01.07.2005 · Das Atemwegsmedikament Daxas war ein Hoffnungsträger für Altana. Ohne Angabe von Gründen hat der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer die Zusammenarbeit bei der Vermarktung der Arznei beendet. Die Altana-Aktie stürzte ab.
Von Carsten KnopDer weltgrößte Pharmakonzern, die amerikanische Pfizer Inc., hat die Zusammenarbeit mit der deutschen Altana AG bei einem ihrer beiden Hoffnungsträger, dem Atemwegsmedikament Daxas, ohne die Angabe von Gründen beendet.
Die Aktie des Bad Homburger Pharma- und Spezialchemieunternehmens, das in seiner Pharmasparte bisher von einem einzigen Medikament, dem Magenmittel Pantoprazol, abhängig ist, geriet daraufhin am Freitag stark unter Druck. Das Papier fiel im Handelsverlauf bei hohen Umsätzen um mehr als 14 Prozent auf 40,90 Euro und war der Tagesverlierer im Deutschen Aktienindex Dax.
Forschungsbudget wird aufgestockt
Altana hatte zuvor mitgeteilt, die Kooperation mit Pfizer sei mit Wirkung zum 30. Juni beendet worden. Altana wird Daxas nun in Eigenregie weiterentwickeln. Pfizer gebe alle Daxas-Rechte an Altana zurück. Daxas dient der Behandlung der Raucherlunge ebenso wie von Asthma.
Daxas ist gemeinsam mit einem weiteren Atemwegsmedikament, dem Präparat Alvesco, ein wesentlicher Baustein in der Strategie, Altana zu einem Pharmaunternehmen mit mehreren großen, innovativen Produkten zu machen. Der Konzern erwartete mit Daxas bisher einen Spitzenumsatz von 1 Milliarde Euro. Weil nun der Entwicklungspartner abhanden gekommen ist, wird Altana sein Budget für Forschung und Entwicklung um einen nicht genannten Betrag aufstocken. Der Vorstandsvorsitzende Nikolaus Schweickart hält aber trotz dieser zusätzlichen Belastung an der Ergebnisprognose für das laufende Jahr fest. "Das Ergebnis wird auf der Höhe des Vorjahres oder sogar leicht darüber liegen", sagte Schweickart in einer Telefonkonferenz. Auch Pantoprazol habe Altana allein zur Marktreife gebracht. "Für solche Arbeiten haben wir im Konzern ausreichende Kompetenz", sagte Schweickart. Anschließend sei Pantoprazol ein großer Erfolg geworden. "Für Daxas erwarten wir eine ähnliche Entwicklung."
„Dies führt zu keiner Strategieänderung“
Analysten äußerten sich dennoch negativ. "Der Rückzug von Pfizer bedeutet für Altana auf jeden Fall einen Zeitverlust. Außerdem dürfte er Zweifel an dem Potential von Daxas wecken", sagte Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). Vermutet wird ein Zusammenhang der Entscheidung von Pfizer mit dem Erfolg des Daxas-Konkurrenzprodukts Spiriva des deutschen Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim, das in den Vereinigten Staaten ebenfalls gemeinsam mit Pfizer vermarktet wird. "Nach unserer Einschätzung hat Pfizer die Rechte an dem Produkt vor allem wegen Spiriva zurückgegeben. Spiriva ist in der gleichen Indikation und verkauft sich sehr erfolgreich. Pfizer braucht deshalb Daxas nicht mehr als Ersatz", glaubt Groschke.
"Dies führt zu keiner Strategieänderung", sagte Schweickart. Altana sei weiter vom Blockbuster-Potential und der Qualität des für Daxas genutzten Moleküls überzeugt. Der Wirkungsmechanismus sei ein völlig anderer als der von Spiriva. Es handle sich um eine "ganz neue Medikamentenklasse, die der derzeitigen Therapie weit überlegen ist." Daxas ist ein sogenannter PDE4-Hemmer, der in der Lunge entzündungshemmend wirken soll. Allerdings haben Boehringer Ingelheim und Pfizer mit Spiriva schon heute erheblichen Erfolg. Mit Spiriva hat Boehringer im vergangenen Jahr einen Umsatz von 525 Millionen Euro gemacht (plus 130 Prozent). Schon in diesem Jahr hält es Deutschlands größter Pharmakonzern für möglich, mit Spiriva die Marke von 1 Milliarde Dollar Umsatz zu überschreiten.
500 Millionen Euro für Akquisitionen
Davon ist Altana mit Daxas nun noch eine Weile entfernt. Für die Vereinigten Staaten wollen die Bad Homburger Daxas, das sich dort in einer weit vorangeschrittenen, dritten und letzten Phase klinischer Tests befindet, nun allein weiterentwickeln und sich später "ohne großen Druck" nach einem neuen Partner für die Vermarktung umschauen. Mit einer Verzögerung der Zulassung in den Vereinigten Staaten rechnet Altana durch den Rückzug von Pfizer nicht. Allerdings nannte Altana auch keinen Zeitplan dafür, wann für Daxas in den Vereinigten Staaten die Zulassung beantragt werden soll. Für Europa hatte Altana im vergangenen Jahr die Zulassung bei der europäischen Arzneimittelbehörde Emea beantragt.
Auch auf die Pläne, sich in der Chemie durch einen Zukauf zu verstärken und eine vierte Geschäftseinheit aufzubauen, habe die Pfizer-Entscheidung keine Auswirkungen. Der Konzern stehe zur Zeit in Verhandlungen über einen solchen strategischen Zukauf, sagte Schweickart. Für eine Akquisition in der Chemiesparte stehen nach früheren Angaben mehr als 500 Millionen Euro zur Verfügung. Schweickart blieb auch bei der Aussage, daß erst nach dieser Transaktion Angaben zur künftigen Struktur des Konzerns gemacht werden. Spekuliert wird in diesem Zusammenhang über einen Börsengang der Chemiesparte.
Carsten Knop Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft, verantwortlich für die Unternehmensberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.
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