20.07.2006 · In der Führungsetage von BMW werden Konferenzen wohl schon bald wieder in Bayerisch moderiert. Dafür dürfte Norbert Reithofer sorgen, der zwar eine lupenreine internationale Karriere hingelegt hat, dessen Herkunft aber unüberhörbar ist und der nun Helmut Panke nachfolgen wird.
Von Henning PeitsmeierIn der Führungsetage von BMW werden Konferenzen wohl schon bald wieder in Bayerisch moderiert. Dafür dürfte Norbert Reithofer sorgen, dessen Herkunft unüberhörbar ist und der nun Helmut Panke nachfolgen wird. Mit Reithofer wird erstmals nach Bernd Pischetsrieder wieder ein waschechter Bayer an die Spitze der Motorenwerke zurückkehren - sofern der Aufsichtsrat in seiner nächsten Sitzung die Führungsfrage abschließend klärt und damit die Machtspiele endlich beendet.
Daß Reithofer nun für den BMW-Aufsichtsrat erste Wahl ist, überrascht nicht. Dort sitzt mit Aufsichtsratschef Joachim Milberg ein Mann, der ihn sehr gut kennt. Reithofer hat bei dem früheren BMW-Chef seine Doktorarbeit geschrieben, als der noch Professor an der Universität München war. Und Milberg war es auch, der Reithofer im März 2000 in den Vorstand holte. Jetzt hat er ihn frühzeitig zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt, weil BMW-Chef Panke nach den Gepflogenheiten des Konzerns mit Erreichen des 60. Lebensjahres ausscheidet. Panke wird im August dieses Jahres 60.
Lieber das Land als Grünwald
Reithofer ist zehn Jahre jünger. Er wurde 1956 in der einstigen Bergarbeitersiedlung Penzberg in Bayern geboren. Eine gewisse Bodenständigkeit zeichnet ihn auch heute noch aus. Anders als so manch anderer Münchener Manager zieht Reithofer das Leben auf dem Land dem luxuriösen Vorort Grünwald vor. Sein Bekenntnis zum Urbayerischen darf freilich nicht darüber hinwegtäuschen, daß er bei BMW eine lupenreine, internationale Karriere hingelegt hat - und außer Bayerisch mit Englisch eine zweite Fremdsprache fließend beherrscht.
Reithofer ist ein BMW-Eigengewächs, wie das so typisch ist für die Motorenwerke. Er ist ein Automann. Und auch wenn der Spruch vom Benzin in den Adern bei Automanagern abgedroschen klingt, auf Reithofer trifft er zu. Sein beruflicher Weg begann 1984 als wissenschaftlicher Assistent an der TU München. Drei Jahre später wechselte er als Leiter der Abteilung Instandhaltungsplanung zu BMW. Von da an stieg er rasch auf der innerbetrieblichen Karriereleiter nach oben: 1991 übernahm er die Leitung des Karosseriebaus, 1994 wurde er technischer Direktor von BMW in Südafrika, wiederum drei Jahre später ging er in die Vereinigten Staaten.
„Leipzig ist Reithofers Baby“
Der promovierte Diplomingenieur, der auch Betriebswirtschaft in München studierte, war seinerzeit Präsident der BMW Manufacturing Corporation in South Carolina. In dem Werk Spartanburg, das unter der Führung des heutigen BMW-Chefs Panke aufgebaut wurde, hat auch Reithofer seine Sporen verdient. Seine dortigen Verdienste sorgten dafür, daß ihn sein Mentor Milberg direkt aus Spartanburg in den Vorstand nach München holte, und ihm die Verantwortung für die Produktion in die Hände legte. Gemeinsam hoben Milberg und Reithofer die neue BMW-Produktionsstätte in Leipzig aus der Taufe. Wenn heute der aufstrebende japanische Konkurrent Toyota BMW um diese Autofabrik beneidet, kann das als wohl stärkstes Kompliment für Reithofer gelten.
"Leipzig ist Reithofers Baby", heißt es bei BMW in München. Unter seiner Führung hat BMW die Produktionsstrategie optimiert, hat die wohl flexibelste Fertigung in ganz Deutschland aufgebaut. Gerade für einen Premiumhersteller sind flexible Werke ein entscheidender Erfolgsfaktor. Denn nur so kann dem Kundenwunsch nach individuell ausgestatteten Autos entgegengekommen werden. Reithofer würde das selbst so nie sagen. Dafür ist er zu bescheiden. Das sagen aber andere: Toyotas Europa-Chef Shinichi Sasaki etwa äußerte sich kürzlich voller Bewunderung über die BMW-Produktion. Nur zu gern hätte er etwas Vergleichbares in Europa für seine Premiummarke Lexus, hatte Sasaki gesagt.
Wird Reithofer Ende Juli ernannt, tritt er ein schweres Erbe an. Nicht, weil Vorgänger Panke bei BMW viele Baustellen hinterließe, sondern weil er so erfolgreich war, daß viele Branchenkenner nur noch auf ein Ende der Erfolgsfahrt spekulieren. Eine Vollbremsung auf bayerische Art hatte es zuletzt unter BMW-Chef Pischetsrieder gegeben.
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