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Personalberater klagen Manager belasten den Ruf der Wirtschaft

Personalberater kritisieren die Abgehobenheit mancher Manager. Sie fordern mehr Verantwortungsbewusstsein auf den Chefetagen - und Aufsichtsräte, die durchgreifen.

© dpa Gravitationszentrum des schlechten Rufs

Die Versicherungsgesellschaft Ergo belohnt erfolgreiche Vertreter mit Prostituierten auf Firmenkosten. Der Kommunikationschef von Thyssen-Krupp übernachtet während einer Dienstreise in einer 260-Quadratmeter-Luxussuite. Der Vorstandschef der Deutschen Bank beschwert sich beim hessischen Ministerpräsidenten über die Razzia der Staatsanwaltschaft. Das Bild, das die Wirtschaftselite des Landes in letzter Zeit in der Öffentlichkeit abgibt, ist wenig schmeichelhaft. Nun äußern auch sonst eher managerfreundlich gestimmte Kreise Kritik daran, wie einzelne Unternehmensvertreter den Ruf der Wirtschaft insgesamt belasten.

Julia Löhr Folgen:

„Was wir hier sehen, ist ein Fall von Realitätsverlust“, sagt etwa Hubertus Graf Douglas, der Deutschland-Chef der Personalberatung Korn Ferry, die Führungspositionen in Dax-Konzernen und mittelständischen Unternehmen besetzt. Die Führungskräfte verfielen dem Irrtum, dass sie unersetzlich seien und sich aufgrund ihrer Position über Regeln hinwegsetzen könnten. Ähnlich sieht es der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt: „Die Manager fühlen sich sicher. Sie haben das Gefühl, dass sie sich ihre Regeln selbst setzen können.“

Fragt man nach den Gründen für diese Abgehobenheit, wird häufig auf das abgeschirmte Leben verwiesen, das viele Führungskräfte führen. Morgens mit dem Fahrer ins Büro, mittags unterwegs in der Business-Class, abends Kamingespräch im Fünf-Sterne-Hotel. „Ich weiß nicht, wann so jemand das letzte Mal bei Rewe einkaufen war“, sagt Frank Dopheide, der mit seinem Unternehmen Deutsche Markenarbeit Führungskräfte in Imagefragen berät. Fast schon legendär ist in diesem Zusammenhang der Auftritt des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Bank, Clemens Börsig, der im Kirch-Prozess Mühe hatte, dem Richter seine Adresse samt Postleitzahl korrekt zu nennen.

„Du bist das Alphatier“

Häufig fehlt den Managern ein Korrektiv. Berater und Assistenten halten sich - mal in vorauseilendem, mal in eingefordertem Gehorsam - mit Kritik zurück. Der vermeintliche Freundeskreis ist nicht mehr als ein Geflecht alter Wegbegleiter, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen. Manager würden von ihrem Umfeld geradezu hofiert, beobachtet Dopheide - mit einer Botschaft: „Du bist das Alphatier.“

Die Vergütung trägt ihren Teil dazu bei, dieses Gefühl zu stärken. Deutsche Manager gehören in Europa mittlerweile zu den Spitzenverdienern, ergab eine Untersuchung von knapp 400 Unternehmen, die das Netzwerk Expert Corporate Governance Service durchgeführt hat. Nur die Vorstandsvorsitzenden in Großbritannien verdienen demnach noch mehr. Im Schnitt erhielten die Konzernlenker 2011 hierzulande 4,3 Millionen Euro, der europäische Durchschnitt lag bei 3,7 Millionen Euro. Deutschlands Topverdiener war Volkswagen-Chef Martin Winterkorn mit rund 17,4 Millionen Euro.

„Früher waren sich Manager ihrer Verantwortung für das Ganze stärker bewusst“, sagt Personalberater Douglas. „Heute geht es bisweilen zu sehr um die Frage: Was ist für mich persönlich drin?“ In die gleiche Richtung zielt die Kritik von Michael Kramarsch von der Beratungsgesellschaft Hostettler, Kramarsch & Partner. „Die Loyalität und Identifikation der Manager mit ihren jeweiligen Unternehmen sind gesunken“, sagt er. Wobei ihm wichtig ist, zu betonen, dass sich das Gros der Manager anständig verhalte.

Riesiger Ansehensverlust

Dass die schwarzen Schafe das Bild dominieren, hängt nach Einschätzung der Experten damit zusammen, dass die Toleranzschwelle der Gesellschaft sinkt. „Früher gab es ein Versprechen: Wenn es denen oben bessergeht, dann geht es auch denen unten besser. Das ist nicht eingehalten worden“, sagt der Darmstädter Elitenforscher Hartmann. Auch Vergütungsfachmann Kramarsch sieht die gegenwärtige Aufregung über das Verhalten von Managern in einem gesellschaftspolitischen Kontext: „Die Frage ist doch: Wie viel Unterschied kann ein reiches Land wie Deutschland aushalten?“ In einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Beamtenbunds zum Ansehen verschiedener Berufe landeten Manager auf einem der letzten Plätze. Keine andere Berufsgruppe verzeichnete in den vergangenen fünf Jahren einen derart großen Ansehensverlust.

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Berater sehen nun vor allem die Aufsichtsräte in der Pflicht, wenn sich an diesem Zustand etwas ändern soll. Sie seien es, die Missstände frühzeitig erkennen und Konsequenzen ziehen müssten. Ob es unter diesen Umständen sinnvoll ist, dass ehemalige Vorstandsvorsitzende - ob sofort oder mit Verzögerung - in den Aufsichtsrat ihres Unternehmens wechseln, hält Hubertus Graf Douglas von Korn Ferry zumindest für diskussionswürdig. Deutlicher wird der TU-Professor Hartmann, der schon eine konkrete Vorstellung davon hat, wie der Neuanfang in Sachen Führungskultur in Deutschland aussehen könnte. Eine tragende Rolle kommt dabei Gerhard Cromme zu, dem Aufsichtsratsvorsitzenden von Thyssen-Krupp, der einst Vorsitzender der Regierungskommission für gute Unternehmensführung war. Hartmann ist sich sicher: „Wenn Cromme jetzt sagen würde: Ich habe Fehler gemacht, ich trete zurück, wäre das ein Signal, das man schwer übersehen könnte.“

Quelle: F.A.Z.

 
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