Home
http://www.faz.net/-gqi-12irn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Piëch und Wiedeking Theater der Alphatiere

13.05.2009 ·  Die Audi-Hauptversammlung - nichts für die Nachrichten. Wenn da nicht die eisige Stille zwischen Porsche-Enkel und Porsche-Chef wäre. Ferdinand Piëch hat seine Mimik besser im Griff als Wendelin Wiedeking seine Gestik. Und der Porsche-Betriebsrat wirft Piëch Rechtsbruch vor.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (15)

Es herrscht Eiszeit zwischen VW-Patriarch Ferdinand Piëch und Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Kein Handschlag, möglichst kein Blickkontakt, obwohl die beiden „Alphatiere“ auf der Arbeitgeberbank des Audi-Aufsichtsrates auf der Hauptversammlung in Neckarsulm nur wenige Meter auseinandersitzen. Stumm und mit einem leichten Lächeln im Gesicht lehnt sich der VW-Aufsichtsratschef zurück. Aus seiner Sicht ist offenbar gesagt, was gesagt werden musste. Der unter Druck stehende Wiedeking will sich davon nicht aus der Spur bringen lassen. „Ja“, antwortet er kurz und knapp auf die Frage, ob er ein Kämpfer sei.

Mit lautem Lachen versucht der Manager die Stimmung aufzuheitern und ruft den Fotografen entgegen: „Heute kann scharf geschossen werden.“ Das Feuer auf Wiedeking hat der mächtige VW-Aufsichtsratschef bereits am Montagabend im fernen Sardinen eröffnet. Der einflussreichste Mann bei Volkswagen hatte den Porsche-Chef mit unmissverständlich klaren Worten in die Schranken gewiesen. Er ließ kaum Zweifel daran, wer in einem künftigen VW/Porsche-Konzern seinem Willen nach das Sagen haben sollte. Hoffnungen von Wiedeking auf eine Fusion auf Augenhöhe verpasste er einen deutlichen Dämpfer.

Ohrfeige für den Porsche-Chef

Eine Ohrfeige für den Porsche-Chef war auch Piëchs Ansage, sein Ziehsohn und VW-Chef Martin Winterkorn solle der starke Mann im neuen Großkonzern werden. Winterkorn, der auch Audi-Aufsichtsratschef ist, bleibt am Mittwoch seiner bisherigen Strategie treu und äußert sich bei dem Aktionärstreffen nicht weiter zu seiner eigenen Zukunft.

Freundschaftlich begrüßt der VW-Boss Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche und rückt ihm die rote Krawatte zurecht. Das Oberhaupt der Porsche-Familie dankt es ihm mit einem Lächeln. Mehr bekommen auch die Journalisten nicht, die von ihm wissen wollen, was er denn von der jüngsten Attacke seines Vetters Ferdinand Piëch hält. „Diese Diskussion führen wir nicht in der Öffentlichkeit“, sagt er beim ersten gemeinsamen Auftritt der Familien Porsche und Piëch in der Öffentlichkeit nach Sardinien.

Winterkorn bestens gelaunt

Winterkorn posiert indes bestens gelaunt gemeinsam mit Audi-Chef Rupert Stadler für die Fotografen. Konkurrenz im Kampf um den Chefsessel des Autoimperiums VW/Porsche ist von diesem auch nicht zu befürchten. Stadler hat keinerlei Ambitionen in diese Richtung. Er sehe seinen Platz auch in Zukunft bei Audi unter dem Dach von VW mit Winterkorn an der Spitze, sagte er. Stadler war zuletzt neben Winterkorn und Wiedeking für den Chefposten bei VW/Porsche ins Spiel gebracht worden. Wie Winterkorn gilt auch er als enger Vertrauter Piëchs.

Wiedeking stand dem Vernehmen nach bei dem mächtigen Patriarchen dagegen schon länger auf der Abschussliste, weil er diesem zu mächtig wurde. An Kummer mit Piëch ist man in Stuttgart-Zuffenhausen also gewöhnt. Die Wucht des Angriffs hat offenbar dennoch überrascht: „Das war schon heftig, was da kam“, heißt es hinter vorgehaltener Hand.

Porsche-Betriebsrat Hück schaltet Juristen ein

Und es gibt noch neue Gewitterwolken: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück sieht in den Aussagen von Piëch zur Fusion des Sportwagenherstellers mit VW mögliche Verstöße gegen das Aktienrecht. Er lasse von Juristen prüfen, ob Piëch die Aufsichtsräten auferlegten Treue-, Sorgfalts- und Verschwiegenheitspflichten verletzt habe, sagte Hück, der stellvertretender Aufsichtsratschef ist, am Mittwoch am Rande einer Veranstaltung der IG Metall in Stuttgart.

Piëch hatte von Schwierigkeiten der Stuttgarter gesprochen, Geld aufzutreiben. VW könne dagegen leichter Kredite bekommen. Daher sei auch eine Übernahme und anschließende Integration von Porsche bei VW denkbar. Zudem hatte er signalisiert, der Sitz des neuen Unternehmens solle Wolfsburg sein. Piëch sitzt in den Aufsichtsräten der Porsche Automobilholding SE und der Porsche AG. Hück sagte, Porsche befinde sich keineswegs in einer Schieflage. Schulden von neun Milliarden Euro stehe ein Vermögen von 40 Milliarden Euro gegenüber. „Das Unternehmen erwirtschaftet Gewinne. Es stimmt nicht, dass es uns schlecht geht“, fügte er hinzu. Wenn anderes berichtet werde, gehe es „vielleicht um einen Machtkampf“. Es gebe auch keine Fusionsgespräche, sondern nur Sondierungen zu dem Thema. Porsche-Chef Wiedeking müsse seinen Vertrag voll erfüllen. Die Belegschaft stehe hinter ihm.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Barrosos Verantwortung

Von Werner Mussler, Brüssel

Die EU-Kommission schaut den EU-Staaten auf die Finger: Sind ihre Haushalte in Ordnung? Wie sie diese Kontrolle ausübt, wird sich in der Politik entscheiden - abhängig davon, ob sich der französische Weg oder der deutsche Weg zur Krisenbekämpfung durchsetzt. Mehr 1

30.05.2012 16:54 Uhr
  Vortag
Dax 6.279,25 −1,84%
 OK
NameKursProzent
FAZ-INDEX 1.367,35 −1,92%
Dow Jones 12.428,10 −1,21%
EUR/USD 1,2400 −0,71%
Rohöl Brent Crude 103,36 $ −3,27%
Gold 1.579,50 $ 0,00%
Umfrage

Anonym bewerben? Ist das gut?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.