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Plus-Übernahme in Gefahr Kartellamt will Plus-Übernahme untersagen

07.04.2008 ·  Droht eine überragende Marktstellung bei den Supermärkten? Das Bundeskartellamt fürchtet dies und will den Zusammenschluss von Edeka und Plus untersagen. Denn schon heute habe Edeka im deutschen Lebensmitteleinzelhandel einen Marktanteil von 25 Prozent.

Von Georg Giersberg, Helmut Bünder und Johannes Ritter
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Das Bundeskartellamt beabsichtigt, die Übernahme der Discountkette Plus (2900 Filialen, 7 Milliarden Euro Umsatz) durch Edeka zu untersagen. Edeka würde nach dieser Übernahme auf den meisten der 100 regionalen deutschen Teilmärkte eine marktbeherrschende Stellung mit erheblichen Abständen zu den nachfolgenden Wettbewerbern einnehmen, argumentiert die Behörde. Schon heute habe Edeka im deutschen Lebensmitteleinzelhandel einen Marktanteil von 25 Prozent. Die Übernahme würde die bereits bestehende hohe Konzentration auf wenige Anbieter noch fördern.

Auf die sechs größten Lebensmittelanbieter entfallen heute nach Kartellamtsberechnungen bereits 90 Prozent des gesamten deutschen Lebensmittelumsatzes im Einzelhandel. Die 100 weiteren Anbieter müssen sich danach die verbleibenden 10 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels teilen. Diese hohe Konzentration hat nach Ansicht der Kartellwächter auch für die Hersteller den großen Nachteil, von immer weniger Händlern abhängig zu sein. Das Kartellamt hat in seiner mehr als 100 Seiten umfassenden Ausarbeitung wie selten zuvor gerade auch auf die Beschaffungsseite abgestellt. „Der Zusammenschluss würde die heute ohnehin schon bestehende hohe Marktkonzentration bei der Warenbeschaffung verschärfen und zu noch größeren Abhängigkeiten der Lieferanten führen“, schreiben die Kartellwächter in einer offiziellen Stellungnahme.

Mehr als 11 Milliarden Euro Umsatz

Die beanstandete Transaktion sieht vor, dass Plus und die zu Edeka gehörende Netto-Gruppe in ein neues Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden. An dieser Gesellschaft sind Edeka mit 70 Prozent und Tengelmann mit 30 Prozent beteiligt. Das Unternehmen erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als 11 Milliarden Euro, davon stammen rund 7 Milliarden Euro von den 2900 Filialen von Plus und rund 4,1 Milliarden Euro von den 1300 Netto-Märkten. Damit rückt Edeka zur klaren Nummer drei in der hart umkämpften Discountbranche auf und verweist die Penny-Märkte von Rewe auf Platz vier. Edeka sei schon heute wie kaum ein anderes Unternehmen in der Lage, Kunden sowohl im Vollsortiment (Supermarkt) als auch im ebenfalls industriemarkenorientierten „Soft-Discount“ (im Gegensatz zum eigenmarkenorientierten Harddiscount wie Aldi) anzusprechen und so seine Marktstärke bei Markenprodukten voll auszuspielen.

Spekulationen, dass das Kartellamt vor einem Wechsel an der Spitze der verantwortlichen Beschlussabteilung wohlwollender beurteilt und entsprechende Hinweise gegeben habe, wies eine Sprecherin zurück. Der frühere Leiter der Beschlussabteilung sei schon am 1. Dezember in den Ruhestand gegangen, die Fusion aber erst kurz nach Weihnachten angemeldet worden. Die Entscheidung folge einer objektiven Marktanalyse, sagte die Sprecherin.

„Wir können uns Auflagen vorstellen“

Zugeschlagen ist die Tür noch nicht. Bis zum 17. April haben Edeka und Tengelmann Zeit für Zugeständnisse, in erster Linie die Abtrennung eines Teils der Filialen, um doch noch eine Genehmigung zu bekommen. Edeka und Tengelmann wollen versuchen, die Bedenken des Kartellamts auszuräumen. Um eine Freigabe zu bekommen, müssen die Lebensmittelhändler aber offenbar deutlich größere Zugeständnisse machen als ursprünglich erwartet. Schon im Februar hatte Edeka-Vorstandschef Alfons Frenk auf die damals schon erkennbaren kartellrechtlichen Hürden verwiesen und erklärt: „Wir können uns Auflagen vorstellen.“ War Edeka bei der Unterzeichnung der Übernahme im November 2007 noch davon ausgegangen, etwa 250 Plus-Filialen nicht übernehmen zu dürfen, war diese Zahl in den vergangenen Wochen schon auf etwa 400 gestiegen. Frenk selbst gab zu, dass die Gruppe durch den Kauf von Plus in einzelnen Regionen - er sprach von Minden, Sachsen-Anhalt und Thüringen - besonders stark vertreten sein würde.

Dass Edeka und Plus die Wettbewerbshürden niedriger eingeschätzt hatten, liegt möglicherweise auch daran, dass das Kartellamt die relevanten Märkte anders als erwartet abgegrenzt hat. Das Kartellamt hebt vor allem auf die Softdiscounter Penny, Norma und Lidl ab. Bei dieser Betrachtungsweise findet insbesondere Aldi wenig Berücksichtigung. Sollte die Übernahme am Ende scheitern, werden darüber nicht alle im Edeka-Reich unglücklich sein. Denn in dieser genossenschaftlich strukturierten, überaus heterogenen Gruppe gibt es einige, die dem kostspieligen Ausbau des Discounter-Geschäfts wenig abgewinnen können.

Mit Genugtuung hat der Deutsche Bauernverband (DBV) die Vetodrohung des Kartellamtes zur Kenntnis genommen. „Es ist Zeit, dass die Wettbewerbshüter der wachsenden Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels einen Riegel vorschieben“, sagte ein DBV-Sprecher dieser Zeitung. In den Verhandlungen über die Preise für Molkereiprodukte bekämen die Bauern die Dominanz der großen Ketten gerade wieder hautnah zu spüren.

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