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Preissenkungen bei Aldi und Lidl : Zank ums billige Ei

Die Masse macht’s: In der Eierproduktion dominieren einige hundert Großerzeuger das Geschäft Bild: ZB

Aldi und Lidl haben Eier billiger gemacht. Jetzt beschweren sich die Landwirte: Zu solchen Preisen könnten sie die Tiere nicht gut behandeln. Dabei produzieren die Bauern so viele Eier wie nie zuvor.

          Auf der Grünen Woche in Berlin sprechen Lebensmittelhersteller und Politiker über das „Tierwohl“ in den Ställen – derweil bieten Discountmärkte tierische Produkte so billig an wie lange nicht. Zum Jahresbeginn senkte Aldi den Preis für zehn Eier aus der Bodenhaltung von 1,29 Euro auf 99 Cent. Lidl bestätigte dieser Zeitung, das Unternehmen habe reagiert und den Preis ebenso gesenkt. Die Landwirte geben sich empört. Aus Protest gegen die Tiefpreise ist vor wenigen Tagen der Vorsitzende des Verbandes für kontrollierte Haltungsformen (KAT) zurückgetreten.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Christoph Hönig sagte dieser Zeitung, der Preisdruck müsse von den Bauern weitergereicht werden – auf die Tiere: „Das werden viele Landwirte und Hühner nicht überleben.“ Hönig sagte, er zweifle daran, dass angesichts sinkender Erzeugerpreise die Tiere so gehalten werden können, wie es Verbraucher wünschen. Nach Informationen der Analysten der Marktinfo Eier und Geflügel (MEG) lag der Erzeugerpreis für Bodenhaltungseier zum Jahreswechsel rund ein Drittel unter dem Vorjahresniveau und ist seither weiter gesunken.

          Konkurrenzdruck durch Importe bei Eiern

          Damit stellt sich die wirtschaftliche Lage der Landwirte, die Eier erzeugen, gegensätzlich zu der Situation der Milchbauern dar. Während Milchbauern zu Höchstpreisen von 40 Cent je Liter und deutlich darüber Rekordmengen auch nach Osteuropa und Asien exportieren, klagen Ei-Erzeuger über den Konkurrenzdruck durch Importe. Der Grund ist, dass in Osteuropa Hennen in Käfigen gehalten werden. Dies ist in der EU seit 2012 verboten, in Deutschland schon länger.

          Die Käfigeier gelangen aber als Flüssigei auf den deutschen Markt. Das wird zu Rührei, Keksen oder Nudeln verarbeitet – auch wenn Handelsketten wie Rewe, Lidl, Norma oder Hersteller wie Bahlsen oft Selbstverpflichtungen eingehen, nur Eier aus Bodenhaltung zu verwenden. Eine gesetzliche Pflicht zur Herkunftsangabe gibt es nicht. Das Ausmaß ist umstritten: Amtliche Zahlen deuten auf geringe Einfuhrmengen hin. Womöglich aber gibt es Schwarzhandel und illegale Umetikettierungen.

          Viele Bauern liefern Eier zu Preisen, die unter ihren Kosten liegen

          Eine Ursache für die niedrigen Eierpreise ist, dass die Landwirte immer mehr produzieren. Nach dem Verbot der Käfighaltung war die Erzeugung zunächst eingebrochen. Dann legte sie deutlich zu und erreichte 2013 mit rund 13,6 Milliarden Eiern einen Höchststand, wie der Marktdienst AMI mitteilt. Es waren damit laut dem Bauernverband Landvolk so viele Eier im Angebot wie nie zuvor. Dadurch verbesserte sich die Verhandlungsposition des Handels.

          Dessen Einkäufer konnten im vergangenen Jahr dem Vernehmen nach so niedrige Preise aushandeln, dass viele Bauern nun Eier zu Preisen liefern, die unter ihren Kosten liegen. Das bestätigen die Daten des Branchendienstes EMA. Demnach war die Bruttomarge in der Eierproduktion 2013 meist negativ. In allen Sparten der konventionellen Tierhaltung gibt es einen ungebremsten Konzentrationsprozess. Wenige Großerzeuger können sich angesichts minimaler Margen halten. Erzeuger von Eiern berichten von Gewinnen von weniger als einem Cent für 100 Eier.

          „Der Discount handelt unverantwortlich“

          Der Deutsche Bauernverband klagte den Discounthandel an. Man wolle mehr Tierwohl, da passe eine solche „Preissenkung nicht ins Bild“, sagte Präsident Joachim Rukwied. Ihm widersprach der Verbraucherverein Foodwatch. Dessen stellvertretender Geschäftsführer Mathias Wolfschmidt sagte, es gebe keinen Beleg, dass sich Tierhaltung verschlechtere, wenn Preise niedrig seien. Ein Landwirt werde „immer am Futter sparen, auch wenn er 5 oder 10 Cent mehr fürs Ei bekäme“. Die Politik müsse Vorschriften machen, der Landwirt sie einhalten.

          „Der Discount handelt unverantwortlich“, sagt der Hühnerhalter Christoph Hönig. Er mache alle Bemühungen der Landwirte um bessere Tierhaltung zunichte. Lidl verhandle mit Beleidigungen und Drohgebärden. Die Handelskette teilte mit, von solchen Praktiken distanziere sie sich. Fairer Umgang zähle zu ihren Grundsätzen. In Deutschland ist die Marktmacht der Ketten Edeka, Rewe, Aldi und Lidl/Kaufland, die mehr als 85 Prozent des Umsatzes auf sich vereinen, in der Kritik. Derzeit spielt Lidl seine Marktmacht gegen Coca-Cola aus und ordert dort keine Ware nach.

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