22.08.2005 · Es gibt zu wenig Papiertechnologen. Doch der Nachwuchs darf sich keine Illusionen machen: Papierstellung ist ein technischer Prozeß. Neben handwerklichem Geschick wird naturwissenschaftliches Verständnis erwartet.
In Mannheim steht an diesem Wochenende ein langgezogenes „Papiermobil“, in dem im Maßstab eins zu zehn das Modell einer Papiermaschine die Papierherstellung vom Stoffablauf auf dem Langsieb bis hin zum Aufrollen des fertigen Papiers zeigt.
Mit dem Gespann versucht der Verband der Papierfabriken (VDP) bei offenen Tagen von Unternehmen und Gemeinden, bei Messen und in Schulen für Berufe in der Papierindustrie zu werben: Der drohende Nachwuchsmangel bereitet Sorgen, auch wenn die Zahlen jüngst wieder steigen. Daher bietet der VDP in Bonn Broschüren und Gespräche an.
Papierherstellung als hochtechnologischer Vorgang
Die deutsche Papierindustrie benötigt im nächsten Jahrzehnt jährlich 300 Papiermacher (Papiertechnologen) und 40 Papieringenieure. Da die Hälfte der Absolventen nicht in der Industrie bleibt, liegt der tatsächliche Bedarf doppelt so hoch. Viele junge Menschen glauben fälschlicherweise, die Papierherstellung sei seit dem Papyrus im alten Ägypten wenig verändert und daher auch wenig faszinierend; dabei ist dies ein Beruf der Hochtechnologie mit hohen Ansprüchen.
Sichtbar wird das beim Besuch einer Papiermühle, in der in der Fertigung kaum ein Mensch zu sehen ist: Die Arbeit konzentriert sich auf die Überwachungsräume mit Bildschirmen. Die „Aufpasser“ sind vor allem in Krisensituationen gefordert. Dann obliegt ihnen eine hohe Verantwortung. Eine große Papiermaschine kostet eine halbe Milliarde Euro, so viel wie drei Fertigungsstraßen für Luxusautos. Schon kurze Betriebsunterbrechungen bringen hohe Verluste.
Technisches Verständnis, handwerkliches Geschick
Schülern beschreibt der angehende Papieringenieur, der das Papiermobil begleitet, das Berufsbild als interessant und das Studium als anspruchsvoll. Wer sich dafür entscheidet, sollte ein Grundinteresse für Naturwissenschaften haben, handwerkliches Geschick und mit dem Computer umgehen können. Gleich zwei Veränderungen gibt es derzeit bei der Ausbildung. Vom 1. September bietet die Papiermacherschule Gernsbach nahe Karlsruhe die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer Papierverarbeitung/-ausrüstung an.
Eine grundlegendere Änderung ist der neue Ausbildungsberuf Papiertechnologie, der im August den bisherigen Papiermacher ablöste. Papiertechnologen werden in allen Stufen der Fertigung, Wartung und Kontrolle benötigt. Für ihre dreijährige Ausbildung, an die sich der Meister anschließen kann, benötigen sie mindestens einen Hauptschulabschluß. Abiturienten können in dreijähriger Ausbildung Arbeit und Ausbildung zum Papiertechnologen an der Berufsakademie verbinden.
Papieringenieure können die Ausbildung an den Technischen Universitäten in Darmstadt oder Dresden oder der Fachhochschule München an ihr Maschinenbaustudium anschließen. Die meisten Papieringenieure, deren Bedarf stetig steigt, arbeiten in der Produktion, Forschung und Entwicklung. Aufstiegschancen gibt es zum Betriebsleiter oder Geschäftsführer, auch auf dem internationalen Arbeitsmarkt. Die Ausbildung kann im Ausland geschehen. Viele Studenten des Finnischen Zentrums für Technische Ausbildung sind Ausländer.
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