21.07.2005 · Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal 2005 seinen Gewinn weniger stark gesteigert, als zuvor erwartet worden war.
Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat im zweiten Quartal 2005 seinen Gewinn weniger stark gesteigert, als zuvor erwartet worden war. Wesentlicher Grund hierfür ist die gesunkene Gewinnspanne im Flüssigkristallgeschäft, die vom Unternehmen mit Forschungsaufwendungen für eine Zukunftstechnologie begründet wird.
Die Merck-Aktie, die allein im vergangenen Quartal um knapp 20 Prozent an Wert gewonnen hat, reagierte am Donnerstag im Handelsverlauf mit einem Kursverlust von rund 4,4 Prozent, erholte sich zum Schluß aber wieder auf ein Minus von nur 1,4 Prozent. Der operative Gewinn des Unternehmens hat zwar um 15 Prozent auf 202,9 Millionen Euro zugelegt, Analysten hatten jedoch mit einem Wert nur knapp unterhalb von 220 Millionen Euro gerechnet. Der Konzern setzte im Quartal 1,48 Milliarden Euro um (plus 8,6 Prozent), das Ergebnis ist also überproportional zum Umsatz gestiegen. Merck bekräftigte auch die Prognose für das Gesamtjahr. "Ohne die veräußerten Bereiche erwartet die Merck-Gruppe 2005 weiterhin ein Umsatzwachstum im einstelligen Bereich", sagte Bernhard Scheuble, der Vorsitzende der Merck-Geschäftsleitung. Einen Gewinnausblick lehnte Scheuble wegen möglicher und wohl auch bevorstehender Zukäufe ab.
Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) ist im zweiten Quartal um 34 Prozent auf 340 Millionen Euro gesunken. Allerdings waren in derselben Zeitspanne des Vorjahres noch hohe Millionengewinne aus dem Verkauf der Labor-Distributionssparte VWR verbucht worden. Merck hatte erst im Juni seine mittelfristigen Finanzziele angehoben. Die Zielmarke für die Umsatzrendite wurde von 15 auf 20 Prozent erhöht. Das Ziel für die Rendite auf das eingesetzte Kapital (ROCE) liegt nun bei 25 Prozent statt bei 15 Prozent. Im Flüssigkristallgeschäft hat Merck den Umsatz um 9,9 Prozent auf 183 Millionen Euro gesteigert. Allerdings ist die Umsatzrendite auf 42,7 (Vorjahr: 51,1) Prozent gesunken. Analysten hatten mit einer erheblich höheren Gewinnspanne gerechnet. Die Forschungsausgaben wurden vor allem für die Entwicklung organischer Leuchtdioden um 77 Prozent auf 19 Millionen Euro erhöht. Zudem nehme die Anlaufphase für die neuen Produktionsstätten in Darmstadt mehr Zeit in Anspruch als erwartet.
Eine organische Leuchtdiode, kurz Oled (organic light-emitting diode), ist eine Leuchtdiode aus organischen, halbleitenden Polymeren oder kleinen Molekülen. Diese Geräte können weitaus kostengünstiger hergestellt werden als anorganische Leuchtdioden. Einer der großen Vorteile eines Oleds gegenüber den herkömmlichen Flüssigkristallbildschirmen ist, daß sie ohne eine Hintergrundbeleuchtung auskommen. Dadurch benötigen sie weniger Energie. Das Display ist dünn wie eine Plastikfolie und auch sehr biegsam. Es hat einen großen Blickwinkelbereich und eine hohe Schaltgeschwindigkeit. Aus diesem Grund eignet es sich gut zur Darstellung von bewegten Bildern.
In der Pharmasparte hat Merck mit dem Darmkrebsmedikament Erbitux 52 (42) Millionen Euro Umsatz gemacht. 2004 waren es insgesamt 77 Millionen Euro. Merck rechnet damit, daß der Umsatz mit Erbitux im Zuge neuer Zulassungen weiter wachsen wird. Darüber hinaus will Merck noch 2005 die Zulassung von Erbitux zur Behandlung von Kopf- und Halskarzinomen beantragen. Der Unternehmensbereich Pharma trug mit 994,3 (860,8) Millionen Euro zuletzt 67 Prozent zum Umsatz und mit 109,3 (63,8) Millionen Euro 50 Prozent zum operativen Ergebnis der Gruppe bei. (Kno.)
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.376,76 | −0,07% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| EUR/USD | 1,2542 | −0,26% |
| Rohöl Brent Crude | 107,26 $ | +0,38% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
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