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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Pharma Aventis schließt Gegenangebot nicht aus

 ·  Aventis schließt im Übernahmekampf mit dem französischen Pharma-Konkurrenten Sanofi-Synthélabo ein Gegenangebot nicht aus, sagt Aventis-Chef Landau im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

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Zur Abwehr der angedrohten feindlichen Übernahme zieht der Straßburger Pharmakonzern Aventis auch ein Gegenangebot für den in Paris ansässigen Wettbewerber Sanofi-Synthélabo in Betracht. Doch hat dies zurzeit nicht die höchste Priorität, sagte der Aventis-Vorstandschef Igor Landau der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Es gebe viele andere Alternativen, die sowohl strategisch, finanziell als auch sozial mehr Sinn machen könnten.

Herr Landau, warum sollte ein Aventis-Aktionär das Angebot von Sanofi ablehnen, der Wert seiner Aktien hat seit dem Vorstoß Ihres Konkurrenten deutlich zugelegt?

Weil Aventis auch selbständig eine ausgezeichnete Zukunft hat. Wir sind der fünftgrößte Pharmakonzern der Welt und haben das drittgrößte Forschungsbudget. Wir haben unseren Gewinn in nur vier Jahren verdreifacht. Und auch für 2003 werden wir unsere Wachstumsziele wieder erreichen - trotz strengerer Zulassungsbedingungen, des hohen Euro-Kurses und der rigiden Sparmaßnahmen in vielen europäischen Märkten.

Wir haben heute vier Produkte mit mehr als einer Milliarde Euro Umsatz, sogenannte Blockbuster, auf dem Markt und weitere kommen. Wir sind auf dem wichtigen Pharmamarkt der Welt, den Vereinigten Staaten, gut vertreten. Aus unserer Sicht sind die Wachstumschancen im Kurs der Aventis-Aktie nicht entsprechend enthalten. Die Aktie hat noch viel Luft nach oben.

Sanofi ist doch auch ein schnell wachsendes Unternehmen?

Ja. Auch Sanofi hat eine Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Aber viele Analysten sehen auch Risiken: Sanofi drohen Schwierigkeiten mit seinem Blockbuster, dem Thrombosemedikament Plavix, das schon Ende 2004 oder Anfang 2005 Konkurrenz durch Nachahmerpräparate bekommen könnte. Analysten schätzen, das dies allein den Wert der Sanofi-Aktie um ein Drittel drücken könnte. Auch dem zweitwichtigsten Medikament von Sanofi droht Wettbewerb. Die Sanofi-Aktie ist deshalb mit großen Risiken behaftet. Dazu kommt: Total, der größte Aktionär von Sanofi, plant, sich von seinem Anteil zu trennen. Dies dürfte den Kurs des neuen Unternehmens in Zukunft deutlich belasten. An all diesen Risiken würden die heutigen Aktionäre von Aventis beteiligt, weil Sanofi für die Aventis-Aktien zu mehr als 80 Prozent eigene Papiere anbietet. Ich kann gut verstehen, warum Sanofi Aventis braucht. Aber wir brauchen Sanofi nicht.

Können Sie sich vorstellen, ihrerseits für Sanofi zu bieten?

Wir sind davon überzeugt, daß Aventis selbständig eine bessere Zukunft hat als mit dem feindlichen Übernahmeangebot von Sanofi. Der Aufsichtsrat folgt dieser Ansicht und hat den Vorstand daher beauftragt, alle Szenarien zu prüfen, die für Aktionäre und Mitarbeiter bessere Perspektiven bieten. Ein Gegenangebot hat zur Zeit nicht die höchste Priorität. Es gibt viele andere Alternativen, die sowohl strategisch, finanziell als auch sozial mehr Sinn machen könnten.

Könnte der Schweizer Pharmakonzern Novartis als „Weißer Ritter“ Aventis übernehmen wollen?

Da werden derzeit viele Namen genannt. Aber es ist viel zu früh, um darüber zu spekulieren.

Wären nicht auch unter Ihrer Führung in Zukunft Arbeitsplätze in Frankfurt gefährdet?

Wir haben seit der Gründung von Aventis rund eine Milliarde Euro in den Standort investiert. Wir haben hier neue Arbeitsplätze geschaffen und neue Forschungs- und Produktionsanlagen aufgebaut, die zu den modernsten und wettbewerbsfähigsten der Welt gehören. Darauf sind wir stolz. Eine Zukunft mit Aventis ist für die Mitarbeiter die bessere Lösung.

Kämpfen Sie nicht in erster Linie um Ihren eigenen Job?

Das spielt für mich und meine Kollegen im Vorstand keine Rolle. Wir haben bei Aventis mit den Mitarbeitern ein hervorragendes Unternehmen geschaffen. Jetzt wollen wir eine erfolgreiche Zukunft sichern.

Wie wird sich Ihr Großaktionär Kuwait Petroleum verhalten?

Der Aufsichtsrat, einschließlich der Kuwait Petroleum Corporation, hat das Angebot von Sanofi einstimmig abgelehnt.

Das Gespräch führte Carsten Knop

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 1. Februar 2004
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