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Donnerstag, 16. Februar 2012
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Portrait Der Ausputzer

07.12.2005 ·  Fritz Henderson, der neue GM-Finanzchef, ist überall dort, wo die Probleme unlösbar erscheinen. Ob in Asien oder in Europa, er hat als Sanierer stets gute Arbeit geleistet. Deshalb wechselt er jetzt in die Zentrale.

Von Henning Peitsmeier
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Es war ein lauer Herbstabend, als auf einem Nebenplatz des Frankfurter Fußballstadions ein Team von Motorjournalisten aus ganz Europa gegen die Führungsmannschaft von General Motors antrat. Und irgendwie hatte eine Szene in der zweiten Halbzeit Symbolcharakter: Als es bei den amateurhaft kickenden Opelanern nicht mehr lief, ließ sich der Amerikaner Fritz Henderson einwechseln.

Der nur 1,70 Meter große Schnauzbartträger mit der gedrungenen Statur eines Mittelstürmers stand bis dahin an der Seitenlinie, wippte ungeduldig auf den Fußspitzen, lief dann mit kurzen, schnellen Schritten quer über das Feld und stürzte sich beherzt in den ersten Zweikampf.

Selbst Gewerkschafter attestieren ihm gute Arbeit

Henderson ist bei GM der Mann für unbequeme Fälle, nicht nur auf dem Fußballplatz. Er ist immer dann zur Stelle, wenn aufgeräumt werden muß. Deshalb ist es nur logisch, daß GM-Chef Rick Wagoner mitten in der schlimmen Finanzkrise des weltgrößten Automobilkonzerns seinen „Ausputzer“ Henderson jetzt mit dem Finanzressort betraut.

Henderson verläßt nach nur eineinhalb Jahren die Spitze der GM-Zentrale in Europa. Das Ergebnis seines kurzen Wirkens ist beachtlich: Ein Stellenabbau in nie gekanntem Ausmaß, die Entmachtung der lange gemütlich nebeneinander werkelnden Konzernmarken Opel in Deutschland, Vauxhall in England und Saab in Schweden sowie eine Stärkung der Europa-Zentrale in Zürich, von der vorher kaum jemand wußte, warum es sie eigentlich gab.

Henderson zog zuvorderst den Zorn der Opel-Arbeiter auf sich. Zu Recht, denn kein Standort war derart von Hendersons Kahlschlag betroffen wie Rüsselsheim. Doch heute attestieren selbst Gewerkschafter dem harten Sanierer ordentliche Arbeit, wurde die Streichung von fast 12 000 Stellen doch ohne betriebsbedingte Kündigungen erreicht.

Der erste Job in der Zentrale

Seinen Ruf als Sanierer hat sich Henderson vorher erworben, stets weit entfernt von der Konzernzentrale in Detroit. Ende der neunziger Jahren riß er in Lateinamerika das Ruder herum, Jahre später sanierte er das Asien-Geschäft. Eine „Blutspur“ habe er dort hinterlassen, wurde später ein Betriebsrat zitiert. Doch Asien ist der einzige Kontinent im GM-Imperium, wo der Autohersteller ordentlich Geld verdient.

Auf den eigenen Wanderjahren mußte Henderson, der als Familienmensch beschrieben wird, seine Frau und die beiden Kinder in Florida zurücklassen. So zielstrebig wie er saniert, arbeitet Henderson an seiner Karriere.

„Mister Fix it“, wie er von Kollegen angeblich genannt wird, hat alle zwei bis vier Jahre Top-Positionen besetzt, seit er 1984 von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse zu GM kam. Erstmals übernimmt Henderson nun einen Job in der Konzernzentrale in Detroit, und nicht nur deshalb sehen viele in ihm den Kronprinzen, sollte sich der erst 52 Jahre alte Wagoner nicht mehr lange im Amt halten können. Schon mit der Berufung Hendersons an die Spitze der Europa-Zentrale war dieses Szenario absehbar.

Zweikämpfe gewonnen, aber keine Tore geschossen

Dort hat Henderson nun den Weg frei gemacht für den bisherigen Vize Carl-Peter Forster. Befreit vom allerschlimmsten Kostendruck, kann sich „Car Guy“ Forster darum kümmern, was dem Zahlenmenschen Henderson weniger liegt, nämlich attraktive Modelle auf die Straße zu bringen. In Amerika muß Henderson da weitermachen, wo er in Europa aufgehört hat. GM hat in der Heimat mit einem harten Sanierungsprogramm erst begonnen, und es trägt mit der Streichung von rund 30.000 Arbeitsplätzen bereits die untrügliche Handschrift des Ausputzers.

Henderson weiß, daß der Tritt auf die Kostenbremse ein Unternehmen nicht in Fahrt bringen kann. Dem GM-Konzern fehlen in Nordamerika die Autos, die das Zeug zu echten Verkaufsschlagern haben. Weder Cadillac noch Pontiac erst recht nicht Chevrolet gelten heute noch als zugkräftige Marken. Als Finanzchef ist Henderson nicht für die Produktentwicklung zuständig.

In der Erwartung, vielleicht bald CEO zu sein, muß er aber auch diese Perspektive im Auge behalten. Sonst droht ihm am Ende eine Niederlage, die er an jenem lauen Herbstabend bei dem Freundschaftsspiel in Frankfurt kassiert hat: Seine Mannschaft verlor, obwohl Henderson einige Zweikämpfe gewann, darüber aber das Toreschießen vergaß.

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