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Porträt : Der 100-Millionen-Euro-Mann

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Anshu Jain Bild: F.A.Z. - Foto Wonge Bergmann

Anshu Jain wird zuweilen nachgesagt, er sei arrogant. Der Vorwurf kommt vor allem von seinen Neidern. Und davon hat der Inder, der die Abteilung Global Markets bei der Deutschen Bank leitet, weiß Gott mehr als genug.

          Anshu Jain wird zuweilen nachgesagt, er sei arrogant. Der Vorwurf kommt vor allem von seinen Neidern. Und davon hat der Inder, der die Abteilung Global Markets bei der Deutschen Bank leitet, weiß Gott mehr als genug. Global Markets, das ist jene Abteilung, die weltweit für das Geschäft mit Zinsprodukten, Devisen, Derivaten und Rohstoffen verantwortlich ist. Arrogant ist Jain beileibe nicht. Im Gegenteil, er hat überhaupt nichts von der überheblichen Schnoddrigkeit, die manchen Investmentbanker auszeichnet.

          Jain hat gelernt, mit Anfeindungen zu leben. Kein Wunder, der Inder, der in diesem Jahr gerade einmal 41 Jahre alt wird, ist eine Legende. Global Markets die wichtigste Ertragssäule der Deutschen Bank. Allein im Handel mit Zinsprodukten hat seine Abteilung mehr als 6 Milliarden Euro Ertrag erwirtschaftet. Das sind knapp 30 Prozent der gesamten Erträge der Bank im vergangenen Jahr.

          Ohne Jains 2850 Investmenterbanker, die er an 39 Standorten rund um den Globus beschäftigt, wäre die Bank international ein Niemand. Jain herrscht damit über eine der effizientesten und größten Transaktionsmaschinen im weltweiten Kapitalmarktgeschäft. Tag für Tag laufen Regierungsanleihen im Volumen von 90 Milliarden über Jains Orderbücher und Devisenprodukte im Volumen von 260 Milliarden Euro.

          Keine andere Bank ist bei der Emissionen von Euro-Anleihen erfolgreicher: 27,7 Milliarden Euro begab die Deutsche Bank laut der Finanzagentur Thomson Financial im ersten Quartal. Damit haben Jains Leute einen Marktanteil von 8,3 Prozent geschafft und - was fast mehr zählt - besser abgeschnitten als der große Rivale Citigroup, der auf 6,8 Prozent Marktanteil kommt. Bei internationalen Anleihen, gleich in welcher Währung, hat sich Global Markets hinter die Citigroup auf Rang zwei vorgearbeitet, noch vor Morgan Stanley, Merrill Lynch, JP Morgan oder Goldman Sachs.

          Den Erfolg hart erarbeitet

          Diesen Erfolg hat sich Jain hart erarbeitet. Die Leute mögen es, die Deutsche Bank zu hassen, entgegnet er dann schon mal. Wenn schon nicht Zuneigung, so hat sich Jain in den neun Jahren, die er bei der Deutschen Bank arbeitet, Bewunderung und Respekt verschafft. 1995 verließ er mit seinem Mentor Edson Mitchell Merrill Lynch und ging zur Deutschen Bank.

          Diese Personalien markierten den vielleicht tiefsten Einschnitt in der jüngeren Geschichte von Deutschlands größtem Kreditinstitut. Es war der Abschied von einer mehr als hundertjährigen Tradition als Universalbank und die unwiderrufliche Hinwendung zum Investmentbanking angelsächsischer Prägung. Es war ein Kulturbruch, den die Bank bis heute noch nicht ganz überwunden hat.

          Damals, erinnert sich Jain, zählte die Deutsche Bank im weltweiten Zinsgeschäft wenig. Die amerikanischen Investmentbanken schienen uneinholbar vorn. In den ersten Jahren ist er um die Welt gereist, hat Investmentbanker eingestellt, bei anderen Banken abgeworben, Teams geformt. Es war harte Aufbauarbeit. Mitchells Tod bei einem Flugzeugabsturz an Weihnachten 2000 brachte eine weitere Bewährungsprobe. Viele in der Branche trauten es Jain nicht zu, den Bereich ohne die große Leitfigur des Kapitalmarktgeschäfts in der Deutschen Bank zusammenzuhalten.

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