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Pro Sieben Sat.1 Media AG Von Runde zu Runde

Thomas Ebeling, der Vorstandsvorsitzende von Pro Sieben Sat.1, boxt sich durch die Fernsehwelt. Dem früheren Pharmamanager ist es gelungen, aus einem Pleitekandidaten ein Medienunternehmen mit Zukunft zu machen.

© dapd Vergrößern Thomas Ebeling, Vorstandsvorsitzender der ProSiebenSat. 1 Media AG

Der alltägliche Blick auf die Quote war für die Fernsehmacher von Sat.1 oft enttäuschend. Im Vorabendprogramm blieben seit dem Ende der Telenovela „Anna und die Liebe“ die Zuschauer weg. Und auch in der sogenannten Prime Time lief es für den selbsternannten Familiensender innerhalb der Pro Sieben Sat.1-Gruppe selten rund.

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Immerhin verbuchte Sat.1 in dieser Woche mit der Fortsetzung des banalen Mittelalter-Spektakels „Die Rache der Wanderhure“ wieder einen bemerkenswerten Quotenhit: 8 Millionen Zuschauer schalteten am Dienstagabend um 20.15 Uhr ein, in der für den Privatsender wichtigen Zielgruppe der 14 bis 49 Jahre alten Zuschauer betrug der Marktanteil sagenhafte 27 Prozent. Es war zugleich ein kleiner Erfolg für den scheidenden Fernsehvorstand Andreas Bartl, der das Unternehmen in Unterföhring am Mittwochabend nach 20 Jahren verlassen hat.

Der neue Kopf und die Rekordbilanz

Kommissarisch übernimmt Bartls kreativen Job mit Konzernchef Thomas Ebeling nun ein Zahlenmensch. Ebeling ist ein ehemaliger Pharmamanager, dem die Fernsehbranche vor drei Jahren noch völlig fremd war, dem es aber vielleicht genau aus diesem Grund gelungen ist, Pro Sieben Sat.1 vom Pleitekandidaten in ein Medienunternehmen mit Zukunft zu wandeln. Doch kann so jemand auch Programm machen, fragten sich manche Beobachter. Hält sich Ebeling nach seinem schnellen Erfolg in der schillernden Medienbranche inzwischen gar für kreativer als seine Kreativen?

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Es gibt nicht wenige, die Ebeling zutrauen, dass dieser sich alles zutraut. Die Fachzeitschrift Horizont kürte ihn, den einst Branchenfremden, kürzlich zum Medienmanager des Jahres 2011. Analysten und Aktionäre von Pro Sieben Sat.1 feiern Ebeling schon viel länger. Erfolg kann einem zu Kopf steigen, selbst wenn man wie Ebeling aus Hannover stammt und den Menschen aus Niedersachsen eine gewisse Bodenständigkeit bescheinigt wird.

Am Donnerstag legte Ebeling nun eine Rekordbilanz vor und kündigte eine weitere im laufenden Geschäftsjahr an. Ebeling hat die Verschuldung durch den Verkauf der belgischen und niederländischen Sender auf ein erträgliches Maß von 1,8 Milliarden Euro reduziert, hat den Nachrichtenkanal N24 abgegeben, den Quizsender Neun Live eingestellt und den Sender Sat.1 von Berlin nach Unterföhring umgezogen. All das diente dem Ziel, die Kosten zu drücken.

Die neuen Geschäftsfelder

Doch gleichzeitig widmete er sich neuen Erlösquellen, sei es im Internet (Maxdome), im Produktionsgeschäft (Red Arrow) oder im Filmrechtrehandel (Seven One International). Zusätzliche Erlöspotentiale von 750 Millionen Euro will Ebeling heben, nicht irgendwann, sondern bis 2015. Seine Botschaft ist eindeutig: Die Wachstumsstory von Pro Sieben Sat.1 geht weiter und soll sich möglichst auch in einem entsprechend hohen Aktienkurs widerspiegeln.

Das ist ganz im Sinne der Eigentümer KKR und Permira. Beide kontrollieren die Senderkette seit 2006. Es waren nicht zuletzt die beiden Finanzinvestoren, die den 53 Jahre alten Hobbyboxer bei Pro Sieben Sat.1 in den Ring geschickt haben. Runde für Runde hat Ebeling seither gepunktet, doch den Schlussgong wird er nicht selbst läuten. Eines Tages werden KKR und Permira ihre Aktien gewinnbringend verkaufen wollen. Seit Ebelings Amtsantritt hat sich der Kurs der im MDax notierten, stimmrechtslosen Vorzugsaktien mehr als verzwanzigfacht. Mit Kursen oberhalb von 25 Euro, dem Höchststand der vergangenen zwölf Monate, ist die Verlockung für KKR und Permira groß, Kasse zu machen.

Weitere Möglichkeiten mit Potential

Sie könnten an einen anderen Investor verkaufen, oder an einen oder mehrere Medienkonzerne. Für den Axel Springer Verlag etwa, der zwar jegliche Einstiegspläne abstreitet, dem aber unverändert großes Interesse am Fernsehgeschäft nachgesagt wird, wäre Pro Sieben Sat.1 gewiss eine Nummer zu groß. Gemeinsam mit einem Verbündeten sähe es anders aus. Ebelings Aufgabe wäre dann beendet. Vielleicht gelingt KKR und Permira aber auch der Ausstieg über einen Börsengang, der Pro Sieben Sat.1 in die Nähe der großen Dax-Konzerne rücken und Ebeling die Weiterbeschäftigung ermöglichen könnte.

Bis es so weit ist, wird er sich noch ein wenig um Sat.1 kümmern. Geiss wird Ebeling das mit derselben Ausdauer tun, mit er oft früh morgens im Fitnessstudio den Sandsack bearbeitet. Als Sportler weiß Ebeling, dass die Einschaltquote in einem Jahr mit Fußball-Europameisterschaft und Olympischen Spielen, für einen Sender wie Sat.1, der diese Ereignisse nicht überträgt, eher durchwachsen ausfallen wird. Und Ebeling ist auch realistisch genug, sich nicht für den besseren Kreativen zu halten. Bartls Vorstandsressort, das die Sender Sat. 1, Pro Sieben, Kabel Eins und Sixx bündelt, übernimmt er deshalb nur auf Zeit. Mit Jürgen Hörner, dem Geschäftsführer von Pro Sieben, steht längst ein potentieller Nachfolger bereit.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.03.2012, 16:13 Uhr

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