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Baden-Württemberg : Ein deutscher Hotspot der künstlichen Intelligenz entsteht

Schwäbische Schönheit: Kreation des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme. Bild: Wolfram Scheible

Künstliche Intelligenz bringt einiges durcheinander. Baden-Württemberg legt vor und erregt Aufmerksamkeit in aller Welt. Mit dabei sind nicht nur Autokonzerne und Facebook.

          Wer Roboter entzaubern will, der braucht nur ein rohes Ei. „Wie viele Bewegungsmöglichkeiten hat die Hand, die dieses Ei hält“, gibt Kai Arras zu bedenken und bewegt seine Fingergelenke in alle möglichen Richtungen: „Und nur mit einiger Übung weiß man, wie viel Kraft man aufwenden muss, um das Ei aufzuschlagen, ohne es zu zerstören.“ Für einen Forscher wie Arras ist das keine Aussage über die bisherige Unzulänglichkeit von Maschinen, sondern eine Herausforderung, die künstliche Intelligenz auch für den motorischen Bereich voranzutreiben. Sein Team bei Bosch arbeitet zum Beispiel schon an „weicher Robotik“, wo es darum geht, Teile ganz präzise zusammenzufügen, quasi mit Gefühl.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Sollte es irgendwann einen Roboter geben, der Eigelb und Eiweiss so elegant trennt wie sonst nur Großmutter daheim, dann ist es nicht abwegig, dass diese Maschine ihr nötiges Erfahrungswissen und ihre Intelligenz aus dem Cyber Valley hat. Noch kennt kaum jemand diesen Begriff. Aber eines Tages, so die Hoffnung der Initiatoren, soll Cyber Valley eine Marke sein, so bekannt sein wie das Silicon Valley – und zwar als Zentrum der künstlichen Intelligenz.

          Autonomes Fahren in der Branche bereits Standard

          Entstehen wird das Cyber Valley dort, wo heute die Autoindustrie zu Hause ist, mit einem Zentrum in der Region Stuttgart. An Optimismus, dass das gelingen kann, fehlt es nicht. „Wir sind überzeugt, dass hier ein Hotspot für wissenschaftliche Exzellenz für die weltweit besten Köpfe von morgen auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz entstehen kann“, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann zum Start des Cyber Valley im Dezember: „Unser Ziel ist, nicht nur die besten Maschinen zu bauen, sondern auch die schlausten.“ Kretschmann, der grüne Politiker mit Begeisterung für Innovationen, hatte sich schon einige Monate zuvor öffentlichkeitswirksam auf den Beifahrersitz eines Lastwagens gesetzt, der ganz autonom über die vielbefahrene Autobahn A 8 steuerte, ganz im Vertrauen auf die Technik.

          Mittlerweile gilt das autonome Autobahnfahren in der Branche schon gar nicht mehr als besonders anspruchsvoll. Beinahe wöchentlich gibt es irgendwo in der Welt die Ankündigung, dass ein Fahrzeug in Kürze schon fast alles allein machen wird im realen Straßenverkehr – ausgestattet mit einem künstlichen Hirn, das schnell lernt, Abermillionen von Verkehrssituationen zu erkennen und passend dazu zu bremsen oder zu beschleunigen, eine neue Route zu suchen oder einen Fußgänger über die Straße zu lassen.

          Facebook beteiligt sich ebenfalls

          „Autos werden das erste bedeutende Massenprodukt sein, das physische KI-Systeme in den Alltag bringt“, erwartet Matthias Tröndle. Er ist Forschungskoordinator am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme Tübingen-Stuttgart (MPIIS) und koordiniert in der aktuellen Gründungsphase die Aktivitäten des Cyber Valley.

          Die Autoindustrie, die mit ihren Milliarden-Investitionen die Entwicklung zum Autonomen Fahren mit Hochdruck vorantreibt, gehört jedenfalls zu den großen Gründungssponsoren des Cyber Valley: Daimler, Porsche und BMW sind mit von der Partie, außerdem die Autozulieferer ZF und Bosch.

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