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Personalabbau Die Commerzbank setzt auf ältere Mitarbeiter

Beim geplanten Abbau von 5.200 Vollzeitstellen macht die Commerzbank den Abschied für ältere Mitarbeiter weniger lukrativ. Die Kunden wollen erfahrene Berater, glaubt der Vorstand.

© dapd Vergrößern Allein im Privatkundengeschäft will die Commerzbank 1800 Stellen abbauen - vorwiegend junge Banker sollen gehen

Wenn ein Konzern über Jahre Personal abbaut, dabei nach und nach älteren Mitarbeitern mit diversen Programmen den Ruhestand schmackhaft macht, droht irgendwann die Alterspyramide zu kippen, und die Jugend ist allein auf weiter Flur. Die Commerzbank, geführt von einem Vorstand im Durchschnittsalter von gerade mal 50 Jahren, will es gar nicht erst so weit kommen lassen.

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Deshalb setzt der jüngst beschlossene Abbau von 5.200 Vollzeitstellen andere Akzente als frühere Personalabbauprogramme. „Wir brauchen Erfahrungswissen, deshalb wollen wir auch ältere Mitarbeiter im Unternehmen halten“, sagt Personalvorstand Ulrich Sieber, selbst 47 Jahre jung, 30 Jahre davon verbrachte er im Bankgeschäft, seit einer Lehre in der Bayerischen Vereinsbank in seinem Heimatort Altötting.

Ulrich Sieber - Der Personalchef der Commerzbank stellt sich in Frankfurt den Fragen von Georg Meck © Röth, Frank Vergrößern Commerzbank-Personalvorstand Ulrich Sieber

Um eine „ausgeglichene Altersbalance zu halten“ hat der Vorstand den gerade unterschriebenen Sozialplan entsprechend justiert: Gegenüber bisherigen Sparprogrammen wird der Abschied für erfahrene Mitarbeiter weniger attraktiv. Seit Übernahme der Dresdner Bank im Herbst 2008 ist der Personalbestand der Commerzbank kontinuierlich gesunken; von knapp 63.000 Mitarbeitern im Jahr 2009, auf 56.000 im Jahr 2012, auf voraussichtlich deutlich unter 50.000 im Jahr 2016.

20.000 Euro Abfindung

Da die starken Jahrgänge in diesen Jahren auch älter geworden sind, ist das Gleichgewicht in der Belegschaft noch nicht gekippt. Das ist wichtig: „Sie erwarten als Kunde, dass auch erfahrene Berater in der Filiale sitzen“, sagt Personalvorstand Sieber. Da der Konzern in dem jetzt unterschriebenen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet, nimmt er umgekehrt für sich in Anspruch, frei zu entscheiden, wen er gehen lässt und wen nicht.

„Es gilt das Prinzip der doppelten Freiwilligkeit“, bekräftigt Sieber - eine Garantie, dass der Personalabbau in jedem denkbaren Fall freiwillig, also ohne zwangsweise Kündigungen, abgeht, mag er freilich nicht geben: „Betriebsbedingte Beendigungskündigungen werden Ultima Ratio bleiben. Bis 2016 haben wir in drei Jahresetappen realistische Abbauziele formuliert, bei deren Erreichen Kündigungen ausgeschlossen bleiben.“ Das Sparprogramm kostet zunächst: eine halbe Milliarde Euro hat der Vorstand dafür bereits reserviert.

Mindestens 20.000 Euro Abfindung erhält jeder Mitarbeiter, der die Bank verlässt, individuell kann es auch deutlich mehr sein. „Von den 500 Millionen Euro für die Restrukturierung ist auch ein Teil für den Umbau der Filialen vorgesehen. Stark vereinfacht kann man sagen: Ein Brutto-Monatsgehalt für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit ist die grobe Formel, nach der sich die Abfindung berechnet.“ Für leitende Mitarbeiter, beginnend mit den Regionaldirektoren, hat der Konzern eine Obergrenze eingezogen.

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3.900 der 5.200 gekürzten Stellen entfallen auf die Commerzbank AG Inland. Im Privatkundengeschäft sinkt die Zahl der Vollzeitstellen um 1.800, die Zahl der Filialen soll mit 1.200 aber konstant bleiben. Gleichzeitig hat Commerzbank-Chef Martin Blessing das Ziel ausgegeben, eine Million neue Kunden in Deutschland zu gewinnen: Wie passt das zusammen?, fragt sich nicht nur die Gewerkschaft.

„Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Filiale?“, fragt Ulrich Sieber zurück.  Der Konzern habe darauf zu reagieren, dass sich das Kundenverhalten geändert hat: mehr Online-Banking, niedrigere Frequenz in den Filialen, anderer Rhythmus des Kundenstroms. Deshalb rüstet sich der Personalvorstand, der gerade 70 Tage harte Verhandlungen mit den Betriebsräten hinter sich hat, bereits für die nächste Auseinandersetzung: Die Commerzbank will flexiblere Arbeitszeiten durchsetzen. 

Eine Filiale soll bei entsprechender Lage, etwa in den Einkaufsstraßen der Großstädte, abends länger öffnen. Dass dies alles die Laune in der Belegschaft nicht hebt, mag der Vorstand gar nicht erst leugnen. Die Stimmung sei „realistisch“, sagt Sieber, „so realistisch wie in der gesamten Branche: In den Banken ist gerade niemandem zum Jubeln zumute.“

Quelle: F.A.S.

 
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