Home
http://www.faz.net/-gqi-u979
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Private Equity Banken kommen Beteiligungsfonds in die Quere

13.02.2007 ·  Investmentbanken drängen in das Beteiligungsgeschäft zurück. Angelockt werden sie von den außerordentlich hohen Renditen der Private-Equity-Branche. „Das ist der typische Schweinezyklus der Banken“, sagt ein Investmentbanker.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Investmentbanken drängen mit Macht in das Beteiligungsgeschäft zurück und kommen damit zunehmend klassischen Finanzinvestoren in die Quere. Allen voran geht die Investmentbank Goldman Sachs, die derzeit an einem neuen Beteiligungsfonds arbeitet. Nach Brancheninformationen hat der Fonds Goldman Sachs Capital Partner VI ein Zielvolumen von 19 Milliarden Dollar und wäre damit mehr als doppelt so groß wie der erst 2005 geschlossene Vorgängerfonds. Damit würde die derzeit erfolgreiche Bank unter ihrem neuen Vorstandschef Lloyd Blankfein wieder zu den weltgrößten Unternehmenskäufern KKR und Blackstone aufschließen.

Der aus dem Handelsbereich der Bank stammende Blankfein hatte bei seinem Amtsantritt die Devise ausgegeben, das Geschäft mit alternativen Investments zu stärken. Neben direkten Beteiligungen an Unternehmen zählt dazu auch der Eigenhandel mit Wertpapieren, Rohstoffen und Währungen. In diesem Geschäft sind derzeit im Vergleich zur klassischen Fusionsberatung höhere Renditen zu erzielen.

Goldman-Strategie liegt im Trend

Blankfein wird die Aussage zugeschrieben, Beratung sei nicht skalierbar, Kapital dagegen schon. Schon häufiger hat die Bank daher in Verkaufsprozessen auf ein Beratungsmandat verzichtet, weil einer ihrer Fonds für das Unternehmen bieten wollte. In Deutschland war dies angeblich beim Verkauf der Immobiliengesellschaft Viterra der Fall, wo der zu Goldman gehörende Whitehall-Fonds im Bieterverfahren antrat.

Die Goldman-Strategie liegt im Trend. Nach dem Platzen der Internetblase hatten sich einige Investmentbanken von ihren Beteiligungssparten getrennt. Nun vollziehen viele eine strategische Kehrtwende. Morgan Stanley will derzeit mit einem 6 Milliarden Dollar schweren Fonds in das Beteiligungsgeschäft zurückkehren und die Citigroup hat kürzlich 3,3 Milliarden Dollar eingeworben. In Bankenkreisen ist zu hören, dass auch die Deutsche Bank über die Auflage eines Beteiligungsfonds nachdenkt. Ein Sprecher der Bank wollte dies nicht kommentieren, verwies aber auf Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann. Dieser hatte die wachsende Bedeutung alternativer Anlagen für die Bank hervorgehoben.

„Kein Zeichen, dass es bald abwärts geht“

Angelockt werden die Investmentbanken von den außerordentlich hohen Renditen der Beteiligungsbranche. „Das ist der typische Schweinezyklus der Banken“, sagt ein Investmentbanker. Denn die Banken drängten zu einem Zeitpunkt in das Geschäft, an dem die Überhitzung des Marktes drohe. Manche Fondsmanager sehen das anders: „Ich sehe nach wie vor kein Zeichen, dass es bald abwärts geht“, sagt Thomas Kubr, Vorstandschef des auf Beteiligungskapital spezialisierten Vermögensverwalters Capital Dynamics.

Die Investmentbanken hatten sich bisher nicht zuletzt wegen des in der Beteiligungsbranche geäußerten Vorwurfs von Interessenkonflikten zurückgehalten. Für Unmut sorgte insbesondere, dass manche Banken die Finanzinvestoren auf der einen Seite bei Übernahmen berieten und auf der anderen Seite in Bieterverfahren als deren Wettbewerber auftraten. Beteiligungsfonds sind wichtige Kunden der Investmentbanken. Allein KKR hat im vergangenen Jahr 837 Millionen Dollar Gebühren an Banken bezahlt.

Geschäftsmodelle werden immer ähnlicher

Aus diesem Grund investieren viele Investmentbanken wie Lehman Brothers oder Citigroup ausschließlich gemeinsam mit anderen Beteiligungsgesellschaften. Doch mit einem 19 Milliarden Dollar großen Fonds dürfte Goldman Sachs dies schwer fallen.

Nach Ansicht mancher Beobachter werden die Geschäftsmodelle der Investmentbank Goldman Sachs und der Beteiligungsgesellschaft Blackstone dadurch immer ähnlicher: Die für ihr Beteiligungsgeschäft bekannte Blackstone ist schon immer auch in der Übernahmeberatung tätig, vergibt mittlerweile aber ebenso Kredite und ist unter anderem als Hedge-Fonds, Immobilienkäufer und Restrukturierungsberater aktiv.

Quelle: da., F.A.Z., 14.02.2007, Nr. 38 / Seite 19
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Barrosos Verantwortung

Von Werner Mussler, Brüssel

Die EU-Kommission schaut den EU-Staaten auf die Finger: Sind ihre Haushalte in Ordnung? Wie sie diese Kontrolle ausübt, wird sich in der Politik entscheiden - abhängig davon, ob sich der französische Weg oder der deutsche Weg zur Krisenbekämpfung durchsetzt. Mehr 1

30.05.2012 17:01 Uhr
  Vortag
Dax 6.260,11 −2,14%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.364,65 −2,12%
Dow Jones 12.424,10 −1,25%
EUR/USD 1,2412 −0,61%
Rohöl Brent Crude 103,28 $ −3,34%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.