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Porsche Wendelin Wiedeking hofft auf Daimler

21.06.2009 ·  Die Not muss groß sein beim Sportwagenbauer Porsche: Jeder, der ein bisschen Geld hat, ist als Retter recht. Jetzt richtet sich der Blick sogar auf den schwäbischen Firmennachbarn Daimler. Doch dort hat man selbst genug Probleme.

Von Georg Meck
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Die Not gebiert die kühnsten Pläne: „Daimler steigt bei Porsche ein“, meldeten zum Wochenende die Ticker. Von Gesprächen in einem fortgeschrittenen Stadium war die Rede, und das Erstaunlichste: Beide Seiten, Porsche und Daimler, haben am Samstag den „Spekulationen“ nicht rundweg widersprochen. „Jeder redet mit jedem“, ließ Daimler-Chef Zetsche karg ausrichten.

Das ist jedenfalls nicht gelogen: Porsche redet nicht nur, Vorstandschef Wendelin Wiedeking fleht geradezu um rettendes Geld. Sein Finanzvorstand Holger Härter hat bald bei jeder Bank rund um den Globus vorgesprochen. Goldman-Sachs-Chef Alexander Dibelius ist seit Monaten im Auftrag von Porsche unterwegs, um Investoren aufzustöbern. Bisher ohne verkündbaren Erfolg.

Als potentieller Porsche-Retter hat sich bisher einzig der Emir von Qatar (getrieben von einer aktiven Ehefrau) vorgestellt. Die Scheichs haben die Bücher zur eigenen Zufriedenheit geprüft, etliche Abordnungen aus dem Morgenland hat Wiedeking inzwischen durch die Fabrikhallen in Zuffenhausen geführt.

Unterschrieben ist nichts

Nur: Unterschrieben ist nichts. Obwohl die Gespräche weit fortgeschritten sind, schreckt vielleicht der potentielle Großaktionär doch noch zurück, wenn er spürt, wie unwillkommen er bei manchem im Porsche-Land ist: Ferdinand Piëch, immerhin einer der wichtigsten Eigner, mag keine fremde Mitsprache dulden und stört den Deal, so gut er kann. Die VW-Betriebsräte in Wolfsburg tun ohnhin alles, um Porsche eins auszuwischen.

Doch selbst wenn alles glatt läuft, wenn Qatar demnächst zum Abschluss kommt und die Scheichs zwei oder drei Milliarden Euro mitbringen - die Probleme Porsches sind damit nicht behoben: Der Sportwagenhersteller hat sich mit dem VW-Coup verhoben, die Schulden reichen bis unters Dach. Aus dem laufenden Geschäft sind die Zinsen kaum zu bedienen, die Lage ist prekär.

Vor diesem Hintergrund kommen die Spekulationen mit Daimler sehr gelegen, „Seht her, es gibt doch noch Interesse von Investoren“, signalisiert Porsche damit. Auch Daimler-Chef Zetsche, der gegenwärtig Tag für Tag Verluste einfährt, erhält mit dem Gerücht eine Atempause von der Krise. Zudem kann etwas Lokalpatriotismus in Stuttgart nicht schaden, und vielleicht hilft der Wink mit Porsche auch in den zähen Gesprächen mit BMW. Seit Monaten verhandeln die beiden Erzrivalen, unter dem Druck der Zahlen und gegen die Neigung der jeweiligen Techniker, um weitreichende Kooperationen, bisher, ohne einen Durchbruch zu erzielen. Warum also nicht näher an Porsche rücken?

Mit welchem Geld will Daimler den Einstieg stemmen?

Einziger Haken an diesem Szenario, welches das „Manager-Magazin“ präsentiert hat: Mit welchem Geld will Daimler den Einstieg in die Porsche Holding stemmen? In der diskutierten Kapitalerhöhung geht es immerhin um fünf Milliarden Euro. Und das Geschäft bei Mercedes läuft alles andere als prächtig. Mangels Nachfrage nach seinen Autos hat Zetsche die Kurzarbeit eben bis in den Herbst hinein verlängert, wahrscheinlich schließt der Konzern das gesamte Jahr mit einem Verlust ab.

Heilfroh sind sie in Untertürkheim, dass sie wenigstens ihren Scheich schon gefunden haben, dass Abu Dhabi mit seinem Einstieg die Liquidität fürs Erste gesichert hat. Trotzdem hat vorige Woche eine Ratingagentur die Kreditwürdigkeit Daimlers noch einmal gesenkt. Wie eng es zugeht, beweist schon die Tatsache, dass Mercedes die eigene Belegschaft anpumpen muss: 280 Millionen Euro Gewinnbeteiligung hat Zetsche fürs Erste einbehalten. Auch sonst wird gespart an allen Ecken und Enden. Dienstreisen sind zu 80 Prozent gestrichen. Wer einen neuen Computer beantragt, erhält bestenfalls einen alten. Selbst Kekse für Besucher gibt es nur noch ausnahmsweise.

Da erscheint ein Milliarden-Coup mit Porsche sehr verwegen, was Hilfe in bescheidenerem Maße nicht ausschließt, so zumindest ist in Stuttgart zu hören. Das Verhältnis der Spitzenleute wäre jedenfalls kein Hindernis: Die Beziehungen zwischen den Konzernzentralen werden als freundlich beschrieben. Unter dem Daimler-Chef Jürgen Schrempp war das Verhältnis zu Wiedeking herzlich, ebenso unter Dieter Zetsche.

In den 90-er Jahren hat Mercedes Porsches Überleben gesichert

Ein Vorbild für die schwäbische Nachbarschaftshilfe hält die Vergangenheit bereit: Anfang der neunziger Jahre hat Mercedes das Überleben Porsches gesichert, auch damals stand die Sportwagenschmiede am Abgrund, und ein junger Mann namens Wendelin Wiedeking war gerade als Produktionsvorstand angetreten. Um den Ruin abzuwenden, hat Mercedes die Porsche-Kollegen als Lohnfertiger eingesetzt – damit war deren Fabrik ausgelastet, es mussten nicht noch mehr Leute entlassen werden und vor allem: Es kam Geld in die Kasse. Den Motor für den Mercedes 500 E hat Porsche damals hergestellt, immerhin 10.000 Stück von dem Wagen haben sich verkauft.

Welche Szenarien jetzt auch zwischen Daimler und Porsche diskutiert werden, eines steht fest: Es muss schnell gehen mit Rettungsmaßnahmen. Abgesehen von den hohen Schulden, fehlen Porsche die Mittel für den laufenden Betrieb. Um diese Not zu beheben, hat Wiedeking Staatshilfe beantragt, genauer gesagt: einen Kredit über 1,75 Milliarden Euro von der KfW. Den lehnt die Staatsbank offenbar ab, mit der Begründung, dass Porsche die Voraussetzungen für die Vergabe eines Darlehens derzeit nicht erfülle - was die Herrschaften in Zuffenhausen empört. „Sachlich gibt es keinen Grund, uns den Kredit zu verweigern“, kritisiert Finanzvorstand Holger Härter.

Nur, was heißt schon sachlich? „Luxus verträgt sich nicht mit Stütze“: Diesen Spruch Wiedekings aus besseren Tagen hauen sie den Porsche-Leuten in Berlin mit Wollust um die Ohren, und sie haben eifrig mit Politikern in die Hauptstadt gesprochen, selbst Wolfgang Porsche als Clan-Oberhaupt und Aufsichtsratsvorsitzender war sich dafür nicht zu schade. Erst am Freitag hat Wiedeking noch mal Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) besucht, offenbar ohne das Blatt zu wenden. Wenn sie in Zuffenhausen ehrlich sind, dann gestehen sie sich nun ein, dass es ein Fehler war, überhaupt den Kreditantrag gestellt zu haben. Wiedeking wurde so zum Gespött der Republik: Ausgerechnet der Spitzenverdiener unter Europas Managern als Bittsteller des Staates. Ein Witz, ein Skandal.

23 Milliarden Euro kostete die Hälfte von VW

Wenn Porsche sich mit Volkswagen übernommen hat, könne Wiedeking doch zuerst VW-Aktien verkaufen, hat Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geraten - in Zuffenhausen klingt das wie die Aufforderung zum Selbstmord. Denn wenn irgendwas den Laden zerreißt, dann ein Kursrutsch der VW-Aktie, und genau das würde passieren, sollte Porsche ein Paket abstoßen. Die Lage wäre dann unkontrollierbar, es ginge um die Existenz.

23 Milliarden Euro hat Porsche für gut 50 Prozent der VW-Anteile ausgegeben. Auf weitere 24 Prozent hat Wiedeking über Optionen Zugriff. Genau das ist sein Problem: Wer nimmt ihm dieses Paket ab? Dass Porsche die Aktien selbst erwirbt, ist undenkbar - dazu fehlen etliche Milliarden. So verlängern und verlängern sie das undurchschaubare Konstrukt (was jedes Mal Geld kostet), nur um zu verhindern, dass die Banken die reservierten VW-Papiere auf den Markt werfen. Der VW-Kurs würde in diesem Worst-case-Szenario in sich zusammenbrechen, Porsche flöge das Ganze um die Ohren. Ewig lässt sich die Fälligkeit der Optionen freilich nicht hinausschieben, irgendwann kommt der Tag der Wahrheit, räumen selbst Porsche-Leute ein: Bis dahin müssen die Finanzen geordnet sein. Mit Scheich, Daimler oder mit einem anderen.

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Jahrgang 1967, stellvertretender Ressortleiter Wirtschaft.

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