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Post-Vorstandsvorsitzender Frank Appel „Wir können das Schwungrad antreiben“

Durch die Übernahme von TNT Express rückt der Erzrivale UPS näher an die Deutsche Post heran. Postchef Appel gibt sich gelassen, aber auch verwundert über einige Merkwürdigkeiten.

© Nedden, Kai Vergrößern Frank Appel im Gespräch mit der F.A.Z.

Manche Ereignisse fallen zeitlich und inhaltlich so auffallend zusammen, dass es schwerfällt, an Zufälle zu glauben. So ging es Frank Appel, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post, als der amerikanische Erzrivale UPS sein milliardenschweres Übernahmeangebot für den niederländischen Paketdienst TNT Express unterbreitete. Wenige Tage zuvor hatte er den blauen Brief der Europäischen Kommission erhalten, die die Rückzahlung angeblich illegaler Beihilfen für das Briefgeschäft verlangt.

Bis zu einer Milliarde Euro soll die Post an den deutschen Finanzminister überweisen. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung macht Appel aus seiner Verwunderung kein Hehl. Zwar sei er „weit davon entfernt“, eine bewusste Unterstützung eines Wettbewerbers zu unterstellen. „Aber für uns zeigt sich folgender Zeitablauf: Erst braucht die Kommission dreizehn Jahre, um ein von UPS angestoßenes Verfahren zu Ende zu bringen. Dann kommt plötzlich die Entscheidung und drei Wochen später das Übernahmeangebot von UPS für TNT Express. Im Ergebnis nützt all dies UPS.“

Appel ist sich zwar sicher, dass die Post deutlich billiger aus der Geschichte herauskommen wird, nämlich am unteren Ende der auf eine Spanne von 500 Millionen bis eine Milliarde Euro bezifferten illegalen Beihilfen. Und er ist auch davon überzeugt, dass sich die Vorwürfe - „eine seltsame Konstruktion, die eine Beihilfe mit der Preisregulierung vermischt“ - vor dem Europäischen Gerichtshof letztlich als unbegründet herausstellen werden. „Aber wenn man mal auf die obere Kante der Kommissionsentscheidung schaut: Das würde uns eine Feuerkraft von bis zu 5 Milliarden Euro nehmen. Das ist die Summe, die wir mit einer Milliarde Euro Cash finanzieren könnten und nun genau die Größe, die UPS für TNT zahlen will.“

Infografik / Deutsche Post / Kursentwicklung © F.A.Z. Vergrößern Die Kursentwicklung der Deutschen Post in den letzten zwölf Monaten

Was Appel vorsichtig andeutet, klingt wie ein Handel zu Lasten von DHL. Nur scheint das Motiv zu fehlen. Hat die Post nach der UPS-Offerte nicht sofort gesagt, dass sie an TNT kein Interesse habe? Appel antwortet mit einer Gegenfrage. „Wir haben klargestellt, dass wir TNT nicht kaufen wollen. Aber hat das UPS so einschätzen können, als das Angebot abgegeben wurde? Es ist auf jeden Fall nicht schädlich zu wissen, dass der größte Konkurrent im Zweifel nicht mithalten kann“. Appel ist sehr gespannt, wie die Wettbewerbsbehörden mit der Fusion umgehen werden. Hier werde immerhin der drittgrößte europäische Anbieter von einem amerikanischen Konzern gekauft, der in Amerika zusammen mit Fedex bereits über ein Duopol verfüge.

Die Neuordnung der Transportbranche ist für Appel ein industriepolitisches Thema, für das er sowohl in Brüssel als auch in den übrigen EU-Hauptstädten zu wenig Unterstützung sieht. „Logistik bildet das Rückgrat der Volkswirtschaft. Aber weil sie keine direkt sichtbare Wertschöpfung generiert, wird die Logistikwirtschaft ziemlich stiefmütterlich behandelt.“ Bezeichnend sei die sonderbare Auseinandersetzung um das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen. Ein dichtbesiedeltes Land wie Deutschland sei darauf angewiesen, vorhandene Infrastruktur so effizient wie möglich zu nutzen.

DHL ist zwar von dem Frankfurter Nachtflugverbot nicht direkt betroffen, weil das Unternehmen den Leipziger Flughafen als Drehkreuz benutzt. Appel hält es dennoch für „grundsätzlich falsch“, nach der Flughafenerweiterung in Frankfurt den Betrieb auf den beiden alten Landebahnen zu beschränken. Diese zwei Bahnen würden seit fünfzig Jahren für Nachtflüge eingesetzt. „Es gibt also keine zusätzliche Lärmbelastung für die Anwohner, sondern eher eine Entlastung, weil die Maschinen über die Jahre leiser geworden sind.“ Den Nachtbetrieb für die Luftfracht bezeichnete der Vorstandschef als „volkswirtschaftliche Notwendigkeit“. Ohne den Nachtsprung würden Lieferketten nicht mehr funktionieren, es müssten zusätzliche gewaltige Lagerhaltungen aufgebaut werden, die sehr teuer würden. „Über meinem Haus höre ich nachts auch die Frachtflugzeuge, wenn sie Köln ansteuern. Aber das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn man bestimmte Dienstleistungen will.“

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