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Porsche Der 143,5-Millionen-Euro-Vorstand

26.11.2008 ·  Porsche will weitere VW-Aktien erst kaufen, wenn die Kurse wieder fallen. Am Einstieg bei VW hält der Vorstand aber fest. Kein Wunder: Das Vorhaben hat Porsche schon zu einem Milliardengewinn verholfen - und den Managern zu Rekordvergütungen. Ein Porträt über Wiedeking und Kollegen.

Von Susanne Preuß
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Falls Neiddebatten neue Nahrung brauchen, findet sie sich im Geschäftsbericht von Porsche, Seite 194. Dort steht, was der Vorstand im Geschäftsjahr 2007/2008 verdient hat. Und es lohnt sich, genau hinzusehen: 143,5 Millionen Euro sind es. Das ist mehr, als mancher Zulieferer von Porsche in einem ganzen Jahr an Umsatz erwirtschaftet. Und es ist auch ziemlich viel, wenn man die Zahl auf die von Porsche hergestellten Produkte bezieht. 98.652 Autos hat der Stuttgarter Sportwagenbauer im vergangenen Jahr verkauft. In jedem einzelnen der schicken Flitzer könnte also ein Aufkleber die Botschaft verkünden: „Mit diesem Auto haben Sie einen Beitrag von 1455,94 Euro zum Gehalt unseres Vorstands geleistet.“

Ungefähr die Hälfte der Gehaltssumme fließt auf das Konto von Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking, oder genauer auf das seiner Frau, wie er verschmitzt berichtet, als er in der Bilanzpressekonferenz nach seinem Gehalt gefragt wird. Außer seiner Gattin und dem Aufsichtsrat brauche niemand die genaue Höhe seines Gehalts zu erfahren, lautet Wiedekings Argument nämlich. Stimmen frühere Medienberichte, wonach Wiedeking für sich einen Anteil von 0,9 Prozent am Vorsteuerergebnis von Porsche herausgehandelt hat, dann bekommt er für das zurückliegende Jahr 77,7 Millionen Euro. Das ist 15 Mal so viel, wie VW-Chef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr verdient hat. Angenommen Wiedeking würde 70 Stunden pro Woche arbeiten, also beinahe doppelt so viel wie die Arbeiter am Band, und er würde gar nie Urlaub machen, käme man auf einen Stundensatz von 21.346 Euro.

„Wir fühlen uns ordentlich behandelt“

Von solchen Zahlenspielen hält man im Porsche-Vorstand verständlicherweise gar nichts. „Wir fühlen uns ordentlich behandelt“, sagte Wiedeking trocken auf Fragen nach Details und blickt, Zustimmung erheischend, zu Finanzvorstand Holger Härter, der neben ihm sitzt und nicht minder zufrieden aussieht. Die beiden sind zum Traumduo der weltweiten Automobilindustrie geworden, seit sie bewiesen haben, dass ein kleiner Nischenanbieter es schaffen kann, zum beherrschenden Aktionär von Europas größtem Autohersteller zu werden. „Frechheit siegt“, sagen manche inzwischen abschätzig über dieses Team.

Es sind nicht wenige, denen die Finanzakrobatik made in Zuffenhausen nicht geheuer ist, und viele haben sich auch die Finger verbrannt, weil sie das Spiel mitspielen wollten, von dem sie die Regeln aber nicht kannten. Adolf Merckle, der Pharma- und Zementunternehmer aus dem schwäbischen Blaubeuren, der durch die Spekulation mit VW-Optionen das Herzstück seiner Firmengruppe in Gefahr gebracht hat, ist das prominenteste Opfer bisher. Die meisten anderen schweigen, bisher jedenfalls.

An Fans von Wiedeking und Härter fehlt es aber auch nicht. So groß ist die Bewunderung, dass manche sich wünschten, die beiden würden eines Tages ihren Job bei Porsche aufgeben und zu einem anderen Autohersteller wechseln – ans andere Ende von Stuttgart zum Beispiel, wo die Krise den Daimler-Managern immer mehr Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Wiedeking und Härter, die noch vor wenigen Jahren von manchen Großen der Branche kaum ernst genommen wurden, traut man mittlerweile fast alles zu. Wer genau hinschaut, erkennt nämlich durchaus, dass die Porsche-Vorstände nicht nur als Finanzjongleure reüssieren. Auch das operative Geschäft steht glänzend da, bringt noch zweistellige Renditen und hält damit den Branchenrekord. Selbst auf die massive Absatzkrise ist Porsche besser vorbereitet als viele Konkurrenten, weil die Flexibilität in der Produktion größer ist.

Deutsch, männlich, zwischen 47 und 56 - homogen

Vieles davon geht auf das Konto von Wendelin Wiedeking, der 1992 an die Porsche-Spitze rückte, als bei dem Sportwagenbauer die Pleite schon zum Greifen nahe schien. Während ihm schon die bloße Besichtigung einer Fabrik ausreicht, um Sparpotentiale in der Produktion zu erkennen, sagt er über seinen Vorstandskollegen Holger Härter, jener brauche das Blech gar nicht zum Geldverdienen. Im Vorstand der Porsche Automobil Holding SE, unter deren Dach auch die VW-Beteiligung angesiedelt ist, sind Wiedeking und Härter bisher allein.

Wie sich in dieses symbiotisch funktionierende Team weitere Vorstände – beispielsweise VW-Chef Martin Winterkorn – eingliedern sollen, wird spannend zu beobachten sein. Nachhilfe könnten die Kandidaten bei den Vorständen der Tochtergesellschaft Dr. Ing. h. c. F. Porsche AG nehmen, der Vorläufergesellschaft der Porsche Holding SE. Die längste Erfahrung hat Michael Macht, der seit 1990 bei Porsche arbeitet und seit 1998 Produktionsvorstand ist. Seit 1999 ist Wolfgang Dürheimer an Bord, der seit 2001 die Forschung und Entwicklung im Vorstand verantwortet. Dürheimer war zuvor bei BMW gewesen, und von dort wurde auch Klaus Berning abgeworben, der 2006 als Vertriebsvorstand zu Porsche kam. Erst seit dem vergangenen Jahr dabei ist Personalvorstand Thomas Edig, der allerdings Porsche jahrelang aus allernächster Nähe beobachten konnte, während er Karriere beim benachbarten Kommunikationsausrüster Alcatel SEL machte, der seinen Stammsitz direkt neben Porsche hat.

Der Porsche-Vorstand ist äußerst homogen: deutsch, männlich, zwischen 47 und 56 Jahre alt, vier Ingenieure zwei Wirtschaftswissenschaftler. Was sie verdienen, ist übrigens auch nicht bekannt. Ein kleiner Teil der 143,5 Millionen Euro ist auch auf ihren Konten gelandet, denn in den ersten dreieinhalb Monate des Geschäftsjahres 2007/2008 gab es die Porsche Holding SE noch gar nicht, und daher gab es nur ein Vorstandsgremium bei Porsche. Sicher ist: auch sie profitieren kräftig von den Sondererträgen. Wenn solche Sondererträge nächstes Jahr ausbleiben, ist Gürtel-Enger-Schnallen angesagt – denn das Grundgehalt des gesamten Vorstands wird mit nur 4 Millionen Euro angegeben.

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Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

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