01.09.2009 · Im Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist die Deutsche Post durchgefallen: Nur 61 Prozent der Briefe kamen am nächsten Werktag an. Vorstandschef Frank Appel versucht nun zu beschwichtigen - mit einer anderen Rechnung.
Im Test der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ist die Deutsche Post durchgefallen: Nur 61 Prozent der Briefe kamen am nächsten Werktag an. Vorstandschef Frank Appel versucht nun zu beschwichtigen - mit einer anderen Rechnung.
Verspricht die Post mehr als sie halten kann?
Die Stichprobe der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung umfasste 99 Briefe. Das können Sie nicht mit den 70.000 Testbriefen vergleichen, die wir jeden Monat auswerten. Das sind dramatisch andere Zahlen und sagt etwas darüber aus, wie repräsentativ dieser Test ist. Aber natürlich gehen wir der Sache nach. Jeder Brief, der zu spät kommt, ist einer zu viel.
Wie beurteilt die Post selbst ihre Zustellqualität?
Die Brieflaufzeiten der Post werden von unabhängigen und vom TÜV zertifizierten Gutachtern gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass wir unser Leistungsversprechen einhalten. Von Januar bis Juli haben sich die Zahlen sogar verbessert. 95,4 Prozent aller Briefe waren am nächsten Werktag beim Empfänger, gegenüber 95,1 Prozent im ersten Halbjahr 2008.
Aber mögliche Folgen der Zustellungsbeschränkungen während der Sommermonate spiegeln sich darin noch nicht wider?
Die Zahlen für den Juli zeigen keine signifikanten Veränderungen, die für August liegen noch nicht vor. Die Bundesnetzagentur hat uns bestätigt, dass wir alle gesetzlichen Vorgaben weiterhin übererfüllen. Aber wir müssen uns natürlich fragen, ob das getestete Produktionsmodell funktioniert hat, ob es systematische Schwächen hatte oder ob es nur Umstellungsprobleme gegeben hat. Wo Menschen beteiligt sind, passieren eben Fehler.
Warum schimpfen so viele Bürger, dass sie montags keine Post bekommen?
Geschäftskunden geben am Wochenende kaum noch Post auf, und Privatkunden verschicken ohnehin nur noch sehr wenige Briefe. Aber einmal deutlich: Wir stellen jeden Montag zu, und das war auch im Sommer so. Statistisch bekommt jeder Haushalt nur noch jeden zweiten Tag Post. Und wenn dann noch die Volumina sinken, wird das montags besonders wahrgenommen. Die Leute sehen ja nicht, dass der Briefträger an ihrem Haus vorbeigefahren ist und keine Post für sie dabei war. Sie sehen nur den leeren Briefkasten. Ich bedauere das natürlich sehr, weil eine Servicedienstleistung immer nur so gut ist wie ihre subjektive Wahrnehmung.
Wird es eine Neuauflage der Zustellbeschränkungen geben?
Wir müssen uns der Realität stellen. Wenn wir montags nur noch geringe Mengen haben, müssen wir darauf reagieren, ohne Kompromisse bei der Qualität zu machen. Wir können nicht einfach abwarten, bis wir kein Geld mehr verdienen. Deshalb testen wir solche Modelle, und wenn sie funktionieren, werden wir prüfen, ob sie auch zu anderen Zeiten eingesetzt oder wiederholt werden.
Wie bedrohlich ist die Lage im Briefgeschäft?
Wir hatten in den ersten sechs Monaten rund 30 Prozent Ergebnisrückgang. Das entspricht 250 Millionen Euro weniger Ergebnis in einem Halbjahr. Zum Vergleich: Wir hatten letztes Jahr im Briefgeschäft noch ein Gesamtergebnis von 1,6 Milliarden Euro, im Jahr zuvor von mehr als 1,9 Milliarden Euro. Der Ergebnisrückgang hat sich also dramatisch beschleunigt. Deshalb müssen wir uns jetzt, während wir noch profitabel sind, fragen, welche Lösungen es gibt. Wenn man das nicht tut, wenn man nicht über Arbeitszeitverlängerung und Faktorkosten redet, ist man einfach fahrlässig. Jetzt haben wir noch genügend Zeit, um die Anpassungen sozialverträglich hinzubekommen. Wenn wir einfach nur abwarten, wird der Profit schnell weg sein.
Ist die Gewerkschaft zu Verhandlungen bereit?
Meiner Einschätzung nach wird der Ernst der Lage auch unseren Sozialpartnern klarer. Auch dort erkennt man, dass es uns nicht um Profitmaximierung geht, sondern um eine sanfte Landung. Dass die Gewerkschaft einige unserer Vorschläge massiv kritisiert, gehört dazu. Ich sehe aber in meinen Gesprächen Signale für eine wachsende Verhandlungsbereitschaft.
Sie fordern längere Arbeitszeiten, bereits beschlossene Lohnerhöhungen sollen ausgesetzt werden. War der Tarifabschluss zu großzügig?
Natürlich war seinerzeit die wirtschaftliche Krise nicht absehbar. Wir haben aber auch unterschätzt, wie schnell der Brief durch Online ersetzt wird. Die sehr schnelle Verbreitung von DSL-Anschlüssen hat diesen Substitutionsprozess enorm beschleunigt. Anders als die Sozialpartner befürchte ich, dass sich die Volumina nach der Krise nicht erholen werden. Wir haben keinerlei Indikation, dass sich der Rückgang des Briefaufkommens wieder auf dem bereits niedrigeren Niveau aus Vorkrisenzeiten stabilisiert. Und auf der Basis von Hoffnungen können wir keine Geschäftsplanung machen.
Haben Sie einen Plan B, falls die Verhandlungen mit Verdi scheitern?
Natürlich gibt es da verschiedene Fallszenarien. Mein höchstes Ziel ist, dass die Mitarbeiter, die heute bei uns arbeiten, einen sicheren Arbeitsplatz behalten. Wenn das auf Dauer nicht möglich ist, weil die Lohnkosten zu hoch und Arbeitszeiten zu kurz sind, muss ich überlegen, bestimmte Dienstleistungen auszulagern. Dann muss die natürliche Fluktuation genutzt werden, um eine andere Kostenebene einzuziehen. Wir haben erheblichen Wettbewerbsdruck, auch im Paketbereich, und unsere Wettbewerber arbeiten schon mit ganz anderen Kostenstrukturen. Dem müssen wir uns stellen. Die Tarifverträge, die Fremdvergabe ausschließen, laufen Ende des Jahres aus, und wenn es nötig ist, werde ich vor diesem Thema nicht zurückschrecken. Das kann auch eine Fremdvergabe in der Briefzustellung bedeuten. Ich habe keine Präferenz dafür, aber es geht um die Absicherung des Briefgeschäfts für die nächste Dekade.
Was erwarten Sie von der Politik?
Die Politik muss erkennen, dass die Zeiten, in denen die Deutsche Post jedes Jahr zwei Milliarden Euro mit den Briefen verdiente, vorbei sind. Das muss jedem bewusst sein, wenn über die Mechanismen der Preisregulierung und des Universaldienstes gesprochen wird. Es geht um die Frage, was unter heutigen Bedingungen noch an Universaldienst notwendig ist. Und man muss sich Gedanken darüber machen, welches Briefaufkommen welche Dienstleistung erlaubt.
Appel darf man auch kein Wort glauben...
Jim Bob (JimBo_b)
- 01.09.2009, 10:12 Uhr
Herr Appel
Dirk Gruenwald (DirkGruenwald)
- 01.09.2009, 10:16 Uhr
Leere Briefkästen? - leere Worte!!!
Max Mustermann (octopus_vulgaris)
- 01.09.2009, 10:45 Uhr
Herr Appel, das stimmt nicht
Kim Kuehner (K.Kuehner)
- 01.09.2009, 10:59 Uhr
Unseriöse FAS
Gerald Mackenthun (segel14197)
- 01.09.2009, 11:12 Uhr
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