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Outsourcing-Branche : Servicegrüße vom Mittelmeer

Anziehungspunkt: Studenten aus aller Welt suchen in Barcelona Arbeit Bild: ddp

Ob für den Einkauf von Büromaterial oder das Betreiben der IT-Systeme: Die Vorzüge des Outsourcings predigen Managementberater schon seit Jahren. Doch oft liefern ausländische Fremdfirmen schlechte Arbeit ab. Jetzt stellt die Branche verstärkt Akademiker ein.

          Wenn ein Kunde aus Deutschland die Hotline des amerikanischen Computerherstellers Acer anruft, dann kann es gut sein, dass er in einem Bürogebäude an der Avenida Diagonal in Barcelona bei Sibylle Schaumberger landet. Die Siebenundzwanzigjährige ist Deutsche. Sie hat zuerst in Dortmund und später in Valencia Betriebswirtschaft studiert - und wollte danach nicht mehr aus Spanien weg. So kam es, dass sie nicht in Deutschland auf Stellensuche ging, sondern in Barcelona. „Die Stadt ist toll“, schwärmt Schaumberger. Wenn sie aus dem Fenster schaut, sieht sie das Mittelmeer im Sonnenlicht glitzern. Dass sie als Diplom-Betriebswirtin in einem Callcenter arbeitet, stört sie nicht: „Es ist nicht einfach, in Spanien einen Job zu finden.“

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Fragt man Schaumberger, für wen sie arbeitet, dann antwortet sie ganz selbstverständlich: „für Acer“. Doch das stimmt so nicht, eigentlich müsste ihre Antwort „Sellbytel“ lauten, das ist Schaumbergers Arbeitgeber. Ein Unternehmen, das kaum jemand außerhalb der Branche kennt, Teil des Werbekonzerns BBDO. Sellbytel ist auf Outsourcing spezialisiert. Die Mitarbeiter informieren über die Produkte von Unternehmen wie HP, Kraft Foods und Apple, außerdem kümmern sie sich um den technischen Kundendienst. Die Zentrale von Sellbytel sitzt in Nürnberg. Von Barcelona aus werden Kunden in Westeuropa betreut, von Prag diejenigen aus Osteuropa. Im Herbst eröffnet eine Niederlassung in Singapur für den asiatischen Markt. Outsourcing ist ein Wachstumsmarkt, davon ist der Vorstandsvorsitzende Michael Raum überzeugt. Vorausgesetzt, man setze keine Aushilfskräfte ans Telefon, sondern Akademiker.

          Produktionsverlagerungen sind wieder rückläufig

          Seit den neunziger Jahren ist das Wort Outsourcing in aller Munde. Reihenweise lagerten damals Unternehmen Teile ihrer Produktion an Auftragsfertiger im Ausland aus, um Kosten zu sparen. Später ließen sie auch Dienstleistungen wie das Betreiben der IT-Systeme und den Einkauf von Büromaterial von Fremdfirmen fern der Heimat erledigen. Effizienter und flexibler sei das, argumentierten Managementberater und predigten die Konzentration aufs Kerngeschäft. So entstand eine regelrechte Outsourcing-Industrie. Die Unternehmensberatung Accenture verdient einen Großteil ihres Geldes, indem sie für andere Unternehmen IT-Dienstleistungen erledigt, der indische Anbieter Tata Consultancy Services ebenso.

          Über die weitere Entwicklung gibt es geteilte Meinungen. „Sobald im nächsten Aufschwung genug Mittel für Investitionen bereitstehen, dürften die Firmen Unternehmensdienstleister mit weiteren Aufgaben betrauen“, sagt Philipp Ehmer, der sich in der sich bei Deutsche Bank Research mit dem Thema beschäftigt. Das Fraunhofer-Institut ist deutlich zurückhaltender, zumindest was die Fertigung angeht. „Produktionsverlagerungen ins Ausland sind auf den niedrigsten Stand seit 15 Jahren gesunken“, heißt es in einer Studie. Nur noch 9 Prozent der Betriebe hätten zwischen 2007 und 2009 Aufgaben ins Ausland verlagert.

          Ausländer sind leichter für ausgelagerte Jobs zu begeistern

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