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Möbel-Kollaborationen : Aus Botswana in die Welt

  • -Aktualisiert am

Designer Peter Mabeo bringt afrikanisches Kunsthandwerk und internationale Designer zusammen. Bild: Privat

Der afrikanische Entrepreneur Peter Mabeo bringt lokale Kunsthandwerker mit internationalen Designstars zusammen. Das Ergebnis: Weltklasse-Möbel.

          Gaborone, die 300.000-Einwohner-Hauptstadt Botswanas, ist nicht gerade das, was man unter einer Design-Metropole versteht. Ein paar Hochhäuser, die üblichen Shoppingmalls und gesichtslosen Konferenz-Hotels, umgeben von einer Landschaft, die zum Augenreiben schön ist, dünn besiedelt mit Menschen, dafür umso dichter mit wilden Tieren. Und doch entstehen hier Kreationen der ganz großen Designer wie Patricia Urquiola, Luca Nichetto und dem schwedischen Trio Claesson Koivisto Rune.

          Wie das möglich ist? Durch Peter Mabeo. Nachdem der Fünfundvierzigjährige aus Gaborone zehn Jahre lang selbst maßgefertigte Möbel für lokale Kunden entworfen hatte, gelang es ihm, einige der gefragtesten Namen der Gestalterszene in seinen Schreiner- und Schnitz-Workshop zu lotsen und für seine Idee zu begeistern: „Ich wollte mehr machen, als ein Business aufbauen, das nur nacheifert, was aus dem Ausland nach Botswana durchsickert“, sagt der Autodidakt. „Stattdessen wollte ich die unterschiedlichen Talente bündeln und etwas schaffen, bei dem alle an der Gestaltung beteiligt sind und voneinander profitieren.“ Afrikanische Kunsthandwerker, die ohne Vorskizze einen Hocker aus einem Baumstamm herausschnitzen können, sollten das durch Hochschulen geprägte Denken etablierter Kreativer kennenlernen. Diese wiederum sollten sich von traditionellen Techniken inspirieren lassen und starre Arbeitsprozesse überdenken.

          Also hängte sich Peter Mabeo ans Telefon und rief die kanadische Designerin Patty Johnson an, die damals Manufakturen auf der Süd- mit Herstellern auf der Nordhalbkugel vernetzte. „Sie war ziemlich erstaunt, als sie hörte, woher der Anruf kam“, erinnert sich Peter Mabeo, „aber ich habe sie überreden können, nach Botswana zu kommen.“ Aus der Kooperation entstand der „Maun Windsor Chair“, ein Hybrid aus Häuptlingssessel und puristischem Shaker-Stuhl, der mit großem Erfolg 2006 auf der ICFF (International Contemporary Furniture Fair) in New York gezeigt wurde – Mabeos erstem Schritt auf den Weltmarkt. Patricia Urquiola traf er im Februar 2009 zum Frühstück in Kapstadt, wo sie einen Vortrag hielt. Knapp acht Wochen später standen zwei ihrer gemeinsam mit Mabeos Designteam entwickelten Möbel bereits auf dem Salone del Mobile in Mailand: der „Kika“-Hocker, der einer Kopfstütze ähnelt, und der „Naledi“-Beistelltisch mit einem ins Holz eingewebten Stern aus Telefonkabeln.

          „Der kreative Austausch von Ideen, Materialien und Techniken formt das Resultat“

          Die Kollaboration zwischen dem Team von „Mabeo Furniture“ und bekannten Gestaltern dauert bis heute an. Auf der Mailänder Messe zeigte der Gestalter aus Botswana dieses Jahr die neue „Zezuru“-Kollektion der Nachwuchsdesignerin Inès Bressand. Die Französin kombiniert Hartholz mit gefalteten und gerollten Metallblechen – Abfallprodukte aus der Bauindustrie – zu kunstvollen Schränken und Schemeln. Für den Unternehmer entsteht gutes Design aus der Summe vieler verschiedener Einflüsse: „Der kreative Austausch von Ideen, Materialien und Techniken formt das Resultat“, sagt er. „Durch gemeinsames Ausprobieren und Verwerfen entstehen coole, zeitgemäße und menschliche Möbel, die zugleich in Afrika und Europa, in Gaborone und Mailand ihre Ursprünge haben.“ So sehen Mabeo-Stühle nicht aus wie Safari-Schemel, sondern wie Mid-Century-Entwürfe mit einem Hauch Exotik, und farbig gefasste Tische wie afrikanisch inspirierter Memphis-Stil. Auf keinen Fall will er, dass seine Leute lediglich die Ideen der internationalen Gäste aus afrikanischem Holz schreinern oder romantische Afrika-Klischees bedienen.

          Tisch mit Hockern: Farbenfroh, aus Holz und traditionell Bilderstrecke
          Tisch mit Hockern: Farbenfroh, aus Holz und traditionell :

          Seine Vision kommt an. Bei Mabeo werden Möbel und Accessoires für Prestige-Projekte auf der ganzen Welt gefertigt: In den Suiten ihres neuen Hotels „La Sereno“ am Comer See setzte Patricia Urquiola Beistelltisch und Hocker aus ihrer „Sefefo“-Serie (Wirbelwind auf Kiswahili) ein, die mit bunt bemalten Kerben verziert sind. In den Stockholmer Luxushotels „Nobis“ und „Skeppsholmen“ plazierte sie die mit feinen Schnitzmustern dekorierten „Kalahari“-Kleiderschränke sowie einen Sieben-Meter-Tisch von Claesson Koivisto Rune. Mehr als 200 „Tswana“-Klappstühle von Patty Johnson, inspiriert von Sesseln der Stammesältesten, gingen von Botswana aus in die Suiten des „Andaz 5th Avenue“ Hotels in Manhattan.

          Auch die Zentrale des Diamantenproduzenten und -händlers De Beers in Gaborone sowie der hippe Alara Concept Store in Lagos, konzipiert von dem britischen Architekten David Adjaye, wurde beliefert. Manchmal dauert die Lieferung etwas länger. Das liegt daran, dass Mabeo das vorwiegend genutzte Panga-Panga Holz aus einem kleinen nachhaltigen Forst in Moçambique bezieht.

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          Mittlerweile zählen Möbel von Mabeo zu gefragten Sammlerobjekten. Auch in Afrika steigt das Interesse an ihnen, was Peter Mabeo besonders freut, weil er gutes Design als zukünftigen Wirtschaftsfaktor seines Landes proklamiert, um kulturelle Relevanz und nationale Identität zu stärken. Dazu passt, dass Mabeo ehemalige Industriedesignstudenten der Universität von Botswana als Jungdesigner beschäftigt. Im Juli unternimmt er jedoch erst mal mit dem internationalen Gestalter-Nachwuchs eine Design-Safari: an der bekannten „Domaine de Boisbuchet“ nahe Poitiers leitet er einen Workshop. Die Teilnehmer sollen üben, sich frei zu machen von den Schranken im Kopf, von Trends, gängigen Materialien und Vorgaben der Industrie. Wer das schafft, ist dazu eingeladen, Möbel und Objekte zu erschaffen, die mitten in der Wildnis, auf einer Insel im Okavango-Delta, zu einem „Design Camp“ arrangiert werden – von der Küche aus Schilf bis zur Elefanten-Abschreckanlage.

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          Quelle: F.A.S.

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