Der Markt für Nachahmermedikamente (Generika) wird in den kommenden Jahren mit unvermindertem Tempo wachsen. Nach der Ansicht der Unternehmensberatung Bain & Company ist in den Jahren zwischen 2003 und 2008 auf dem Weltmarkt mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 13 Prozent zu rechnen, was exakt dem Wachstumswert der Jahre seit 1998 entspricht. Zwischen 1998 und 2003 hat sich das Marktvolumen von 18 auf 34 Milliarden Dollar verdoppelt. Bis zum Jahr 2008 wird das Marktvolumen 61 Milliarden Dollar erreichen. "Für das Geschäft mit Generika gibt es viele Stützen", sagt Bain-Partner Michael Steiner. "In den kommenden Jahren laufen zahlreiche Patente aus, die Patienten werden älter und brauchen deshalb mehr Medikamente." Der Kostendruck auf das Gesundheitswesen werde daher nicht nachlassen, und günstige Nachahmerpräparate dürften gefragt bleiben. Den gesamten Umsatz mit Medikamenten, die ihren Patentschutz bis zum Jahr 2015 verlieren, beziffert Steiner auf 318 Milliarden Dollar.
"Nichts auf der Welt wird Generika stoppen können", ist auch Israel Mako überzeugt, der Vorstandsvorsitzende des israelischen Unternehmens Teva, größter Generikahersteller der Welt. Mako versuchte mit diesen Äußerungen und mit der Vorlage glänzender Zahlen zur Entwicklung von Teva im zweiten Quartal 2004 kritische Kommentare von Analysten zum Generikamarkt aus der jüngsten Zeit zu konterkarieren.
Kurzfristige Einschränkungen
Kurzfristig ist der Markt tatsächlich von Sparbemühungen auf der ganzen Welt betroffen, die auch vor Nachahmerpräparaten nicht haltmachen. Zudem liefern sich die Generikahersteller untereinander einen harten Preiswettbewerb; in Deutschland hat es zuletzt sogar eine Rabattschlacht um die Gunst der Apotheker gegeben. Manche Unternehmen sind vor diesem Hintergrund um einen Risikoausgleich bemüht, weshalb der amerikanische Generikahersteller Mylan Laboratories jüngst für 4 Milliarden Dollar in Aktien den angeschlagenen Pharmakonzern King Pharmaceuticals gekauft hat. "Der Generikamarkt ist sehr wettbewerbsintensiv", sagt Makov von Teva. "Der Druck variiert von Jahr zu Jahr, aber wenn er anzieht, kommt es auch zu einer schnelleren Konsolidierung der Branche. Ein Markt mit großer Konkurrenz wird für kleinere Unternehmen bedrohlich, bietet uns aber Übernahmemöglichkeiten und die Chance, unseren Marktanteil auszubauen." Allerdings ist auch Teva zur Risikostreuung im Geschäft mit innovativen Arzneimitteln tätig.
Übernahmekandidaten
Als ein Übernahmekandidat galt in diesem Jahr schon das in der Nähe von Frankfurt beheimatete Unternehmen Stada. Derartige Spekulationen haben den Aktienkurs bis vor etwa einem halben Jahr beflügelt. Sowohl Novartis als auch die Darmstädter Merck KGaA hatten zuvor angekündigt, auf der Suche nach geeigneten Übernahmekandidaten im Generikageschäft zu sein. Doch die Hoffnungen haben sich zerschlagen, und nun leidet Stada im Deutschland-Geschäft zumindest kurzfristig unter den Folgen der jüngsten Gesundheitsreformen. Die Folge: Der Kurs der Stada-Aktie hat sich in den vergangenen sechs Monaten nahezu halbiert. Der Halbjahresbericht, der am Donnerstag dieser Woche vorgelegt wird, zieht eine Bilanz der Enttäuschungen. Davon hat Stada seine Aktionäre allerdings schon im Juni unterrichtet. Bekannt ist seither, daß der Konzernumsatz in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um lediglich rund 7 Prozent gewachsen ist. Zudem erwartet das Unternehmen keine prozentual zweistellige Gewinnsteigerung mehr, sondern nur noch einen Ertrag auf Vorjahreshöhe.
Der Stada-Vorstand geht jedoch von einer nur vorübergehenden Verlangsamung des Wachstumskurses des Konzerns aus. Wenn sich die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen als konstant erwiesen und die Märkte zu einer rationalen Preis- und Konditionenpolitik zurückkehrten, werde Stada den Gewinn wieder steigern können, wird versichert. Analysten wie Thomas Brenning von Helaba Trust rechnen derzeit mit einem Umsatzplus von 9 Prozent in den ersten sechs Monaten, wobei der Umsatzzuwachs bei den Generika noch immer deutlich höher liegt als bei den von Stada ebenfalls angebotenen innovativen Arzneimitteln, die bisher nicht der Festbetragsregelung unterliegen und unter dem staatlich verordneten Herstellerrabatt von 16 Prozent leiden. Durch den von den Herstellern selbst ausgelösten Preiskampf in den Apotheken hat die Rentabilität hingegen vor allem im Generikageschäft gelitten. Wie zu hören ist, wurde diese Rabattschlacht inzwischen aber beendet.
Grundsätzlich dürften die europäischen Generikaanbieter zudem weiterhin davon profitieren, daß die Preise für derartige Nachahmerpräparate etwa in Deutschland sehr viel höher sind als in den Vereinigten Staaten - auch das hat Bain jüngst in einer Studie herausgefunden.