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Postzusteller Insolvenz der Pin Group droht noch diese Woche

 ·  Das Medienhaus Axel Springer will schon am Freitag über den Briefzusteller PIN Group entscheiden. Aus den eigenen Reihen hat Springer-Chef Döpfner Rückenwind für die Insolvenz, doch die Miteigentümer kritisieren ihn zunehmend.

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Der Medienkonzern Axel Springer wird voraussichtlich noch diese Woche über das Schicksal seines Postdienstes Pin Group entscheiden. Am Donnerstag will der Bundestag die von der Axel Springer AG heftig kritisierte Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns im Postgeschäft beschließen. Unmittelbar danach werde Springer entscheiden ob der Verlag wie befürchtet für Pin die Insolvenz beantrage, hieß es am Montag nach einer Aufsichtsratssitzung aus Gesellschafterkreisen.

Das Zeitungshaus will damit nicht mehr, wie bislang angenommen, die Verabschiedung des Mindestlohns auch durch den Bundesrat am 20. Dezember abwarten. Der Pin-Mehrheitseigner Springer hat die Entscheidung über die Zukunft des Postzustellers um eine Woche vorgezogen, um das defizitäre Unternehmen finanziell nicht weiter unterstützen zu müssen. Die Minderheitsgesellschafter von Pin wollen sich, wie zu hören ist, nicht an der Zwischenfinanzierung in voraussichtlich einstelliger Millionenhöhe beteiligen. Pin beschäftigt nach eigenen Angaben rund 9000 Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze nun akut gefährdet sind. Springer macht dafür die Einführung des Mindestlohns im Postgewerbe verantwortlich, der Pin die wirtschaftliche Basis entziehe.

Thiel will das Unternehmen notfalls selbst übernehmen

Unterdessen arbeitet Pin-Vorstandschef Günter Thiel für den Fall, dass sich Springer als Hauptaktionär zurückziehen sollte, an einem Rettungsplan. „Wenn Springer aussteigen sollte, würden wir eine Übernahme von Pin durch das Management anstreben“, sagte Thiel am Montag dieser Zeitung. Finanzielle Unterstützung dabei könnten Finanzinvestoren leisten. „Das Geschäftsmodell des Unternehmens ist intakt“, unterstrich Thiel. Ihm gehören über die Beteiligungsgesellschaft Rosalia schon 10 Prozent an Pin. Mehrheitsaktionär des Unternehmens mit Sitz in Luxemburg ist mit 63,7 Prozent Springer. Die restlichen Anteile gehören Zeitungshäusern wie Madsack, Holtzbrinck und WAZ.

Der Haupteigner Springer gerät im Gesellschafterkreis von Pin zunehmend in die Kritik. Döpfners offene Drohung, den Postdienst in die Insolvenz zu schicken, falls der Mindestlohn eingeführt werde, sei überzogen und geschäftsschädigend, heißt es. „Döpfner geht mit einem werthaltigen Unternehmen um, als spiele er Fußball mit einer leeren Blechdose“, sagte am Montag der Geschäftsführer eines Pin-Minderheitsaktionärs dieser Zeitung. „Springer spielt mit dem Feuer. Pin könnte auf veränderter Basis weiterbetrieben werden“, hieß es in Eigentümerkreisen. Im eigenen Haus erhält Döpfner dagegen offenbar weiter Unterstützung. Der Springer-Aufsichtsrat habe am Montag dem Vorstandschef geschlossen den Rücken gestärkt, verlautete aus Gesellschafterkreisen des Verlags.

Springer rechnet mit hoher Abschreibung

Für den Fall einer Insolvenz von Pin werden bei Springer intern die notwendigen Abschreibungen auf bis zu rund 600 Millionen Euro beziffert. Voraussichtlich würden diese noch im Jahresabschluss 2007 verbucht, wodurch das größte deutsche Zeitungshaus hohe Verluste schreiben dürfte. Bislang erwartete der Verlag einen Nettogewinn von 300 Millionen Euro. Springer hat erst Ende Juni für 510 Millionen Euro die Mehrheit an Pin übernommen. Der Postdienst habe Bankschulden von rund 70 Millionen Euro und zusätzlich Gesellschafterdarlehen von etwa 30 Millionen Euro, hieß es von Seiten der Eigentümer.

Springer hat unterdessen angekündigt, seine Anteile an Pro Sieben Sat.1 zu verkaufen (siehe auch Springer gibt TV-Beteiligung auf ).

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Jahrgang 1972, Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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