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Opel-Krise Arbeiter kampfbereit - Aufsichtsrat: Kürzungspläne „kein Dogma“

16.10.2004 ·  Der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werkes will am Samstag über den weiteren Kurs im Kampf gegen den Stellenabbau beraten. In Bochum haben die Arbeiter bis auf weiteres den zweitgrößten deutschen Opel-Standort lahmgelegt.

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Angesichts des massiven Widerstandes im Bochumer Werk hat der Opel-Aufsichtsratschef Carl-Peter Foster die drastischen Kürzungspläne des Mutterkonzerns General Motors (GM) leicht relativiert. Der Abbau von insgesamt 10.000 Stellen sei „kein Dogma“, sagte Foster, der auch GM-Europachef ist. Konkreter wurde er nicht, auch von einem Verzicht auf einen Stellenabbau war nicht die Rede. „Wir sind an gemeinsamen Lösungen interessiert“, signalisierte er lediglich nach einer Sondersitzung des Aufsichtsrates in Rüsselsheim. Streiks und Arbeitsniederlegungen seien in „der Sache nicht hilfreich“, betonte er.

Der Betriebsrat des Bochumer Opel-Werkes will am Samstag über den weiteren Kurs im Kampf gegen den vom Mutterkonzern General Motors (GM) geplanten Stellenabbau beraten. Dies kündigte Betriebsratsmitglied Lothar Marquardt am Freitag an. In Bochum haben die Arbeiter bis auf weiteres den zweitgrößten deutschen Opel-Standort lahm gelegt.

Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hat an die Bochumer Opel-Mitarbeiter appelliert, ihre Arbeit wieder aufzunehmen. Sie sollten nicht zusätzliche Unsicherheit schaffen, sagte Clement am Freitag in Frankfurt. „Sie sollten zuversichtlich sein, daß in den Verhandlungen sozialverträgliche Lösungen gefunden werden.“ Am Tag nach der Ankündigung des drastischen Stellenabbaus stehen die Bänder im Bochumer Opel-Werk weiter still.

Betriebsrat: Bestandsgarantie für Bochumer Werk

„Die Produktion geht erst weiter, wenn die Signale heißen: Der Abbau von 4000 Arbeitsplätzen ist vom Tisch, keine betriebsbedingten Kündigungen und Erhalt des Werks über 2010 hinaus“, sagte Betriebsrat Marquardt. Er gehe davon aus, daß es nicht zur Streichung von 4000 Stellen in Bochum kommt. Bochum sei eine Pipeline für die Zulieferung von Komponenten an andere europäische Werke. „Jeder Tag Stillstand in Europa kostet den Konzern 30 Millionen Euro“, erläuterte der Betriebsrat.

Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer Steinbrück (SPD) sprach sich gegen einen Arbeitskampf bei Opel in Bochum aus. Trotz Unsicherheit und Empörung rate er zur Mäßigung, weil dies in den Erörterungen bei General Motors genau wahrgenommen werde. Er werde sich aktiv dafür einsetzen, daß es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen komme, sagte Steinbrück im DeutschlandRadio Berlin.

Der Gelsenkirchener Automobilmarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer warnte ebenfalls. „Für zwei bis drei Tage andauernde Proteste hat angesichts des Ausmaßes der Sparpläne sicher jeder Verständnis“, meinte Dudenhöffer. Wenn diese aber zwei bis drei Wochen andauerten, könnte die Konzernleitung den Standort Bochum als zu großen Risikofaktor ansehen. „Das wäre das Todesurteil für Opel in Bochum.“

Proteste sollen am Wochenende fortgesetzt werden

„Ich glaube nicht, daß die Proteste kontraproduktiv sind. Damit setzen wir die Unternehmensleitung unter Druck“, sagte Betriebsratssprecher Klaus Neumann. Auch über das Wochenende sollen die Proteste fortgesetzt werden. „Die Position der Unternehmensleitung ist für uns keine Verhandlungsbasis“, sagte der Betriebsratssprecher. Es gehe nur noch darum, wie Arbeitsplätze abgebaut werden.

Bei den Arbeitsniederlegungen handele es sich um eine sogenannte Informationsrunde, nicht um einen Streik, stellte Neumann klar. Rund 1200 Autos pro Tag werden wegen der Proteste in Bochum nicht gebaut.

Der stellvertretende Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, forderte GM auf, rasch in Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft zu treten. Ziel müsse die Sicherung aller Standorte in Europa sein.

Aufsichtsrat berät über Stellenabbau bei Opel

Im Stammwerk Rüsselsheim laufe die Produktion weiter, sagte ein Opel-Sprecher. Dem Betriebsrat zufolge sind dort auch keine Proteste geplant. Im Laufe des Vormittags ist der Aufsichtsrat der Adam Opel AG zu einer außerordentlichen Sitzung über den Sanierungsplan von GM zusammengetreten.

Bereits am Donnerstag abend war es zu einer spontanen Arbeitsniederlegung in Bochum gekommen, nachdem GM angekündigt hatte, daß bei Opel ein massiver Stellenabbau bevorsteht. Demnach sollen in Deutschland rund 10.000 Stellen abgebaut werden. Dabei sind allein in Bochum, dem zweitgrößten deutschen Opel-Werk, laut Betriebsrat 4.000 Stellen bedroht.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, ddp, Dow Jones-VWD, Reuters
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