05.09.2008 · Es geht um den Kopf von Wendelin Wiedeking: Vor der VW-Aufsichtsratssitzung kommende Woche rasseln die Säbel. Der Betriebsrat plant eine Großdemo, Piëch lässt ihn gewähren. Viele Analysten halten einiges von Wiedeking und hoffen, dass Piëch nur zündelt - und weiß, wann er aufhören muss.
Von Susanne PreußEs ist eine ganz gewöhnliche Aufsichtsratssitzung bei VW am nächsten Freitag, kein wirklicher Aufreger auf der Tagesordnung. Aber der Tag könnte zum Showdown werden. Wenn es gut läuft für den VW-Betriebsratsvorsitzenden Bernd Osterloh, versammeln sich an diesem Vormittag vor dem VW-Hochhaus in Wolfsburg 40.000 Arbeiter und demonstrieren für das VW-Gesetz - und damit indirekt gegen den neuen Großaktionär Porsche, der das VW-Gesetz für überflüssig hält.
Wenn Osterloh Pech hat, kommt nur ein Bruchteil der Belegschaft. Dann wird drinnen, in der Sitzung, das Grinsen im Gesicht des Porsche-Vorstandsvorsitzenden und VW-Aufsichtsrats Wendelin Wiedeking immer breiter werden: wieder einen Angriff überstanden.
Echte Intrigenspiele statt kleiner Nadelstiche
Über das Stadium der Nadelstiche sind die inzwischen weit hinaus. Als Dilettanten und Neureiche bezeichnete Osterloh die Porsche-Spitze schon öffentlich, und Spekulationen über Wiedekings Ablösung werden in Stuttgart auch eindeutig dem Intrigenspiel aus der Wolfsburger Betriebsrats- und IG-Metall-Ecke zugeordnet. „Wir rechnen damit, dass sich bis zur Mehrheitsübernahme die Angriffe auf uns verstärken, auch die unterirdischen“, heißt es von Porsche: „Wir sind darauf gefasst und lassen uns dadurch nicht beirren.“
Osterloh fordert den Kopf Wiedekings. Der Porsche-Manager, der im vergangenen Jahr rund 60 Millionen Euro verdient hat, ist gegenüber der VW-Belegschaft zum Feinbild stilisiert worden, ein Inbegriff des Gewinnmaximierers. Das könnte ihn ganz entspannt lassen, müsste er nicht auch Ferdinand Piëch zum Kreis seiner Feinde rechnen, der Wiedeking den Ruhm nicht gönnt. Da reicht es schon, dass Piëch den VW-Betriebsrat gewähren lässt - obwohl er als VW-Aufsichtsratsvorsitzender auch die Rolle des Vermittlers spielen könnte.
Offiziell steht Piëch sogar hinter Wiedeking, schließlich hat er alle Beschlüsse mitgetragen (einschließlich der Berufung Wiedekings bis 2012). Und sein Cousin Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender von Porsche, versucht auch immer wieder, Piëch auf die gemeinsamen Ziele einzuschwören. Dabei geht es weniger um gesellschaftliche Verantwortung, sondern um Geld. Der Kurs der Porsche-Aktie bräche sofort ein, wenn Wiedeking ginge, zumal dann wohl auch der Finanzvorstand Holger Härter seinen Hut nähme. Das Familienunternehmen wäre ohne diese Doppelspitze längst nicht mehr so viel wert, das ist einhellige Meinung unter Analysten. „Ich fände es katastrophal, wenn Wiedeking ginge“, sagt beispielsweise Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Schon deshalb hofft man in Stuttgart, dass Piëch nur zündelt und genau weiß, wann er aufhören muss.
„Das gibt dann eben Lohnabzug“
Ganz materielle Aspekte könnten Porsche auch in anderer Weise in die Hand spielen. Die Großdemonstration, zu der die IG Metall Niedersachsen aufgerufen hat, wird von der Gewerkschaft nicht bezahlt, wie das etwa bei einem regulären Streik der Fall wäre. „Das gibt dann eben Lohnabzug“, heißt es vom VW-Betriebsrat dazu: „Hier geht es um originäre Interessen der VW-Arbeitnehmer.“ Bei Porsche, wo man mit streiklustigen Belegschaften durchaus Erfahrung hat, reibt man sich darüber heimlich schon die Hände und spottet: „Erklären Sie doch mal einem VW-Arbeiter, er soll dafür demonstrieren, dass die Sperrminorität bei 20 Prozent bleibt.“
Unter unbeteiligten Beobachtern breitet sich dagegen allmählich Entsetzen darüber aus, wie lange und intensiv sich VW-Betriebsrat und IG Metall gegen den neuen Großaktionär wehren. Arndt Ellinghorst, Analyst von Crédit Suisse, hat seine eigene Ansicht, wie das Kräftemessen letztlich ausgeht: „Finanziell übernimmt Porsche VW, operativ wird VW Porsche übernehmen.“
Beschränktheit von Gewerkschaften
Kurt Schröder (Giubar)
- 05.09.2008, 11:51 Uhr
Wildgewordene Fanatisten
Sascha Schünemann (SashS)
- 05.09.2008, 11:52 Uhr
VW-Übernahme durch Porsche
Christian Elvers (cemotion)
- 05.09.2008, 12:09 Uhr
@Elvers
Sven Michaelsen (Der_kleine_Amrumer)
- 05.09.2008, 13:18 Uhr
Wildgeworene Gewerkschafts- und Betriesratsphantasien
Wilhelm Rggrt (Wilhelm29)
- 05.09.2008, 13:47 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.366,61 | −1,98% |
| Dow Jones | 12.422,10 | −1,26% |
| EUR/USD | 1,2400 | −0,71% |
| Rohöl Brent Crude | 103,36 $ | −3,27% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
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