzchancen bieten, wie China, Rußland und Indien, ist ebenfalls angestrebt. Zudem sollen die Aufgaben der einzelnen Standorte neu definiert werden, um Doppelarbeit zu vermeiden und mehr Spezialisierung zu erreichen. Die Trennung von Standorten erscheint jedoch zunächst in den Hintergrund zu treten. Gerade in Frankreich will die mit 15 Prozent an EADS beteiligte Regierung vor der Präsidentschaftswahl 2007 kein Risiko eingehen.
Wer zahlt die Zeche?
Robert Klemme (rklemme)
- 01.10.2006, 14:26 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.364,65 | −2,12% |
| Dow Jones | 12.424,10 | −1,25% |
| EUR/USD | 1,2412 | −0,61% |
| Rohöl Brent Crude | 103,28 $ | −3,34% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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