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Peugeot Es muss nicht immer Auto sein

12.05.2010 ·  Der Autohersteller Peugeot folgt dem Beispiel des Konkurrenten Daimler. Die Franzosen stellen nicht mehr nur Fahrzeuge her, sondern steigen in das Geschäft mit der Vermietung ein - vom Fahrrad bis zum Elektroflitzer. Bezahlt wird mit „Mobilitätspunkten“. Das klingt modern und stärkt das Öko-Image.

Von Christoph Ruhkamp
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Wer mal eines dieser modernen Elektroautos testen will, ohne gleich 40.000 Euro für den Kauf ausgeben zu müssen, der kann das bald bei Peugeot tun. Der Autohersteller steigt unter dem Titel „Mu by Peugeot“ in das Geschäft mit der Vermietung von unterschiedlichsten Fahrzeugen der eigenen Marke ein: Ein Coupé fürs Wochenende, ein Fahrrad für die staufreie Fahrt durch die City, ein Cabrio für die Fahrt an den Baggersee oder ein Transporter für den Umzug. Der Name des Projekts, das in Frankreich schon vor einem Jahr begann, spricht sich „Mü“ aus und leitet sich vom gleichnamigen griechischen Buchstaben her, der für Bewegung steht.

In Deutschland wird mit zunächst vier Standorten in Berlin gestartet. Dort können Kunden ab sofort Autos, Transporter, Fahrräder, Elektrofahrräder und Motorroller der Marke Peugeot mieten – und ab Jahresende sogar das Elektroauto „iOn“. Bezahlt wird mit sogenannten Mobilitätspunkten oder einfach mit Euro. Aber bessere Preise erhält der Kunde, wenn er für eine Grundgebühr von 10 Euro ein Online-Konto eröffnet und dort mit seiner Kreditkarte „Mobilitätspunkte“ kauft – so ähnlich wie bei den Prepaid-Karten fürs Handy. „Mit dem Konto und den Punkten wollen wir die Bindung der Kunden an unsere Marke stärken und sie für Treue belohnen“, sagt Peugeot-Deutschlandchef Thomas Bauch. Die Preise für die Nutzer des Online-Kontos fielen um 10 bis 30 Prozent geringer aus, bezahlt wird vor Ort mit dem persönlichen Passwort. So kostet etwa ein Elektrofahrrad 10 Euro (50 Punkte) am Tag, ein Scooter 25 Euro und ein Kastenwagen 90 Euro.

Auch Fahrräder und Anhänger werden angeboten

Peugeot kündigt sein neues Geschäftsfeld als „Mobilität à la carte“ und als „Revolution aus Frankreich“ an. Doch ganz so umwälzend und radikal ist die Idee dann doch wieder nicht. Schließlich stellt auch die Deutsche Bahn unter dem Namen „Flinkster“ Leihautos an Bahnhöfen bereit. Und der Unterschied von „Mu by Peugeot“ zu herkömmlichen Autovermietern wie Sixt oder Europcar oder zu Car-Sharing-Anbietern wie Cambio und Stadtauto besteht wohl am ehesten in der Fahrzeugpalette: Die Franzosen bieten eben auch Fahrräder, Zubehör wie etwa Anhänger und künftig sogar Elektroautos an. Allerdings gibt es auch Nachteile gegenüber den schon etablierten Konkurrenten: Die Berliner Standorte von „Mu by Peugeot“ in Wilmersdorf, Lichtenberg und Schöneberg sind identisch mit den dortigen Peugeot-Autosalons – und sie sind, wie bei Autohäusern üblich, alles andere als zentral gelegen.

Auch ist Peugeot durchaus nicht der erste Autohersteller, der seine Zukunft auch in Mobilitätsdienstleistungen sieht. So macht der Stuttgarter Autokonzern Daimler seit geraumer Zeit Furore mit seinem Vorzeigeprojekt „Car-to-go“ in Ulm (siehe Car-2-Go: Einsteigen, losfahren, abstellen). Die Mietautos vom Kleinwagenmodell Smart stehen – anders als bei Peugeot – überall in der Universitätsstadt zur Selbstbedienung herum. Und anders als bei Peugeot wird nicht tage- oder wochenweise abgerechnet: Bei „Car-to-go“ kostet die Minute 19 Cent.

Was beide Autohersteller verbindet, ist die Bedrohung des alten Geschäftsmodells eines Herstellers. Immer mehr junge Bewohner von Großstädten sehen Autos nicht mehr als Statussymbol an, dazu taugen neuerdings eher die neuesten Smartphones. Die Jungen wollen zwar gelegentlich – neben Bahnfahren und Fliegen – auch Auto fahren, aber sie wollen deshalb nicht unbedingt gleich ein Auto kaufen. Der Anteil der Neuwagenkäufer unter 30 Jahren hat sich dementsprechend in Deutschland binnen zehn Jahren auf 7 Prozent halbiert.

So könnte es durchaus sein, dass Peugeot mit seinem neuen Angebot einen Nerv trifft. Wer nur einmal im Jahr einen Motorroller mieten will, einen Dachgepäckträger nur für die Ferien braucht oder ein Cabriolet für ein luftiges Sommer-Wochenende zu zweit, ist bei den Leuten von „Mü“ bestimmt gut aufgehoben. In Frankreich wurde das Projekt erfolgreich in den Städten Brest, Nantes und Lyon gestartet und mittlerweile schon auf Rennes und seit Februar auch auf Paris ausgedehnt. In Deutschland sollen auf Berlin schon bald auch Hamburg und München folgen. Im Ausland sind Niederlassungen in Madrid, Mailand, Barcelona, Brüssel und London geplant.

Die Handhabung von „Mü“ ist einfach. Im Internet kann jeder Interessierte gegen die Grundgebühr sein persönliches Konto eröffnen und dieses sowohl online als auch beim Händler mit Mu-Punkten in Schritten von je 50 Punkten, entsprechend 10 Euro, nach eigenem Ermessen aufladen. Der Mietpreis variiert je nach dem gewählten Gefährt und der Dauer der Fahrt.

Die Kunden sollen Erfahrungen mit Elektroautos sammeln

Aus Sicht von Peugeot ist das Projekt auch deshalb bahnbrechend, weil Kunden damit auf einfache und spielerische Weise erste Erfahrungen mit Elektromobilität sammeln können. Immerhin ist die Löwenmarke der erste europäische Hersteller, der 2010 ein viersitziges Elektroauto in größeren Stückzahlen auf den Markt bringt. „Wir wollen, dass Elektromobilität bezahlbar ist“, sagt Peugeot-Manager Bauch. Deshalb werde auch das Elektroauto iOn, für das europaweit rund 4000 Reservierungen vorlägen, zunächst nur im Leasing für weniger als 500 Euro im Monat angeboten oder bei „Mü“ vermietet.

Dass der mit Strom betriebene Flitzer sonst so teuer wäre, dass ihn niemand kaufen würde, sagt er nicht. Dafür ist der Peugeot-Pressesprecher erstaunlich offenherzig, was die Reichweite des ersten in Deutschland für normale Kunden erhältlichen E-Autos angeht: „Bitte dehnen Sie Ihre Probefahrt nicht allzu sehr aus. Sonst reicht die Batterie nicht“, warnt der Mann die Fachjournalisten in Berlin vor ihrer Tour durch die Nachbarschaft.

Offiziell reicht eine Batterieladung für 130 Kilometer – aber nur wenn die Heizung ausbleibt. Dafür kann der iOn mit revolutionär niedrigen Betriebskosten aufwarten: Die liegen angeblich bei 1,50 Euro pro 100 Kilometer für den Strom.

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