28.01.2005 · Der Automobilkonzern General Motors lockt die Bochumer Opel-Werker mit dem Angebot, den neuen Astra zu bauen - allerdings nur, wenn die Löhne um 20 Prozent sinken.
Die Zukunft des Bochumer Opel-Werks ist nur bei massiven Einsparungen langfristig gesichert. Investitionen in das Werk mit derzeit noch rund 9000 Beschäftigten hingen von Kostensenkungen ab, sagte der Vizechef von GM Europe, Carl-Peter Forster, am Freitag am Rande einer Belegschaftsversammlung in der Essener Grugahalle.
GM sei bereit, ein weiteres Modell in Bochum produzieren zu lassen, was das Werk noch einige Jahre auslasten würde. Was aber nach dem Jahr 2010 geschehen werde, sei völlig offen. Das Werk habe nur dann eine Chance, wenn es sich im internationalen Wettbewerb bewähren könne. Knackpunkt seien die Löhne. Die Bochumer Beschäftigten würden „weit über Tarif“ bezahlt. Vertreter der Belegschaft befürchten, daß Forster das Lohnniveau auf das des Standorts Eisenach in Ostdeutschland kürzen will. Dies laufe auf Kürzungen in Höhe von 20 Prozent hinaus. Betriebsratschef Rainer Einenkel sagte, die Belegschaft sei aber zu Verhandlungen bereit, um den Standort auch über 2010 hinaus zu sichern.
Opelaner sollen „gewaltige Abstriche“ machen
„Wir haben Angebote vorgelegt, um Bochum so wettbewerbsfähig zu machen, daß das Werk eine Zukunft hat“, sagte Forster. „Wir haben angeboten, den neuen fünftürigen Astra in Bochum produzieren zu lassen.“ Dazu müsse es aber Zugeständnisse geben. Wie die Abstriche konkret ausfallen sollen, sagte Forster indes nach Angaben von Teilnehmern auch innerhalb der Betriebsversammlung nicht.
Einenkel warnte aber, wenn der fünftürige Astra nicht in Bochum gefertigt werde, würden nicht nur wie bisher geplant 2900 Arbeitsplätze wegfallen, sondern sogar 1400 zusätzliche Stellen gestrichen. Bekäme Bochum den Zuschlag für die Limousine, hätte das Werk gute Karten im Wettbewerb mit den anderen Standorten. Foster habe aber vor den rund 6000 anwesenden Opelanern deutlich gemacht, daß er im Gegenzug „gewaltige Abstriche“ bei übertariflichen Leistungen und Sozialleistungen durchsetzen wolle. Eine Standortgarantie wollte er zudem nicht geben. Nach Angaben der IG Metall wollen an diesem Wochenende europäische Betriebsräte zusammenkommen, um zu verhindern, daß die Standorte gegeneinander ausgespielt werden.
Forster: Arbeitsplatzabbau in Bochum nicht zu vermeiden
Der Opel-Mutterkonzern GM, der in Europa Verluste schreibt, hatte im Oktober angekündigt, in Europa fast 10.000 Stellen abbauen zu wollen. Wie dies konkret geschehen soll, ist Einenkel zufolge zumindest in Bochum weiter unklar. Bislang seien nur 960 Abfindungsverträge unterzeichnet worden. Als einzige in Europa hatte sich die Belegschaft in Bochum im Herbst zunächst mit einem mehrtägigen Ausstand gegen die Pläne gewehrt. Forster betonte, ein Arbeitsplatzabbau sei in Bochum nicht zu vermeiden.
Der örtliche IG-Metall-Chef Ludger Hinse sagte zu Forsters Angebot. „Ich denke, das ist eine Basis, über die verhandelt werden muß.“ Er rechne damit, daß die Gespräche in der kommenden Woche beginnen werden. „Wir werden nicht unter den Tarifvertrag der IG Metall kommen“, versicherte er.
Gedrückte Stimmung unter den Beschäftigten
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sagte den Opelanern, sie kämen um Einschnitte nicht herum: „Es müssen Umstrukturierungsmaßnahmen durchgeführt werden, um die Produktivität zu erhöhen.“
Unter den Beschäftigten, die die Halle am Mittag verließen, war die Stimmung nach dem ersten Treffen mit Opel-Managern seit dem Ausstand im Herbst gedrückt. „Immer nur wegnehmen und nichts Konretes anbieten, das geht nicht“, sagte Vertrauensmann Werner Günther. „Man verspricht uns etwas, aber wir können vom Herzen her nicht mehr dran glauben“, sagte Opelaner Erdogan Karadag.
10.000 Stellen sollen wegfallen
GM will sein defizitäres Europa-Geschäft mit einem strengen Sparkurs und massivem Stellenabbau wieder profitabel machen. Opel macht den größten Teil des europäischen GM-Geschäfts aus und trägt auch die Hauptlast des Sparprogramms. Fast 10.000 Stellen sollen bei Opel wegfallen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.692,96 | −1,41% |
| FAZ-INDEX | 1.495,13 | −1,32% |
| TecDAX | 769,89 | −0,43% |
| MDAX | 10.249,10 | −1,04% |
| SDAX | 4.985,13 | −0,71% |
| REX | 421,06 | −0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.480,76 | −1,65% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 80,01 | −1,60% |
| Dow Jones | 12.801,20 | −0,69% |
| Nasdaq 100 | 2.547,32 | −0,65% |
| S&P500 | 1.342,64 | −0,69% |
| Nikkei225 | 8.947,17 | −0,61% |
| EUR/USD | 1,3195 | −0,67% |
| Rohöl Brent Crude | 117,61 $ | −0,91% |
| Gold | 1.711,50 $ | −2,09% |
| Bund Future | 138,62 € | +1,01% |