12.12.2006 · Er hat Private Equity in Deutschland groß gemacht. Dann kam die Konkurrenz. Jetzt braucht er einen Deal. Heute wird es spannend für Permira-Partner Thomas Krenz. Denn die Firma will ein Gebot für Pro Sieben Sat.1 vorlegen.
Von Gerald BraunbergerAm heutigen Dienstag wird es für Thomas Krenz spannend. Denn der Deutschland-Chef des Private-Equity-Hauses Permira wird zusammen mit seinen Partnern von der bekannten amerikanischen Firma KKR ein Gebot für den Kauf der Senderfamilie Pro Sieben Sat.1 abgeben. Es geht um eine der größten Übernahmen in Deutschland in diesem Jahr, um viel Geld - und um viel Prestige. Neben Krenz und seinem Partner KKR wollen auch der türkische Medienmogul Dogan und ein Duo aus der Investmentbank Goldman Sachs und dem Private Equity Haus Apax die Münchener Senderfamilie erwerben.
Krenz wird gebannt den Ausgang des Bieterwettbewerbs abwarten und dabei vermutlich nervös zahllose Zigarillos rauchen. Denn nach mehreren nicht sehr erfolgreichen Deals wachsen in der Frankfurter Finanzgemeinde langsam die Zweifel, ob der langjährige Großmeister des Private Equity in Deutschland nur ein kleines Tief durchschreitet.
Auf und ab
Viele, die den Permira-Mann lange kennen, halten seinen Ruf für völlig intakt und jegliches Stirnzunzeln für unangebracht. „Er ist ein echter Professional“, sagt ein Investmentbanker, der Krenz als Partner wie als Rivalen gut kennt. „Schaut man sich seine Leistungen über die vergangenen 20 Jahre an, sind die Ergebnisse nahezu unübertrefflich.“ Die Finanzbranche erlebe immer wieder Auf und Abs, und Krenz habe es verstanden, sich in nahezu jeder Situation zu bewähren. „Er hat seiner Firma seit fast 20 Jahren jede Menge Geld verdient. Was wollen Sie mehr? Der Mann ist schon verdammt gut.“
Anderswo hingegen regt sich Skepsis. „Vor zwei oder drei Jahren hätte ich ihn noch, ohne zu zögern, zu den Topleuten in Deutschland gezählt“, sagt ein erfahrener Manager aus der Fondsbranche. „Heute fallen mir mindestens fünf oder sechs Namen von Leuten ein, die erfolgreicher sind als Krenz.“ Die Kritik entzündet sich daran, daß Permira in Deutschland zuletzt im Jahre 2004 mit dem Telekom-Anbieter Debitel eine größere Akquisition getätigt hat. Seitdem kamen Krenz und sein Team trotz mehrerer Kaufangebote nicht mehr zum Zug. Freilich kann es manchmal auch ein Zeichen für gesunden Geschäftssinn sein, ein Unternehmen nicht zu kaufen, wenn die Konkurrenz Mondpreise bietet.
Ein alter Hase in der Private-Equity-Branche
Aber zu allem Überfluß gab es auch Schwierigkeiten bei Unternehmen, die Permira davor gekauft hatte wie etwa dem Autozulieferer Kiekert, der an Kreditgeber abgegeben werden mußte. Geheimhalten läßt sich das nicht: In einer so extrem wettbewerbsorientierten Branche wie Private Equity sorgt schon die liebe Konkurrenz für die Verbreitung unerfreulicher Nachrichten. Vor allem, wenn sie einen Promi wie Krenz betreffen.
Der gebürtige Braunschweiger betrieb schon Private Equity, als die Branche in Deutschland noch gar nicht so hieß und die meisten seiner heutigen Konkurrenten noch gar nicht wußten, worum es sich dabei überhaupt handelt. Krenz hatte nach seinem Studium in der Yorker Investmentbank Bankers Trust die Finanzierung von Unternehmenskäufen kennengelernt. Dort war er zu dem Schluß gekommen, daß es viel spannender ist, als Eigentümer ein Unternehmen zu kaufen und zu steuern als, wie eine Bank, bloß Kredite für den Unternehmenskauf bereitzustellen.
Schwierige Anfänge
„Am Anfang wußte keiner, wie Private Equity in Deutschland funktioniert“, erinnert sich Krenz an die späten achtziger Jahre. Finanzinvestoren, die Unternehmen in Handel und Industrie kauften, um sie mit Profit einige Jahre später wieder zu verkaufen, waren damals nahezu unbekannt. Manche Zeitgenossen argwöhnten gar, das Geld von Private-Equity-Gesellschaften könne eigentlich nur von der Mafia stammen. Als handele es sich um eine Erinnerung an den alten Außenseiterstatus, befindet sich der Frankfurter Sitz von Permira noch heute in unmittelbarer Nähe der Universität im Stadtteil Bockenheim und nicht im Finanzzentrum.
Die Anfänge waren schwierig. Anfangs war Krenz glücklich, wenn er ein kleines Unternehmen im Wert von 20 Millionen Euro kaufen konnte. Als in den 90er Jahren die Aufgeschlossenheit gegenüber Private Equity zunahm, begannen für den erstklassig vernetzten Krenz goldene Zeiten, zumal die Konkurrenz den deutschen Markt lange nicht ernst nahm.
Einer der großen Zampanos
Zudem zeigte Permira Wagemut, wie eines seiner gelungensten Geschäfte zeigt: Als das Medienreich des Leo Kirch zusammenbrach, kaufte Permira den Bezahlsender Premiere, dessen Zukunft damals höchst unsicher erschien - und gewann glänzend. Zwei Jahre später brachte Krenz Premiere an die Börse und strich einen Riesengewinn ein. Solchen Deals verdankt Krenz seinen Ruf als einer der großen Zampanos der Branche, für den hohe zweistellige Renditen auf das eingesetzte Kapital selbstverständlich sind. Nüchtern stellt er fest: „Wir waren mit unserem Deutschland-Geschäft immer in den internationalen Top Ten der erfolgreichsten Private-Equity-Gesellschaften.“ Das Betätigungsfeld von Krenz beschränkt sich zudem nicht auf Deutschland. Er mischt auch bei internationalen Deals mit.
Über seine Auftritte bei Verhandlungen gehen die Schilderungen auseinander. „Ziemlich relaxed“, nennt ihn ein Banker, der ihm zudem Nervenstärke bescheinigt: „Er hat nicht andauernd den Colt im Halfter stecken.“ Ein Konkurrent hingegen stößt sich an einer gewissen Neigung zur Selbstdarstellung. „Flashy“ (auffällig) sei Krenz. Über eines ist man sich in der Branche allerdings einig: „Krenz ist der letzte Marlboro-Man unter uns“, erzählt ein Fondsmanager. „In Verhandlungen ist er oft der einzige, der noch raucht. Aber das stört ihn nicht.“ Wobei Krenz allerdings nicht zu Zigaretten greift, sondern zu Zigarillos, und dies in beachtlicher Menge. Über dieses Laster kursieren in Frankfurt Witze des Typs: „Permira ist in Amerika nur deshalb nicht so stark wie in Europa, weil Krenz die raucherfreien Atlantikflüge nicht übersteht.“
Langfristige Heuschrecken
Wie viele Private-Equity-Manager liebt Krenz das Licht der Öffentlichkeit nicht sehr, aber er hat akzeptiert, daß sich die Zeiten ändern. Vor allem seit Franz Müntefering. „Mir war rasch klar, daß der Begriff Heuschrecke eine ähnliche Popularität erhalten würde wie Hilmar Koppers berühmtes Wort von den Peanuts“, meint der Permira-Mann. Wobei es ihn stört, wenn die Öffentlichkeit Private Equity mit einem nur kurzfristig denkenden, rücksichtslosen Kapitalismus gleichsetzt. Im Gegenteil: Private Equity sei kein kurzfristiges Geschäft, sondern eines für langfristig denkende Unternehmertypen, sagt Krenz. Permira besitzt alleine in Deutschland Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern und mehreren Milliarden Euro Umsatz.
Die Finanzkraft der Private-Equity-Branche ist immens geworden; alleine Permira hat kürzlich einen Fonds mit Anlegergeldern über 11 Milliarden Dollar aufgelegt. Zusammen mit Bankkrediten kann Permira ein Mehrfaches an Geldern für Firmenkäufe mobilisieren. Und da sich ansonsten rivalisierende Finanzinvestoren bei Bedarf auch miteinander verbünden wie jetzt Permira mit KKR für den Kauf von Pro Sieben, scheint fast jeder Deal finanziell machbar.
Ein bedeutender Deal würde Krenz guttun
Auf die Frage, ob einer der 30 führenden Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex in absehbarer Zeit von Finanzinvestoren übernommen werden könnte, nickt Krenz bestätigend. Gelegenheit sähe er genügend, wo Konzerne unter der Führung neuer Eigentümer innerhalb einer überschaubaren Zeit deutlich an Produktivität gewinnen könnten.
Ein bedeutender Deal in Deutschland könnte Krenz jedenfalls wieder einmal guttun. Bei den größeren Unternehmensverkäufen der letzten Jahre, darunter Ruhrgas Industries, Praktiker oder Dynamit Nobel, war Permira nicht dabei - und kleinere Geschäfte wie in den Pioniertagen will man nicht mehr abschließen.
Bittere Niederlage
„Krenz spürt, daß die Konkurrenz härter geworden ist“, meint ein Investmentbanker. „Früher brauchte er nur die Taschen aufzumachen, um ein Geschäft zu bekommen. Heute sind viele Private-Equity-Häuser auf dem deutschen Markt tätig, die ihre Taschen voller Geld haben.“ Zumal das Geld alleine nicht entscheidend ist. Vor wenigen Wochen bezog Krenz eine bittere Niederlage, als sein Versuch scheiterte, zusammen mit einer Tochtergesellschaft der Allianz die Kion genannte Gabelstaplersparte von Linde zu kaufen. Obgleich Permira und die Allianz angeblich das höchste Gebot abgaben, ging die Kion an Konkurrenten, nachdem die Gewerkschaften gegen eine Übernahme durch Permira/Allianz protestiert hatten.
Krenz wirkt noch heute getroffen und deutet an, seine Kritiker seien möglicherweise falsch informiert worden. Mag sein, denn die Private-Equity-Branche besteht nicht aus Chorknaben mit durchweg erstklassigem Benehmen, sondern nicht selten aus handfesten und aggressiven Managern, die in der Wahl ihrer Mittel nicht allzu wählerisch sind. Nach knapp 20 Jahren in dieser Branche ist die Frage gestattet, ob sich Krenz nicht auch eine andere Tätigkeit vorstellen kann. Er schüttelt den Kopf und verweist auf die einem Unternehmer ähnliche Tätigkeit, die er ausübt. Diese Freiheit und Gestaltungsfähigkeit könne ihm auch ein höher bezahlter Job in einer Investmentbank nicht bieten.
Gerald Braunberger Jahrgang 1960, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für den Finanzmarkt.
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