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Opel-Betriebsratschef Klaus Franz Der Co-Manager

18.02.2009 ·  Es gehört für Betriebsräte zum Job, düstere Szenarien an die Wand zu malen. Ganz anders Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz: Der Schwabe gilt wegen seiner versöhnlichen Zusammenarbeit mit der Konzernführung als Co-Manager des Unternehmens. Im Existenzkampf von Opel könnte er zwischen alle Fronten geraten.

Von Christoph Ruhkamp
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Es gehört für Betriebsräte gleichsam zum Job, die düstersten Schreckensszenarien an die Wand zu malen. Möglichst öffentlich. Wenn es doch nicht so schlimm kommt, kann man das den Kollegen als eigenes Verdienst verkaufen und wird wiedergewählt. So funktionierte das bislang auch bei manchen Opel-Arbeitnehmervertretern.

Ganz anders Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz: Der 56 Jahre alte Schwabe gilt wegen seiner versöhnlichen Zusammenarbeit mit der Konzernführung als Co-Manager des Unternehmens. Schließlich ist er schon seit 1975 dabei – damals startete er nach einer Drogistenlehre als Autolackierer – und kennt den Betrieb weitaus besser als die meisten der häufig wechselnden Manager des Mutterkonzerns General Motors. Seit neun Jahren führt er den Gesamtbetriebsrat und ist Vize-Aufsichtsratschef. Als Leiter des Europäischen Arbeitnehmerforums sitzt der IG-Metaller zudem an einer Schnittstelle, die in diesen Tagen entscheidend wird – bei den Verhandlungen zwischen dem GM-Konzern, Opel und den Politikern in Deutschland und Amerika über Werksschließungen und Entlassungen.

Wolfgang Franz dient Opel-Chef Hans Demant oft als Sprachrohr

Selbst wenn Franz das gewollt hätte: Seit kurzem hat er es gar nicht mehr nötig zu übertreiben, um Bund und Ländern mindestens eine Milliardenbürgschaft für Opel abzuringen. Die Lage spricht für sich. Im Zuge der angestrebten Sanierung von GM scheint mittlerweile fast alles möglich: Werksschließungen in Antwerpen und bei Opel in Bochum. Oder sogar der Verkauf des hochmodernen Werks in Eisenach. GM kann die Regierungen diesseits wie jenseits des Atlantiks erpressen: Wer am meisten hilft, dem werden die Standorte erhalten. Franz verwickelte sich dabei zuletzt in Widersprüche.

Am Dienstag wies er die Spekulationen über Werksschließungen zurück und sagte, er habe keine Kenntnis davon. Andererseits urteilte er über den Restrukturierungsplan: „In seiner derzeitigen Fassung umfasst er vermutlich Massenentlassungen an den GM/Opel/Vauxhall-Standorten und einige Werksschließungen.“ Bei alldem spielt Franz eine ganz besondere Rolle. Oft dient er Opel-Chef Hans Demant als Sprachrohr. Denn der Betriebsratschef kann Kritik am amerikanischen Management offener äußern. Er muss nicht diplomatisch sein: „Ich gehe davon aus, dass es auch Menschen im Management von GM gibt, die Bestrebungen haben, verbrannte Erde zu hinterlassen“, haute er jetzt auf die Pauke.

In Bochum gilt der „Co-Manager“ als äußerst umstritten

Für solche Zitate ist der hemdsärmelige Mann mit dem Schnauzer und der runden Brille fast immer auf seinem Mobiltelefon erreichbar – außer in den letzten Tagen, da wurde die Zeit zwischen den Krisentreffen immer knapper. Eine Sitzung jagte die nächste in Berlin: erst mit den Ministerpräsidenten der vier Bundesländer mit Opel-Fabriken, die eine Beteiligung an Opel erwägen, dann mit dem neuen Wirtschaftsminister und mit den Fachbeamten im Kanzleramt.

Harte Worte dienen neuerdings dem guten Zweck. Und das ist schlicht die Rettung der deutschen Standorte in Rüsselsheim, Bochum, Kaiserslautern und Eisenach mit zusammen 25.000 Beschäftigten als eigenständiges Unternehmen. Ob Franz dabei seinen Schmusekurs mit dem Management aufrechterhalten kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Er könnte bald zwischen die Fronten geraten.

Vor allem bei der kampferprobten, von Fabrikschließung bedrohten Bochumer Belegschaft gilt der „Co-Manager“ als äußerst umstritten. Vielleicht muss er, der über keinerlei Parteibuch verfügt, sich bald für eine der Seiten entscheiden. Schließlich geht General Motors in die Verhandlungen mit europäischen Arbeitnehmervertretern, um Einsparungen von insgesamt 1,2 Milliarden Dollar durchzusetzen. Auch intern – unter den Betriebsräten – könnte schnell ein Hauen und Stechen einsetzen, wenn es darum geht, welche Standorte am meisten bluten müssen.

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Jahrgang 1972, Redakteur in der Wirtschaft.

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