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Porsche-Finanzvorstand „Wir sind keine Zocker“

Der Sportwagenhersteller Porsche wehrt sich mit scharfen Worten gegen Kritik von Banken an seinen Geschäften mit VW-Aktien. Porsche-Finanzvorstand Holger Härter über Milliardengewinne, Verluste der anderen und sein Millionensalär - ein Interview.

© Wonge Bergmann Vergrößern „Ich bin gelernter Volkswirt und kein Banker”

Porsche-Finanzvorstand Holger Härter über Milliardengewinne mit VW-Aktien, die Verluste der anderen und sein Millionensalär.

Herr Härter, wann sperrt der Hedge-Fonds Porsche seine Blechfabrik zu?

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Malen Sie doch nicht mit an diesem irreführenden Bild: Wir sind kein Hedge-Fonds, keine Zocker, keine Spekulanten. Unser Kerngeschäft ist und bleibt das Automobil.

Nur spielen die Autos für den monetären Erfolg kaum eine Rolle. Das Geld verdienen Sie an der Börse: 6,8 Milliarden Euro allein im vorigen Jahr mit Wetten auf die VW-Aktie. Was unterscheidet Sie von gewöhnlichen Hedge-Fonds?

Im Gegensatz zu Hedge-Fonds sind die Kurssicherungsgeschäfte an der Börse für uns kein Selbstzweck, sondern dienen einer höheren industriellen Logik: Wir wollen VW übernehmen und zusammen mit uns in eine unangreifbare Spitzenposition in der Welt führen. Darum geht’s. Wir sind nicht angetreten, die Hedge-Fonds der Welt zu schlagen. Das ist Quatsch.

Aber Sie nutzen deren Logik für Ihren VW-Coup.

Die Instrumente, die wir einsetzen, sind keine Hexerei: Wir sichern uns für VW ab, wie wir das für Währungen seit Jahren eingeübt haben. So werden Risiken kalkulierbar. Steigende Kurse hätten das Vorhaben sonst womöglich vereitelt. Als wir bei Volkswagen 2005 eingestiegen sind, haben wir den sehr niedrigen Kurs genutzt. Damals haben wir diverse Szenarien durchgespielt: Bis zu welchem Kurs können wir das Vorhaben finanzieren? Was passiert, wenn sich die Aktie in diese oder in die andere Richtung bewegt? Die günstigste Konstellation aus unserer Sicht wäre gewesen, wenn der Kurs auf dem Anfangsniveau geblieben wäre.

Warum das? Dank der steigenden VW-Aktie haben Sie Milliarden eingestrichen.

Ein Kursniveau wie vor drei Jahren hätte unsere Liquidität geschont. Wir hätten weniger Steuern zahlen müssen – und die ganze Sache wäre mit weit weniger Aufregung gelaufen.

So haben Sie fabelhafte Gewinne eingefahren und es selbst zum bestverdienenden Banker Deutschlands gebracht, Glückwunsch!

Danke, aber ich bin gelernter Volkswirt und kein Banker. Mein Aufgabenbereich als Porsche-Finanzvorstand ist deutlich breiter. Ich habe bei Porsche auch die Verantwortung für den Einkauf und das Informationsmanagement.

In jedem Fall verdienen Sie mehr als Josef Ackermann. 143 Millionen Euro teilen sich die sechs Herren im Porsche-Vorstand. 80 Millionen bekommt angeblich Wendelin Wiedeking, Sie werden auf 40 Millionen geschätzt.

Sie liegen definitiv falsch. Ich verdiene gut, aber Ihre Schätzung ist weit übertrieben. Zu meinem Gehalt äußere ich mich konkret nicht. Da halte ich es wie Wendelin Wiedeking: Mein Gehalt kennt der Aufsichtsrat, das Finanzamt und meine Frau. Das muss genügen.

Im Nachhinein wirkt Ihre VW-Wette nicht sonderlich gewagt: Sie setzen auf steigende Kurse im Wissen, dass die Übernahme die Aktie nach oben treibt.

Noch einmal: Es war keine Wette, sondern die Absicherung eines VW-Kurses, bei dem aus Porsche-Sicht der Einstieg wirtschaftlich vertretbar war und finanzierbar ist.

Können Sie in zwei Sätzen erklären, wie man Europas größten Autokonzern übernimmt und damit auch noch reich wird?

Wir sind nicht reicher geworden, als wir kalkuliert hatten. Sie dürfen die ausgewiesenen Gewinne aus unseren Kurssicherungsgeschäften nicht losgelöst vom Erwerb der VW-Aktien sehen: Wir haben cash-gesettelte Optionen abgeschlossen, um die VW-Aktien zu kalkulierten Anfangskursen kaufen zu können. Dazu haben wir einen Basiskurs vereinbart. Liegt der VW-Kurs am Fälligkeitstag höher, bekommen wir einen Barausgleich vom Gegenüber. Ist er niedriger, zahlen wir.

Wann werden die Optionen fällig?

Da gibt es keinen fixen Stichtag. Unsere Kurssicherungsoptionen verlängern sich automatisch, bis wir entscheiden, sie aufzulösen.

Und welchen Kaufkurs haben Sie sich gesichert?

Das bleibt unser Geheimnis.

Könnten Sie nach dem Muster auch andere unterbewertete Dax-Konzerne übernehmen?

Theoretisch ja, aber eine industrielle Logik wäre Voraussetzung.

Und praktisch? Daimler ist günstig. Schlagen Sie wieder zu?

Ganz sicher nicht. Unser Ziel war es, VW zu übernehmen, nicht Gewinne mit Aktien einzufahren.

Tun Ihnen die Investoren leid, die Milliarden mit VW-Aktien verzockt haben? Haben Sie Mitleid mit jemandem wie Herrn Merckle, dessen Imperium deswegen wankt?

Wir sind nicht schadenfroh, wenn Sie das meinen. Uns auf Kosten Dritter zu bereichern war nicht unser Beweggrund.

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