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Pflegeroboter Hospi bringt die Medizin

 ·  Japans Unternehmen sind führend in der technischen Entwicklung von Robotern für die Pflege. Doch strenge Sicherheitsvorschriften und ungeklärte Haftungsfragen verhindern die Massenproduktion.

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Wenn Yukio Honda seinen „Hospi“ betrachtet, bekommt sein Blick fast etwas Zärtliches. „Hospi“ ist Hondas liebstes Kind, ein Pflegeroboter, der in Krankenhäusern oder bei der Kommunikation zwischen Arzt und Patient als Assistent eingesetzt werden kann. In Modellversuchen verteilt „Hospi“ in Kliniken bereits Medikamente, die er von der Krankenhausapotheke auf die Stationen bringt. Honda ist Direktor des Zentrums für Roboterentwicklung beim japanischen Elektronikkonzern Panasonic in Kadoma. Nicht nur „Hospi“ ist hier in unscheinbaren Fabrikhallen erdacht worden. Auch einen Roboter, der Haare shampoonieren und waschen kann, haben die Techniker 2010 in der Kleinstadt am Rande Osakas entwickelt. „Wir hatten schon Friseure hier, die großes Interesse an diesem Roboter hatten“, berichtet Honda. Nicht nur Panasonic, auch der Autobauer Toyota und andere Unternehmen in Japan investieren viel in die Entwicklung von Robotern. „Asien und die Vereinigten Staaten von Amerika dominieren den Markt für Robotik in Haushalt und Pflege“, sagt Robotik-Expertin Sibylle Meyer vom Berliner Sibis Institut für Sozialforschung und Projektberatung. Europa müsse hier noch aufholen.

Japan ist die am schnellsten alternde Gesellschaft der Welt. Wo wenn nicht hier sollten Roboter in großem Stil in der Pflege eingesetzt werden? Honda schüttelt den Kopf. Zwar wolle Panasonic versuchen, von diesem Jahr an auch Roboter auf den Markt zu bringen, sagt er. Doch bis zum Masseneinsatz ist es noch ein langer Weg, selbst im technikbegeisterten Japan. „Wir waren selbst überrascht, dass die Produkte in der Praxis so wenig eingesetzt werden“, sagt der Ökonom Florian Kohlbacher vom Deutschen Institut für Japanstudien in Tokio, der die Entwicklung der Robotertechnik in Japan schon lange beobachtet. Dabei ist der Nutzen der helfenden Maschinen schnell zu erkennen. Toyota hat Ende vergangenen Jahres einen Roboter vorgestellt, der Pflegern und Krankenschwestern helfen soll, wenn sie Patienten aus oder ins Bett tragen müssen. Vor allem viele Schwestern klagen schon in jungen Jahren wegen dieser Belastung über Rückenprobleme. „Beide, sowohl Pfleger als auch die zu Pflegenden, können diesen Roboter einfach bedienen“, erläutert Toyota. Hondas Team hat bei Panasonic etwas Ähnliches entwickelt. Gehbehinderten bietet Panasonic einen Rollstuhl, der sich auf Knopfdruck in einen Teil eines Bettes verwandelt. Für Patienten, die zu Hause leben und abends nur schwer ins Bett oder morgens in den Rollstuhl kommen, bietet dieser Roboter spürbare Erleichterung.

Ein Arm kostet 100.000 Euro

Das Potential für Roboter wäre also groß in alternden Gesellschaften, in denen immer mehr Menschen auf Hilfe und auf Pflege angewiesen sind. Japans Industrie- und Wirtschaftsministerium (Meti) geht in einer Prognose davon aus, dass allein der heimische Markt bis 2020 auf 54 Milliarden Yen (551 Millionen Euro) wachsen könne - von heute praktisch null. 2035 sehen die Bürokraten im Industrieministerium in Tokio in Japan ein Potential von 400 Milliarden Yen für die Roboterindustrie.

Fachleute rechnen allerdings nicht damit, dass der Durchbruch zum Massenprodukt für Pflegeroboter so schnell kommt. Die Technik sei meist noch nicht genug ausgereift und auch noch zu teuer. Ein Roboterarm etwa kostet 100.000 Euro, eine künstliche Hand nochmal so viel. „Da nur Kleinserien oder einzelne Prototypen produziert werden, ist es bisher schwer, so billig zu produzieren, dass es sich die Endanwender auch leisten können“, sagt Uwe Haass, Geschäftsführer des auf Robotik ausgerichteten Forschungsverbunds Cotesys an der Technischen Universität München.

5,6 Millionen Serviceroboter

Im Haushaltsbereich sieht es da schon anders aus. 2009 wurden auf der Welt bereits etwa 5,6 Millionen Serviceroboter wie zum Beispiel Staubsauger oder Rasenmäher eingesetzt. Für 2013 rechnen Fachleute mit einem Wachstum auf 6,7 Millionen Stück.

Hauptgrund dafür, dass Roboter in Krankenhäusern oder in der häuslichen Pflege noch nicht stärker eingesetzt werden, ist nach Angaben Hondas, dass Sicherheits- und Haftungsfragen noch immer ungeklärt sind. „Hospi“ zum Beispiel verteilt in Modellversuchen bereits in einigen japanischen Krankenhäusern Arzneimittel. Benutzt der Roboter einen Fahrstuhl, um von der Apotheke auf die gewünschte Station zu rollen, muss sichergestellt sein, dass er nicht mit einem Menschen in der Kabine ist. „Wenn Menschen zu Schaden kommen, wer hat dann die Verantwortung?“, fragt der Panasonic-Ingenieur. Solange solche Fragen nicht geklärt seien, sei es praktisch unmöglich, mit Robotertechnik auf den Markt zu gehen. Auch in Deutschland seien die rechtlichen Rahmenbedingungen im Bereich der Pflegerobotik noch nicht vollständig geklärt, beschreibt der Jurist Jan-Philipp Günther von der Forschungsstelle „Robotrecht“ der Universität Würzburg die Lage.

Dauerlächeln auf dem Bildschirm

Dabei ist „Hospi“ durchaus so programmiert, dass er Menschen nicht gefährlich werden kann. Hindernissen weicht er mit einem Dauerlächeln auf dem Bildschirm ziemlich geschickt aus. Doch Lächeln allein genügt nicht: Als Vermittler zwischen Patient und Arzt darf „Hospi“ nicht eingesetzt werden. Zwar wäre es leicht möglich, über den Bildschirm per Roboter auch in abgelegenen Dörfern ärztliche Beratung anzubieten - doch das japanische Recht verlangt den Augenkontakt zwischen Arzt und Patient. Es sind solche strengen Sicherheitsauflagen, die den Einsatz von Robotern in der Pflege erschweren. Ein zweites Problem ist der hohe Preis: „Um das Kostenproblem zu lösen, muss endlich Volumen in den Markt kommen“, sagt Kohlbacher. Und es gibt noch andere Hürden. So ist die Frage der Wartung oder der Energieversorgung - etwa über leistungsfähige Batterien - bei vielen Robotik-Systemen noch nicht geklärt.

Außerdem müsse Robotertechnik für die Pflege gleich zwei Nutzergruppen überzeugen, dass der Einsatz der Maschinen sinnvoll ist: die Patienten, aber auch die Pfleger. „In Europa oder Amerika sind die Ängste groß, dass über Roboter Arbeit wegrationalisiert wird“, sagt Ökonom Kohlbacher. „Das ist in Japan anders, hier wird die Automation eher als Erleichterung der Arbeit gesehen.“ „Hospi“ zum Beispiel hat einem Krankenhaus, in dem vier der Roboter im Einsatz waren, während eines zehnmonatigen Tests geholfen, 30 bis 40 Millionen Yen zu sparen. Pfleger hätten sich wegen der Entlastung durch die Maschinen stärker um ihre eigentlichen Aufgaben kümmern können.

Es gibt aber noch andere ethische Bedenken, etwa die Angst vor einer Invasion der Roboter: Werden wir im Alter nur noch durch humanoide Roboter versorgt, ohne zwischenmenschliche Nähe und Fürsorge? Fachleute relativieren: Ein Serviceroboter sei eine Technologie wie jede andere, die im häuslichen Bereich genutzt wird. Roboter sollen pflegende Menschen nicht ganz ersetzen, sondern ihnen nur einzelne Schritte abnehmen, heißt es. „Der Nutzer ist die Hauptperson, nicht der Roboter“, sagt Honda. „Und das wird er auch bleiben.“ Kohlbacher erzählt in dem Zusammenhang gerne von seinen Erfahrungen in einer teuren Altenpflegeeinrichtung von Panasonic. Er habe sich gefragt, warum er auch hier keine Roboter antreffe. Die Erklärung, die ihm gegeben worden ist, war einfach. „Hier bezahlen die Leute viel Geld und haben dafür den Anspruch, auch von Menschen gepflegt zu werden.“ Es bleibt offen, wie Roboter unseren Alltag in Zukunft prägen werden.

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Jahrgang 1976, Redakteurin in der Wirtschaft.

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