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Postbank und Basel III Deutsche Bank womöglich vor Kapitalerhöhung

10.09.2010 ·  Dass die Deutsche Bank möglicherweise eine Kapitalerhöhung planen könnte, ist kein neues Gerücht. Das Volumen aber, das jetzt kolportiert wird, ist überraschend groß: Von acht bis neun Milliarden Euro ist in neuesten Berichten die Rede. An der Börse kam diese Spekulation gar nicht gut an.

Von Hanno Mußler
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Die Deutsche Bank wird voraussichtlich Anfang nächster Woche eine große Kapitalerhöhung bekannt geben. Die Rede ist in Finanzkreisen von 8 bis 9 Milliarden Euro, die durch Ausgabe neuer Aktien eingesammelt werden dürften. Die Deutsche Bank wollte „zu diesen Marktgerüchten keine Stellungnahme“ abgeben. Für die Aktionäre der Deutschen Bank bedeutete eine derartige Kapitalerhöhung eine starke Verwässerung ihrer Anteile, falls sie sich nicht mit neuem Geld an der Kapitalerhöhung beteiligen. Derzeit wird die Deutsche Bank an der Börse mit 29,5 Milliarden Euro bewertet.

An der Börse kam die sich abzeichnende Kapitalerhöhung nicht gut an. Der Aktienkurs der Deutschen Bank verlor am Freitag in der Spitze um 5,2 Prozent. Eine Kapitalerhöhung von 8 bis 9 Milliarden Euro wäre die größte Kapitalerhöhung einer europäischen Bank in diesem Jahr und die zweitgrößte Kapitalerhöhung eines deutschen Unternehmens über die Börse überhaupt. Die britisch-asiatische Bank HSBC hatte im April 2009 ohne Hilfe des Staates fast 13 Milliarden Pfund, damals 14 Milliarden Euro, eingesammelt. In Deutschland hält die Telekom mit ihrer Kapitalerhöhung von 10,8 Milliarden Euro im Jahr 1999 die Spitzenposition gefolgt von der Allianz mit 4,5 Milliarden Euro im Jahr 2003.

In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass die Deutsche Bank an diesem Wochenende die Banken auswählt, mit deren Hilfe sie Anleger für die neuen Aktien finden will. Der Zustand des Kapitalmarktes gilt als stabil und damit aufnahmebereit für eine Kapitalerhöhung. An diesem Wochenende sollen auch die neuen Eigenkapital- und Liquiditätsregeln (Basel III) für die Banken beschlossen worden. Der Zusammenhang zwischen der Kapitalerhöhung der Deutschen Bank und den neuen Kapitalanforderungen für den Bankensektor ist offensichtlich. Erst am Montag hatte der Verband der privaten Banken, dem die Deutsche Bank angehört, von einem Kapitalbedarf der zehn größten deutschen Banken von 105 Milliarden Euro gesprochen, sollten die bisherigen Pläne für die neuen Regeln Wirklichkeit werden.

Obwohl die Kernkapitalquote (Tier 1) der Deutschen Bank im ersten Halbjahr 2010 von 12,6 auf 11,3 Prozent im ersten Halbjahr gesunken ist, liegt dieses Quote noch über dem selbstgesteckten Ziel von 10 Prozent. Aber die Analysten von JP Morgan haben schon vor einiger Zeit einen Kapitalbedarf der Deutschen Bank von 12 Milliarden Euro ausgemacht. Denn höhere Kapitalanforderungen werden künftig auch an Derivate, an Risiken im Handelsbuch und an Wertpapiere gestellt, für die es keine Marktpreise gibt („Level III-Assets“). Hier ist die Deutsche Bank als Investmentbank stark engagiert.

Zusätzlicher Kapitalbedarf entsteht der Deutschen Bank, sobald sie die Mehrheit an der Postbank übernimmt. Sie hält derzeit 29,9 Prozent der Anteile an der Postbank. Deren Aktienkurs stieg am Freitag um 5 Prozent auf 27 Euro. Die Deutsche Bank muss im Februar 2012 von der Post Postbank-Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Euro übernehmen. Spätestens dann muss sie dem Streubesitz ein Übernahmeangebot machen, da sie die Beteiligungsgrenze von 30 Prozent überschritten hätte. Falls sie die Grenze nach Zukäufen über den Markt früher überschreitet, kann sie dem Streubesitz ein niedrigeres Angebot machen. Analysten spekulierten am Freitag auf 30 Euro je Postbank-Aktie.

Allerdings hatte die Deutsche Bank nach den im September 2008 getroffenen Vereinbarungen mit der Post bislang keine Eile, die Übernahme zu vollziehen. Die Postbank ist deutlich schwächer kapitalisiert als die Deutsche Bank und hat insofern relativ betrachtet noch mehr Kapitalbedarf als die Deutsche Bank. Im jüngsten europäischen Bankenstresstest blieb die Postbank nur knapp über der zum Bestehen notwendigen Latte von 6 Prozent Kernkapitalquote.

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Jahrgang 1971, Redakteur in der Wirtschaft.

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