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Piëchs ganz spezieller Auftritt Ferdinand und das kalte Wildschwein

12.05.2009 ·  Normalerweise bringt Ferdinand Piëch auf Fragen von Journalisten kaum zwei Sätze heraus. Aber während der Vorstellung des neuen Polo an der sardinischen Küste war das ganz anders. Bestens gelaunt verteilte er Seitenhiebe auf die Porsche-Oberen - so lange, bis seine Frau ihm Einhalt gebot.

Von Johannes Ritter
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Ferdinand Piëch ist immer für eine Überraschung gut. Der mächtige Aufsichtsratsvorsitzende von Volkswagen hat einen Sinn für ungewöhnliche Auftritte mit großer Schlagkraft. So war es auch am Montagabend. VW hatte einen Tross von Journalisten nach Sardinien eingeladen. An der bezaubernden Costa Smeralda sollten sie den neuen Polo Probe fahren. Die meisten waren jedoch vor allem deshalb gekommen, weil ihnen der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn als Gesprächspartner versprochen worden war. Der kam dann auch – aber eben nicht allein. Der VW-Firmenflieger aus Wolfsburg landete in Salzburg zwischen und nahm Piëch nebst Gattin Ursula (Uschi) an Bord.

Die Idee dazu hatte Piëch selbst, heißt es. Und er war es wohl auch, der dafür sorgte, dass noch zwei andere Protagonisten im Kampf um den Zusammenschluss zwischen Porsche und VW gen Süden flogen: VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh und Niedersachsens Regierungssprecher Olaf Glaesecker. Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hatte andere Termine, also bat er seinen engen Vertrauten, für ihn einzuspringen. Dies war indes stark genug für ein unmissverständliches Signal nach Stuttgart-Zuffenhausen: Ich, Ferdinand Piëch, der VW-Aktionär Niedersachsen und die VW-Mitarbeiter stehen geschlossen zusammen. Gegen uns geht nichts, wir geben den Takt an, will heißen: Wir bestimmen, auf welche Art der Schulterschluss des kleinen, schuldgeplagten Sportwagenherstellers mit dem großen, auch in der Krise allein handlungsfähigen Automobilkonzern strukturiert werden soll.

„Wir lassen uns nicht vorführen“

Normalerweise bringt Piëch auf Fragen von Journalisten kaum zwei Sätze heraus. Aber an diesem Abend ist alles anders. Bestens gelaunt, verteilt er Seitenhiebe auf die Wettbewerber und Ohrfeigen an die Porsche-Oberen, die nur selten augenzwinkernd gemeint sind, wenn Piëch dabei listig mit den Augen zwinkert. Heiter erzählt er von seiner Anreise: Die 30 Kilometer vom Flughafen zum Hotel sitzt er auf dem Rücksitz eines Polos. Gelenkt wird das kleine Gefährt von VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, seinem Ziehsohn. Neben Winterkorn sitzt Uschi. Warum seine Frau denn nicht gefahren sei, wird Piëch gefragt, das wäre doch eine schöne Vorführung geworden. „Wir lassen uns nicht vorführen“, entgegnet dieser, was ruhig auch als Seitenhieb auf seinen Cousin Wolfgang Porsche und dessen Vertrauten Wendelin Wiedeking interpretiert werden kann.

Auch als Piëch danach gefragt wird, ob das Sterben der Autozulieferer für VW zu einem Problem werden könnte, liefert er eine Antwort, die auch auf das Verhältnis der finanziell gebeutelten Porsche Holding zu VW gemünzt sein könnte: „Man geht mit denen zusammen, die auf sicherem Boden stehen.“ Er hätte wohl noch eine Weile weitergeplaudert mit all den Journalisten. Fragen gab es ja genug. Doch Gattin Uschi verhinderte dies: „Ferdinand, das Wildschwein wird kalt“, sagte sie freundlich – und meinte damit in der Tat die Speisefolge im Restaurant Romazzino. Für Doppeldeutigkeiten ist in dieser Ehe allein Ferdinand verantwortlich. So auch, als Piëch später am Abend begeistert von einem riesigen Cadillac erzählt, den er seiner Frau zuliebe mal gekauft habe. Gefragt, ob das (nach Porsche) die elfte Marke des Konzerns werden könnte, blickt er schmunzelnd zu Martin Winterkorn und sagt: „Nein, nein, das tu’ ich Ihnen nicht an.“ Dieser kleine Satz zeigt, wo im Hause VW der Hammer hängt.

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Jahrgang 1964, Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

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