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Seaworld : Der Unterhaltungs-Killerwal in der Krise

  • Aktualisiert am

Sind stark in die Kritik geraten: Orca-Shows in den Seaworld-Freizeitparks (unser Bild stammt aus einer Vorführung in San Diego im Jahr 1998) Bild: dpa

Die Orca-Shows im Freizeitpark Seaworld sind weltberühmt. Nun stecken sie in der Krise. Aus mehreren Gründen.

          Die schrecklichen Szenen, die sich am 24. Februar 2010 im Vergnügungspark Seaworld in Orlando abspielten, werden die Augenzeugen wohl nie vergessen: Der knapp sechs Tonnen schwere Orca-Wal Tilikum tötete seine Trainerin Dawn Brancheau vor einer der berühmten „Killerwal“-Shows - vor den Augen von mehreren Dutzend entsetzten Zuschauern.

          Darunter waren, wie immer, viele Kinder. „Es war schockierend, grausam“, sagt Suzanne Connell aus New Hampshire. Sie erlebte die Tragödie mit ihrer Familie aus nächster Nähe.

          Obwohl der gewaltige Schwertwal zuvor bereits in tödliche Unfälle verwickelt und die Kritik von Tierschützern an der Vorführung der gedrillten Orcas groß war, gingen die Verantwortlichen von Seaworld rasch wieder zur Tagesordnung über. Der Tod der Dompteurin wurde vom Unternehmen als unglückliche Panne eingestuft und der riesige Orca-Bulle bald wieder als Hauptattraktion vors Publikum gebracht.

          Für die Beteiligungsgesellschaft Blackstone, in dessen alleinigem Besitz Seaworld sich damals befand, waren die Shows sehr ertragreich. Vor allem die zum Teil über acht Meter langen, schwarz-weißen Schwertwale zogen massenhaft Besucher an. Als Seaworld im Jahr 2013 an die Börse ging, verdiente Blackstone Milliarden.

          Blackstone hatte damit gerade noch die Kurve gekriegt, denn ab dann ging es für das Unterhaltungsangebot bergab. Im Juli 2013, fast exakt drei Monate nach dem Börsengang, erschien der Dokumentarfilm Blackfish (deutscher Titel: Der Killerwal) - eine Reportage darüber, wie die Unterhaltungsindustrie Orcas ausbeutet. „Als ich anfing, an Blackfish zu arbeiten, hätte ich mir nie vorstellen können, welchen Effekt es auf Seaworld haben würde“, berichtet die Macherin des Films, Gabriela Cowperthwaite.

          Schlechte Öffentlichkeitsarbeit?

          Die Dokumentation stürzte Seaworld in eine Krise. Besucherzahlen, Umsatz und Gewinn gingen zurück, Geschäftspartner brachen Beziehungen ab, der Aktienkurs fiel, der Vorstandschef nahm seinen Hut. Verglichen mit dem Börsendebüt ist eine Seaworld-Aktie heute noch ungefähr halb so viel wert.

          Und viele Marktbeobachter sind skeptisch: In der vergangenen Woche stufte Branchenanalyst Bryan Goldberg von der Bank of America die Aktie herab und empfiehlt sie jetzt, die zu verkaufen.

          Mach einer empfindet die Art, wie Seaworld mit den Vorwürfen umgeht, als ein Paradebeispiel für ungeschickte Öffentlichkeitsarbeit. Statt den Dialog mit Cowperthwaite zu suchen, blieb das Unternehmen stur und versuchte, die Filmemacherin zu diskreditieren.

          „...um Tierschützer ruhig zu stellen.“

          Der Ruf litt dadurch noch stärker. „Schlechte PR ist gute PR? Denkste“, kommentierten die Marketing-Fachleute von Bernstein Crisis Management. Seaworld zeige, dass der alte Werbespruch nicht mehr gelte.

          Vor wenigen Tagen zeigte SeaWorld erstmals so etwas wie ein Einsehen und kündigte an, die umstrittene Orca-Show „One Ocean“ in San Diego Ende des Jahres 2016 einzustellen. „Wir hören auf unsere Gäste. Wir entwickeln uns als Unternehmen“, erklärte Seaworld-Chef Joel Manby. Zugleich wurde eine neue Vorführung angekündigt, die mehr auf das „natürliche Verhalten“ der Tiere abgestimmt sein soll. „Niemand ist sicher, was das heißt“, monierte sogleich die Tierschutzorganisation Humane Society.

          Sie will wissen, was aus den Orca-Shows in San Antonio und Orlando wird, wo sich das Tilikon-Unglück ereignete. Dazu hält sich Seaworld bedeckt. Als „faulen Kompromiss“ bezeichnet das Hagener Wal- und Delfinschutz-Forum die Ankündigung. „Es ist eine strategische Entscheidung, damit sich der Aktienkurs erholt und um die empörten Tierschützer ruhig zu stellen“, so Geschäftsführer Jürgen Ortmüller.

          Quelle: ala./dpa

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