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Deutsche Krankenhäuser : So wenig Kontakt zum Patienten wie möglich

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Im Neubau der Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg: Das Krankenhaus verspricht auf seiner Internetseite „modernste Medizin auf höchstem Qualitätsniveau“. Bild: Junker, Patrick

In unseren Kliniken stehen viele teure Computer. Aber wenn nachts die Patienten vor Schmerz wimmern, hilft keiner. Ein Leidensbericht.

          Drei Wochen habe ich nach einem komplizierten Beinbruch in einem der modernsten Krankenhäuser des Landes gelegen. Fast 500 Betten haben die Hochtaunus-Kliniken in Bad Homburg, das Schmuckstück ist ein vor drei Jahren in Betrieb genommener Neubau am Stadtrand. Das imposante Gebäude könnte auf den ersten Blick auch ein Vier-Sterne-Hotel sein. Die liebenswürdigen, auskunftsbereiten Hostessen im fast schon luxuriösen Foyer bestärken den Eindruck. Der Anspruch des wohlhabendes Landkreises, der die Trägerschaft übernommen hat, ist deutlich sichtbar. Hier wurde nicht gespart.

          Zugegeben, ich habe meine Erfahrungen dort zum vermutlich ungünstigsten Zeitpunkt des Jahres gesammelt: zwischen Weihnachten und Neujahr und darüber hinaus. Am 23. Dezember gegen 17 Uhr eröffnete mir ein netter Chirurg auf dem Flur vor der Kardiologie, er wolle mich gleich noch vor den Feiertagen operieren. Dauer ungefähr drei Stunden. Ich habe ihn nie wiedergesehen und konnte ihm nur schriftlich danken für die kunstvolle Konstruktion, mit der er meinen Oberschenkel von der Hüfte bis zum Knie stabilisiert hat.

          Gesundheitswesen als Ganzes aus dem Blick verloren

          Manche Krankenhäuser werben heute mit dem Versprechen, dass Patienten bei ihnen keine oder kaum Schmerzen leiden müssen. Für viele ist das selbstverständlich. In den Hochtaunus-Kliniken jedoch fand man für Morphin, das ich nicht vertrug, offenbar keinen Ersatz. Wortlos und ungerührt von meinem stundenlangen Wimmern schloss die bildschöne Nachtschwester aus Eritrea die Tür, nachdem sie mir verärgert erklärt hatte, sie habe nur die Anweisung, mir das Präparat Novalgin zu geben. Sie weigerte sich, den diensthabenden Arzt zu rufen. Was hätte geschehen können, wenn etwas Lebensbedrohendes die Ursache für meine Schmerzen gewesen wäre? Dieses einzige Mal habe ich mich beschwert. Drei Wochen lang gelang es den Ärzten nicht, meine wiederkehrenden Schmerzattacken zu beherrschen, die in einer Art Ohnmacht endeten und dazu führten, dass ich auch am nächsten Tag nichts essen konnte.

          Vielleicht war ich ja nur aus Versehen auf der falschen Station gelandet, auf K2 Ost, der Geriatrie, die hier einen besonders guten Ruf hat wegen ihrer Kompetenz und besten Ausstattung in Sachen Rehabilitation. Für mich, die ich nach der Operation möglichst bewegungslos auf dem Rücken liegen sollte, war all das zu diesem Zeitpunkt nicht optimal. Ich war nur noch eine Nummer, ein Fall, ausgeliefert einem Dutzend und mehr Hilfskräften, von denen sich keine für mich, so schien es mir, verantwortlich fühlte.

          Das dürfte überhaupt zu den Grundfehlern der Organisation eines modernen Krankenhauses gehören: das mangelnde Miteinander der einzelnen Bereiche. Krankenpflege und ärztliche Betreuung, haben die außer der gegenseitigen Information über den Computer überhaupt noch etwas miteinander zu tun? Die Vergrößerung der Stationen – statt 20 Betten, wie früher üblich, sind es in dieser modernen Klinik mehr als doppelt so viele – fördert auch eher die Anonymität als den erstrebten Teamgeist. Hochleistungsmedizin mit Hilfe von teuren Geräten und kompetenten Ärzten ist ja nicht alles, was ein Patient erwartet – und was er braucht. Die alten Werte der Caritas, wer wagt noch sie einzufordern? Die Gesundheitsreformen der jüngsten Zeit haben immer nur ausschnittsweise Veränderungen bewirkt. Es scheint, als habe man darüber das Gesundheitswesen als Ganzes aus dem Blick verloren.

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