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Online-Bezahlverfahren : In Deutschland wird kein Geld gelassen

Wie online bezahlen? Mit Kreditkarte, Paypal, oder per Lastschrift? Die Internethändler haben einen Vorteil. Bild: dpa

Das Online-Bezahlverfahren deutscher Banken, Paydirekt, bleibt hinter den Erwartungen zurück. Am Ende aber entscheiden wohl sowieso die Internetriesen, wie hierzulande gezahlt wird – und nicht die Banken.

          An Lobesreden über Paydirekt mangelt es wahrlich nicht. „Mit dem Start von Paydirekt beim Marktführer Sparkasse wird das deutsche Online-Bezahlverfahren richtig Fahrt aufnehmen“, hoffte Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon Ende April des vergangenen Jahres. Nun, genau zwei Jahre nach dem Start, herrscht eher Katerstimmung. Es ist mühselig, die Fehler aufzuzeigen, die Paydirekt bisher gemacht hat. Da wären zum einen die hohen Gebühren für Händler, zum anderen kommen die Deutschen schlicht zehn Jahre zu spät.

          Für Nutzer gibt es keinen substantiellen Mehrwert gegenüber der schier übermächtigen Konkurrenz von Paypal. Das größte Asset, das Paydirekt hat, ist die Kampfeslust von Michael Mandel, seines Zeichens Privatkundenvorstand der Commerzbank. Doch das allein wird nicht reichen. Denn zur Wahrheit gehört: Es ist fast egal, wie viele Händler Paydirekt noch gewinnt oder eben nicht. Der Kampf um den deutschen Bezahlkunden wird nicht bei Mindfactory oder Haribo entschieden, sondern bei Amazon. Dort werden 20 Prozent des Online-Handels abgewickelt.

          Um das zu verstehen, muss man sich anschauen, wie im Internet bezahlt wird. Durchschnittlich bietet jeder Online-Shop sieben Zahlungsarten an. Jede dieser Zahlungsarten kostet den Online-Shop unterschiedliche Gebühren. Für eine Kreditkarte sind es 0,3 Prozent des Einkaufs, bei Lastschrift weniger. Paypal zum Beispiel verlangt laut den eigenen Geschäftsbedingungen 1,5 Prozent plus 35 Cent je Transaktion. Paydirekt bewegt sich in einem ähnlichen Umfeld, seine Gebühren schwanken zwischen 1 und 1,6 Prozent, dazu kommen ebenfalls Transaktionsgebühren um die 35 Cent. Diese Gebühren bilden das Risiko eines Zahlungsausfalls oder das Bereitstellen der Bezahl-Infrastruktur ab.

          Einzige Gegenleistung der Bezahldienste sind Käufergruppen

          Nun kommt die wichtige Frage: Welches Interesse sollte Amazon haben, für das Zahlverfahren höhere Gebühren entrichten zu müssen? Bisher bietet Amazon lediglich die günstigen Zahlungsmittel Kreditkarte und Lastschrift an. Die Rechnung ist dann einfach. Amazon setzte in Deutschland im Vorjahr 13,3 Milliarden Euro um. Eine um ein Prozent höhere Zahlungsgebühr wie bei Paydirekt oder Paypal kostet Amazon dann jährlich also 133 Millionen Euro. Für so viel Geld muss die Gegenleistung stimmen. Die einzige Gegenleistung, die Bezahldienste anbieten können, sind neue Käufergruppen. Zumindest Paypal hätte mit mehr als 19 Millionen Kunden in Deutschland gute Argumente.

          Wie schwierig es ist, Amazon zu knacken, spürt Paypal sehr deutlich. Der amerikanische Bezahldienst beißt sich seit Jahren an Amazon die Zähne aus. Und das tut ihm sehr weh. So werden in Deutschland rund 18 Prozent der Umsätze im Online-Handel über Paypal abgewickelt. Damit ist man hinter dem Kauf auf Rechnung und der Lastschrift auf Platz drei der Zahlverfahren. Ganz anders schaut es aus, würde man den gesamten Onlinehandel ohne Amazon betrachten. Dann wäre Paypal direkt die Nummer zwei mit einem Marktanteil von 22,9 Prozent. Ein schwacher Trost für die Amerikaner. Denn ansonsten hat Paypal die Nase vorn im Rennen um die deutschen Händler. In neun von zehn Internetshops in Deutschland wird Paypal angeboten. Und Paydirekt? Etwa jeder zwanzigste Händler bietet das an, neuerdings kam mit Otto eine größere Nummer hinzu. Das hat sich der deutsche Bezahldienst aber auch einiges kosten lassen, mehr als 10 Millionen Euro soll die Kreditwirtschaft dafür gezahlt haben. Das trägt schon Züge von Verzweiflung.

          Konkurrenz für Paydirekt wird immer größer

          Doch es gibt für Paydirekt noch eine andere Gefahr am Horizont, und das ist eine weiter wachsende Konkurrenz. So gibt es mit „Amazon Pay“ schon ein eigenes Amazon-Bezahlangebot. Mit mehr als 300 Millionen Kunden auf der Welt schlummert ein riesiger Schatz auf den Servern des Handelsriesen. Der Internetkonzern Alphabet besitzt schon seit sechs Jahren eine eigene europäische Banklizenz, seit längerem halten sich Gerüchte über den Einstieg mit einem eigenem Bezahlangebot. Apple Pay wird über kurz oder lang seinen Weg nach Deutschland finden, und von Facebook wurde noch gar nicht gesprochen.

          Facebook hat in ihrem Messenger im amerikanischen Raum schon teilweise ein Bezahlangebot eingerichtet, warum dann nicht auch in Deutschland? Und die chinesischen Giganten Alipay und WeChat bauen hierzulande Stück für Stück eine eigene Infrastruktur auf, mit der vorerst nur Chinesen zahlen können. Warum sollten sie ihr System nicht auch anderen öffnen? Es ist ein lukrativer Markt, der dort auf viele Konzerne wartet, und sie müssen nur zugreifen.

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          Und Paydirekt? Hier streitet man sich noch im Kleinklein. Während Banken die Funktion einführen, Geld kostenlos zu versenden, sind Sparkassenkunden außen vor, da diese mit Kwitt bereits ein eigenes Modell haben. Und während Paypal in den stationären Handel drängt und zum Beispiel mit Shell kooperiert, ist von Paydirekt nichts derartiges zu hören, im Gegenteil. Hier kündigten die Sparkassen ein eigenes Modell an. Wenn die bei Paydirekt beteiligten Banken weiterhin nicht miteinander arbeiten, sondern gegeneinander, werden sich die amerikanischen Internetkonzerne fröhlich die Hände reiben und den Markt unter sich aufteilen.

          Franz Nestler

          Redakteur in der Wirtschaft.

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