21.03.2006 · Im feindlichen Übernahmekampf um den Pharmakonzern Schering treten Interessenkonflikte zutage: Deutsche-Bank-Vorstand Lamberti legt sein Amt als Aufsichtsrat bei Schering nieder, weil die Bank den Rivalen Merck berät.
Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti legt sein Amt als Aufsichtsrat bei Schering nieder, weil die Bank den Rivalen Merck bei der geplanten Übernahme des Berliner Pharmakonzerns berät. Der Schritt erfolge mit sofortiger Wirkung, teilte Schering am Dienstag in Berlin mit.
Die Darmstädter Merck KGaA will Schering für 14,6 Milliarden Euro übernehmen. Die Deutsche Bank und das amerikanische Institut Goldman Sachs beraten den Konzern bei der geplanten Transaktion. Lamberti hatte sein Mandat Branchenkreisen zufolge bereits ruhen lassen. Ein Sprecher der Deutschen Bank bestätigte Ende vergangener Woche lediglich, daß der für Informationstechnologie zuständige Lamberti bei der Schering-Aufsichtsratssitzung am Dienstag nicht anwesend war.
Später Rückzug sorgt für Kritik
Auf der Sitzung war über Abwehrmaßnahmen gegen Merck diskutiert worden. Der späte Rückzug Lambertis sorgt am Finanzplatz Frankfurt für Kritik. „Solch eine Übernahme wird monatelang vorbereitet. Die Deutsche Bank weiß also seit langem, was bei Merck läuft“, kritisiert ein Wettbewerber. Dagegen heißt es in Deutsche-Bank-Kreisen, unter Gesichtspunkten der guten Unternehmensführung werde es erst dann problematisch, wenn es zu einer Willenserklärung komme.
In der vergangenen Woche mußte sich zuvor bereits Allianz-Kapitalmarktvorstand Paul Achleitner kritischen Fragen zur Doppelrolle seines Unternehmens im Schering-Übernahmekampf stellen. So ist der Münchner Finanzkonzern mit einem Anteil von 11,4 Prozent Schering-Großaktionär. Zugleich berät die Allianz-Sparte Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) Schering im Abwehrkampf gegen die Übernahmeofferte des Konkurrenten Merck. Nach Achtleitners Darstellung bedeutet dies aber nicht, daß die Allianz die Merck-Offerte ablehne. In Schering-Kreisen wird die Rolle der DrKW in dem Übernahmekampf heruntergespielt. Die Allianz-Investmentbank sei nur eine Randfigur im Beraterstab. Federführend sei vielmehr die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley. Um so näher liegt die Vermutung: Hat Schering der ohnehin kriselnden DrKW das lukrative Beratungsmandat zugeschustert, um den Großaktionär Allianz auf seine Seite zu ziehen? In Finanzkreisen heißt es zudem, daß die Allianz der Investmentbank oft Aufträge zuschanze. Ohne diese Schützenhilfe würde der DrKW ein wichtiger Teil des Geschäfts wegbrechen.
„Unsere Entscheidung über das Schering-Paket wird in keiner Weise vom Mandat der Bank beeinflußt“, sagte Achleitner auf der Allianz-Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in München. Die Allianz habe noch nicht entschieden, was sie mit ihren Schering-Aktien vorhabe, unterstrich er. Achleitner bemüht sich, den Eindruck einer Vorentscheidung gegen die Merck-Pläne zu verwischen. Ausdrücklich lobte er die Offerte für Schering: Diese sei ein „Reifezeugnis“ für den deutschen Kapitalmarkt. So richte sich Merck mit seinem Vorstoß direkt an die Aktionäre.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| FAZ-INDEX | 1.368,78 | −1,82% |
| Dow Jones | 12.429,70 | −1,20% |
| EUR/USD | 1,2389 | −0,80% |
| Rohöl Brent Crude | 103,55 $ | −3,09% |
| Gold | 1.579,50 $ | 0,00% |
Anonym bewerben? Ist das gut?