http://www.faz.net/-gqe-90isv

F.A.Z. exklusiv : Porsche prüft schnelles Aus für den Diesel

Künftig ohne Diesel-Antriebe? Montage des Cayenne im Leipziger Porsche Werk Bild: dapd

Porsche zieht möglicherweise Lehren aus dem Diesel-Skandal: Schon für sein neues Cayenne-Modell stellt der Hersteller den Selbstzünder in Frage. Was bedeutet das für das Unternehmen?

          Die Verantwortlichen des Sportwagen-Herstellers Porsche prüfen derzeit, ob eine schnelle Abkehr vom Dieselantrieb möglich ist. Wenn das neue Modell des Geländewagens Cayenne Anfang September auf der Frankfurter Automesse IAA gezeigt wird, könnte schon klar sein: Ein Diesel-Modell wird es vom neuen Cayenne nicht geben. Das jedenfalls ist der Plan, der in der Porsche-Zentrale Stuttgart-Zuffenhausen momentan diskutiert und für wahrscheinlich befunden wird.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Während der Großteil der Belegschaft derzeit in den Betriebsferien weilt, wird in der Chefetage gerechnet und geschätzt, werden Szenarien entworfen und zerredet. Ein sanfter Ausstieg ist eine Alternative: Demnach käme der Cayenne noch mit dem für nächstes Jahr eigentlich geplanten Dieselmotor, es wäre aber der letzte. Doch selbst die radikalste Variante wurde schon durchkalkuliert, der Verkaufsstopp auch für vorhandene Diesel-Modelle.

          Der Diesel - Aufstieg und Fall einer deutschen Erfindung.

          „In Bezug auf den Diesel spielen wir verschiedene Szenarien durch“, bestätigt ein Porsche-Sprecher gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, fügt jedoch hinzu: „Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.“

          Eine Hauruck-Aktion stieße vor allem in der Verkaufsmannschaft auf erheblichen Widerstand: Die Einschnitte könnten derb ausfallen. Das Problem ist nämlich viel größer, als die Zahlen auf den ersten Blick vermuten lassen. Zwar lag der Dieselanteil am gesamten Porsche-Absatz im ersten Halbjahr lediglich noch bei 14 Prozent, im Vorjahr waren es noch 17 Prozent. In den zwei größten Absatzmärkten, in China und Nordamerika, wird überhaupt kein Porsche mit Dieselmotor verkauft; im Heimatmarkt Deutschland erreicht der Dieselanteil immerhin 32 Prozent.

          „Verkauft sich richtig super“

          Während die reinrassigen Sportwagen nicht als Dieselvariante verkauft werden, liegt der Anteil aber bei sportlichen Geländewagen (SUV) besonders hoch. Vom Cayenne hatten in Deutschland fast 82 Prozent der Neuwagen im ersten Halbjahr einen Dieselmotor. Der hohe Prozentsatz hänge vor allem mit dem sehr hohen Anteil der Flotten- und der Dienstwagen-Kunden unter Cayenne-Fahrern zusammen, heißt es bei Porsche. Dort werde vielfach peinlich genau auf den Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid geachtet. Daher ist es unwahrscheinlich, dass man bisherigen Dieselkunden problemlos eine Variante mit Otto-Motor verkaufen kann. Was die Kohlendioxidemissionen angeht, gelten Dieselmotoren als sparsamer als vergleichbare Benzinantriebe.

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS
          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. jetzt auch im Web, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken. Hier geht’s zum Test.

          Mehr erfahren

          Den Befürwortern eines langsamen Ausstiegs halten die Optimisten im Unternehmen entgegen, dass Porsche viele Pfeile im Köcher habe. „Wir trauen uns zu, das zu kompensieren“, lautet die Ansage unter den Verfechtern des schnellen Ausstiegs. Die schnelle Lösung wäre der Hybrid. Die Kombination aus Verbrenner und Elektromotor soll künftig nicht mehr als vernünftiges Substitut daher kommen, wie derzeit beim Cayenne, sondern als Krönung einer Baureihe. Das Rezept wird schon beim Modell Panamera erprobt; dessen 680-PS-Hybrid „verkauft sich richtig super“, heißt es in Unternehmenskreisen.

          Und Audi?

          Die offizielle Variante dieser Erfolgsgeschichte ist kaum zurückhaltender: „Der nächste Cayenne wird ebenfalls einen neuen Plug-in-Hybrid im Angebot haben und einen weiteren Beweis dafür liefern, wie wir Elektrifizierung weiterentwickeln.“ Der Ersatz der Diesel-Variante durch Hybrid-Modelle wäre eine Genugtuung für die stolzen Entwickler von Porsche.

          Der Diesel-Motor war ohnehin nicht ihr Produkt, sondern wurde seit 2009 von Audi zugekauft. Und er hat Porsche den Diesel-Skandal ins Haus geliefert, so die Wahrnehmung in der Belegschaft. Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sprach in einem Interview von „kranken Motoren“ und einem „Krebsgeschwür“.

          Wichtiger als solche Emotionen wiegt für die Porsche-Planer die Tatsache, dass die Zusammenarbeit schwierig geworden ist, auch mangels Personal. „Viele Entwickler sind schon weg und die anderen überlegen sich, ob sie da noch richtig sind“, spitzt ein Porsche-Mitarbeiter seine Beobachtungen zu. „Die Auswirkungen sind jetzt schon zu spüren.“ Der Zeitplan für den nächsten Cayenne Diesel könnte schon deshalb in Gefahr sein.

          Aber: So groß die Entrüstung über Audi ist, so wenig kann Porsche über die eigene Produktpalette frei entscheiden. Schon früher, als Audi lediglich eine Art Zulieferer für Porsche war, musste man sich den Produktplanungen der Kollegen aus Ingolstadt fügen, und seit der Sportwagenhersteller ganz in den VW-Konzern integriert wurde, gilt das erst recht. Einem Argument würde man sich indes auch in der Konzernspitze beugen: einer guten Rendite. Seit Jahren ist Porsche ein wichtiger Gewinnbringer für den Wolfsburger Konzern. Im vergangenen Jahr machte das Porsche-Ergebnis vor Zinsen und Steuern in Höhe von 3,9 Milliarden Euro mehr als die Hälfte des Volkswagen-Ergebnisses aus. Porsche musste dafür lediglich 238.000 Autos verkaufen.

          Eine Umsatzrendite von mindestens 15 Prozent hat Porsche-Chef Oliver Blume der Führungsmannschaft auch für die Zukunft ins Stammbuch geschrieben – selbst wenn die Vorleistungen für das Elektro-Zeitalter die Budgets strapazieren. Damit das klappt, soll das Elektroauto Mission E, ein Viersitzer mit einem Einstiegspreis von rund 100000 Euro, von vornherein in großen Stückzahlen produziert werden. Die Produktionskapazitäten, die in Stuttgart derzeit aufgebaut werden, sind auf einige zigtausend Autos im Jahr ausgelegt. Zum Vergleich: Vom Sportwagen-Klassiker 911 wurden zuletzt rund 32.000 Stück im Jahr verkauft, das bestverkaufte Porsche-Modell, der kleine Geländewagen Macan, kam auf 96.000 Stück.

          Luftverschmutzung : Fahrverbote nach Diesel-Gipfel nicht vom Tisch

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Alwine wechselt den Besitzer Video-Seite öffnen

          Ein Dorf unterm Hammer : Alwine wechselt den Besitzer

          Von den Fassaden bröckelt der Putz, durch die Dächer regnet es herein: Die Siedlung Alwine im Südwesten Brandenburgs hat schon bessere Tage gesehen. Jetzt wurde das Dorf, das ein Brüderpaar einst für eine symbolische D-Mark erstand, bei einer Auktion in Berlin von einem anonymen Bieter aus Berlin ersteigert. Endpreis: 140.000 Euro. Die Bewohner fühlen sich verkauft.

          Für Otto Normalheizer Video-Seite öffnen

          Ski im Vergleichstest : Für Otto Normalheizer

          Früher Morgen, knirschend frische Piste: Da jodelt der Racecarver. Das ist Supersport unterhalb des Materials für den Rennsport. Ein Blick auf einige neue Modelle.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Antisemitismus in Europa : Trump ist nicht schuld am Hass auf die Juden

          Die antijüdischen Vorfälle in Berlin und anderen europäischen Städten haben nichts mit Donald Trumps Entscheidung zu tun, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Die wirklichen Ursachen für den europäischen Antisemitismus liegen viel tiefer. Ein Gastbeitrag.

          Staats-Doping in Russland : Die Lunte im Fußball brennt

          Was bedeutet das russische Staats-Doping für die Fußball-WM? Der Fußball-Weltverband schweigt beharrlich. Nun aber könnte ein brisanter Datensatz das Bollwerk der Fifa sprengen.

          Europas Finanzzentrum : Wie Londons Banken den Schmalspur-Brexit planen

          Die Manager in Europas größtem Finanzzentrum fürchten zwar den EU-Austritt Großbritanniens, doch die Folgen für die Banken in London bleiben vorerst überschaubar. Fällt der „Brexodus“ gar gänzlich aus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.